Der Infranken-Kick aus der Kreisklasse 1 konzentriert sich auf die Abstiegszone. Die DJK Wimmelbach steht mit Victoria Erlangen und dem Hammerbacher SV sechs Spieltage vor Saisonschluss punktgleich an der Schwelle zur A-Klasse - am Sonntag gastiert der HSV um 15 Uhr in Wimmelbach. Für beide Teams birgt dieses Spiel eine Menge Brisanz.

Es könnte kaum spannender zugehen, zuletzt punkteten die Mannschaften des hinteren Drittels deutlich öfters. Am Vorsonntag ging neben Schlusslicht Siemens Erlangen lediglich die Concordia durch ein 0:1 beim ASV Höchstadt völlig leer aus, während die anderen Kandidaten bis hoch zu Platz 10 eifrig Zähler sammelten.

Selbstbewusstes Hammerbach

In der aktuellen Formkurve liegen die Hammerbacher mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen sogar auf Rang 2 - und wollen den Schwung mitnehmen, wie Trainer Thomas Lindenmayer sagt: "Vielleicht ist die eher mäßige Vorrunde sogar ein Vorteil, weil uns viele schon am Ende sahen. Zumindest gaben wir jetzt mehr als nur ein Lebenszeichen, seit der Winterpause holten wir drei Siege und ein Unentschieden. Und auch nach Wimmelbach fahren wir mit einem klaren Auftrag."

Mutige Worte bei bislang erst zwei Auswärtspunkten, die eher an das leise Pfeifen im Keller erinnern. Der 53-jährige Übungsleiter hat für die ernüchternde Bilanz keine echte Erklärung: "Wir treten auswärts nicht anders auf, die Plätze sind alle viereckig. Es ist schlicht unerklärbar, aber jede Serie reißt einmal."

Als Trumpf in der Hinterhand schätzt er Tobias Geinzer ein, der mit 16 Toren mehr als die Häfte aller HSV-Tore (28) markierte: "Tobias ist ein ideales Vorbild und zurecht unser Kapitän. Ein echter Typ noch, der nicht schimpft, sondern lieber rackert und über 90 Minuten alles für die Mannschaft gibt. Aber auch guckt, dass die Trikots gewaschen werden." Die Leidenschaft des jungen Lukas Zierock ist für den Trainer ebenso ein Lichtblick, wie die Bereitschaft von Berthold Varga, der eigentlich die Laufbahn beendet hatte: "Das sind echte Kerle, sie stehen dafür, dass wir uns noch nicht abgeschrieben haben." Abschreiben muss Lindenmayer für die Partie bei der Concordia Christian Schmitt mit schwerer Zerrung, Bernd Tietze (beruflich) und Jörg Altenhoven (Flitterwochen) fehlen ebenfalls: "Unser Umbruchjahr war vorgezeichnet, dem Vorstand war klar, dass es eine sehr schwere Saison wird. Wir müssen noch ein Jahr überbrücken, dann kommt ein ganzer Jugendschwung. Deshalb ist niemand überrascht, das sind wir eher vom Gegner, den wir höher eingestuft hatten. Meine Beobachtung gegen Siemens hat mich da bestärkt. Aber auch wenn wir verlieren sollten, geht unser Weg weiter. Was nutzt es, wenn wir Sonntag siegen und dann fünfmal in die Röhre schauen? Ich rechne da etwas anders."

Marsching für Schubert

Reinhard Marsching steht erst seit vier Spielen im Wechselhäuschen der Concordia, nachdem die Verantwortlichen um Sven und Dieter Gößwein die Reißleine zogen und sich nach drei Jahren von Spielertrainer Andreas Schubert trennten. Mit dem 54-jährigen Kirchehrenbacher kommt ein alter Bekannter zurück, der schon von 1988 bis 1991 drei Spielzeiten lang die Stiefel bei der DJK schnürte.

Nachdem von Anfang Oktober bis Ende März nur ein Dreier in zwölf Spielen für die Concordia gelang, startete Marsching mit einem 2:0-Derbysieg gegen Hausen und siegte auch im zweiten Heimspiel. Die beiden Auswärtsspiele gingen jedoch knapp mit 0:1 verloren: "Die Zielsetzung der DJK war ein einstelliger Tabellenplatz, deshalb reagierten die Verantwortlichen. Die Vorwochenpleite in Höchstadt war unter dem Strich in Ordnung, aber die in Vestenbergsgreuth war mit dem Tor in der Nachspielzeit unnötig. An meiner Mannschaft alleine lag das auch nicht. Wer zusah, weiß, was ich meine."

Vor einigen Jahren sprang Marsching, dessen Engagement mit Sicherheit am Saisonende vorbei ist ("Für eine komplette Spielzeit habe ich nicht mehr die Energie"), bei seinem Heimatverein als Feuerwehrmann ein, als es eine ebenso überraschende Ablösung gab - und er schaffte den Klassenerhalt mit Tugenden, die er selbst als Spieler beigebracht bekam: "Inzwischen haben die Jungs im läuferischen und taktischen Bereich einiges aufgeholt. Herausheben möchte ich, dass ich trotz der prekären Situation eine tolle Truppe mit prima Charakter übernommen habe. Alle Spieler haben von Anfang an voll mitgezogen." Einer davon, Daniel Schäffer, wird bis Saisonende durch die gegen Höchstadt erlittene Schlüsselbein-Fraktur ausfallen, zudem laboriert Sebastian Sawinsky noch an einem Kreuzbandriss, Andreas Brandmeier wurde erst das Metall nach seinem Schienbeinbruch entfernt.

Marsching erwartet einen Kampf um den Klassenerhalt bis zum letzten Spieltag, dazu seien die Leistungspegel der Aspiranten zu nah beieinander: "Wir haben auch nach Hammerbach noch drei richtig schwere Brocken, aber meine Jungs haben gesehen, dass sie sich im Kollektiv vor niemandem fürchten müssen. Am Sonntag muss auf jeden Fall ein Heimsieg her."

Doch Vorsicht beim Blick in die Statistik: Die letzten drei Vergleiche gewann der HSV und erzielte dabei eine Torbilanz von 12:4 gegen die Concordia. Allerdings müssten die Gäste somit ja auch auswärts mal gewinnen.