Als Schulz den Ball Sekunden vor der Schlusssirene zum 33:33 aus spitzen Winkel ins Netz zirkelte, wurde er von seinen Kollegen fast erdrückt. Riesenjubel brandete in der gut gefüllten Realschulhalle auf. Enttäuschung dagegen auf der Seite der SG Regensburg: Der Tabellenführer hatte in der 57. Minute noch mit drei Toren vorne gelegen. Dann zog HC-Coach Dirk Samel aber seinen letzten Joker. Er nahm den Torwart heraus und stellte Yannik Schulz als siebten Mann aufs Feld. Dieser Schachzug ging voll auf. "Dieses Last-Minute-Tor ist eine Riesenbefreiung für uns", kommentierte Samel das Unentschieden. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie hat nie aufgegeben."
Regensburg büßte die Tabellenführung gegen ihren schärfsten Verfolger aus Herzogenaurach ein, die TSH hat allerdings ein Spiel mehr ausgetragen. Forchheim kann als Neunter mit 14 Punkten die Situation im Tabellenkeller etwas entspannter betrachten. "Ein Punkt ist ein kleiner Schritt in der Tabelle, für die Moral war es aber hoffentlich ein großer", sagte Samel.

HC Forchheim - SG Regensburg 33:33

In Abschnitt 1 sahen die Zuschauer eine temporeiche und spielerisch hochklassige Partie . Forchheim hatte insgesamt die besseren Gelegenheiten. Folgerichtig lag der Hausherr zumeist knapp mit ein bis zwei Toren vorne (8:7, 11:9). Kurz vor der Pause kamen die Gäste stärker auf. Forchheim hatte zwei Zeitstrafen zu überstehen, daher kamen die Domstädter zur knappen 17:16-Führung.
Für Hochspannung war auch im zweiten Durchgang gesorgt. Das Regensburger Spiel war auf die Rückraumspieler Heiligtag, Fuchs und Sigl zugeschnitten. Der gehandicapte Steve Müller wurde nur dann eingesetzt, wenn der SG das Spiel zu entgleiten drohte. Doch Forchheim war nach dem Seitenwechsel sofort im Bilde, mit einem Doppelschlag von Markus Wolf holten sie die Führung zurück und behaupteten diese.
Das HC-Spiel lief lange Zeit wie aus einem Guss. Dabei hatte die Sieben von Trainer Dirk Samel zwei schwere Ausfälle wegzustecken. Bernd Zuber schied mit einer Fußverletzung aus (33.), zehn Minuten später musste Markus Wolf nach der dritten Zeitstrafe die Spielfläche verlassen. Samel gingen langsam die Spieler aus. Der verbliebene Rest holte aber alles aus sich heraus, beherrschte das Spielgeschehen und wurde für seinen Einsatz mit einer 26:21-Führung (43.) belohnt.
Regensburg sah nun seine Felle davonschwimmen, mobilisierte alle Kräfte. Die Partie steuerte auf ihren Höhepunkt zu. Die Gäste kamen auf 26:24 heran. Doch der HC schlug sofort zurück und erhöhte seinen Vorsprung auf 28:24 (49.). Forchheim ging so langsam die Puste aus, im Abschluss ging die Konzentration verloren. Die SG schaffte nun den 29:29-Gleichstand (54.) und zog auf 33:30 davon (57.). Auf der Regensburger Bank wurde der Sieg schon gefeiert. Zu früh.
Denn Samel reagierte mit einer offensiveren Abwehrvariante. Damit hatten die Gäste Probleme. Routinier Tobias Radina vom Kreis und Matthias Ochs aus dem Rückraum stellten den Anschluss zum 32:33 her, 17 Sekunden waren noch zu spielen. Nun nahm Samel den Torwart heraus und bot mit Yannik Schulz als siebten Feldspieler eine zusätzliche Offensivkraft auf, die dem HC den Punktgewinn bescherte. Die Zuschauer applaudierten minutenlang und waren sich in einer Feststellung einig: Es war das beste Spiel, das sie seit langem in der Realschulhalle gesehen haben.