Erst Frustabbau, dann Erleichterung. Thomas Roas, der sämtliche, kurz vor der Winterpause übrig gebliebenen Kraftreserven in seinen dritten Treffer investierte, gab die Gefühlslage beim Jahn wieder. Nach einer geklärten Ecke zog er aus 20 Metern flach per Vollspann ab (62.). "Der geht aber nur rein, weil ich vorher die beiden Tore gemacht habe", sagte der Hattrick-Schütze. Den ersten Angriff nach Wiederanpfiff hatte der 25-Jährige auf Querpass von Florian Clausnitzer zum Ausgleich ins lange Eck abgeschlossen (47.) und auf Flanke von Sebastian Schäferlein per Kopf das Spiel gedreht (53.).

"Wir haben nach der Pause komplett umgestellt", erklärte Jahn-Coach Michael Hutzler, der Adem Selmani von der Außenbahn auf seine angestammte Position hinter den Spitzen stellte, Clausnitzer auf die "Sechs" zog und vor allem Roas die Seiten tauschen ließ. "Ich weiß nicht, ob das entscheidend war, aber plötzlich macht der Junge drei Tore", sagte Hutzler.

Für eine im Tabellenkeller steckende Mannschaft agierte Neudrossenfeld überraschend offensiv. Die Jahn-Krise hatte sich längst im Landkreis Kulmbach herumgesprochen. "Es bringt nichts, sich in der Bayernliga 90 Minuten lang hinten reinzustellen", begründete Detlef Hugel seine Taktik. Doch auch hinten stand die Truppe des TSV-Trainers weitgehend sicher. Weder Selmani (13.) noch Oliver Seybold (14.) kamen durch.

Die Freistöße von Perparim Gashi landeten zwar in der Forchheimer Mauer oder im Fangzaun, doch spielerisch überzeugte der Neudrossenfelder. Mit einem Übersteiger und etwas Glück düpierte er Schäferlein und traf zum 0:1 (20.). Die Gastgeber liefen ihm und ihrer Leichtigkeit früherer Zeiten hinterher. Gashis Fernschuss verfehlte das Jahn-Gehäuse (35.), doch auch Roas (22.), erneut Seybold (28.) und Maximilian Göbhardt (39.) vergaben auf der anderen Seite.

"Früher hätten wir das vierte und fünfte Tor nachgelegt", analysierte Hutzler die zweite Halbzeit. Allein der eingewechselte Mergim Bajrami scheiterte an Pfosten (55.), Latte (82.) und Außennetz (89.). Stattdessen machte es der kurz zuvor von Hugel ins Spiel gebrachte Ertac Tonka besser und köpfte auf Flanke von Philipp Lämmert zum Anschluss ein (82.). Dass die Gäste nicht für eine erneute Wende sorgten, lag daran, dass Nico Kämpf nach seinem Solo die Genauigkeit beim Abschluss fehlte (83.) und Jahn-Keeper Rüdiger Beck nicht nur den Freistoß von Tonka, sondern auch den Nachschuss von Gashi glänzend parierte (87.).

"Trotzdem wird es Zeit für die Winterpause", sagte Kapitän Clausnitzer mit Blick auf die Forchheimer Verletztenliste. "Danach müssen wir wieder mehr als eine Halbzeit gut spielen." In der letzten Begegnung 2014 kann der Jahn in Ansbach Revanche für die 0:4-Hinspielpleite nehmen. Mit Hayri Özdemir, der an seinem Geburtstag eine folgenlose Gelb-Rote Karte kassierte (92.).

SpVgg Jahn Forchheim: Beck - Neudecker, Roas, Adem Selmani (58. Eisgrub), Konrad, Seybold, Özdemir, Schäferlein, Clausnitzer (90. Artan Selmani) Göbhardt (46. Bajrami), List.

TSV Neudrossenfeld: Küfner - Zapf, Jahrsdörfer (75. Tonka), Meyer, Lämmert, Pajonk, König (64. Kempf), Henriques (67. Lattermann), Gashi, Widmaier, Daschner.

Schiedsrichter: Manuel Steigerwald (Karlstadt)
Zuschauer: 240
Tore: 0:1 Gashi (20.), 1:1/2:1/3:1 Roas (47./53./62.), 3:2 Tonka (82.)
Gelb-Rot: Özdemir (92./Jahn/wiederholtes Foul).