Es war ein Fußballfest, auch Petrus hatte Erbarmen und machte zwei Stunden vor dem Anpfiff seine Luken dicht: Vor der Naturkulisse des Walberla traten die Alten Herren des TSV Kirchehrenbach zum Jubelspiel des 50-jährigen Bestehens gegen die Traditionself des 1. FC Nürnberg an. Die etwa 400 Zuschauer wurden bestens unterhalten, beide Reihen geizten nicht mit Toren - vor allem natürlich die Nürnberger Ex-Profis, die den Ehrabochern 17 Buden einschenkten.

Schon vor der Partie stand das erste Highlight an, als Abteilungsleiter Bernd Marsching den ehemaligen TSV-Vorsitzenden und langjährigen Fußballer Peter Bail für 1000 Spiele ehrte. Bail, der bis heute weitere Funktionärsposten ausübte, rang durch den anerkennenden Applaus sichtlich um Fassung.

Dann ging es los: Die beiden Kader wurden mit Einlaufkindern auf den Rasen geleitet und von Moderator Peter Kuhmann vorgestellt. Sonderapplaus bekam der alte Nürnberger Haudegen Stefan "Steff" Reisch, der 1961 deutscher Meister und 1962 DFB-Pokalsieger wurde. Der neunmalige Nationalspieler unter Sepp Herberger begeht im November seinen 75. Geburtstag.

In der Anfangsviertelstunde hielten die wackeren Alt-Germanen noch recht gut mit, freilich auch deshalb, weil der Club zunächst die älteren Jahrgänge einsetzte und den Gegner sich austoben ließ. Mit dem ersten Tor von Dieter Eckstein nach 20 Minuten war der Bann gebrochen. Beim 0:5 gelang Thomas Dillig der erste von zwei umjubelten Ehrentreffern für den TSV (41.), mit 1:6 ging es in die Pause. Danach kamen die Gladiatoren mit neuem Elan zurück, doch spätestens nach einer Stunde waren Kabinettstückchen fast nur noch dem Club vorbehalten.

Den Zuschauern war es egal, sie sahen, was sie erwartet haben. Nur das Schiri-Gespann kam kaum mehr mit dem Notieren der Torfolge nach. Dem Kirchehrenbacher Bernd Gebhard gelang zum 2:10-Zwischenstand (58.) das Kunststück von zwei Toren binnen vier Minuten hintereinander - letzteres allerdings für die Nürnberger. Das zweite Eigentor unterlief Bail, der damit eine weitere Erinnerung an diesen Tag für sich beanspruchte. Mit 19 Treffern, und somit einen Schnitt von weniger als fünf Minuten pro Tor, besaß das Showspiel größten Unterhaltungswert.

Noch lange nach Abpfiff standen beide Reihen auf dem Rasen, jeglicher Autogrammwunsch wurde von den Clubberern geduldig erfüllt. Dass die Traditionself, deren Gros von ihren Familien begleitet wurde, danach geschlossen ins Sportheim einkehrte und die meisten von ihnen zudem bis fast um 23 Uhr in Kirchehrenbach zum Fachsimpeln oder auch nur auf ein Bierchen verweilten, kam beim Gastgeber und bei zahlreichen Club-Fans der Umgebung bestens an.Unter dem Strich ein gelungenes Geburtstagsgeschenk für die Jubilare.
TSV Kirchehrenbach AH - 1.FC Nürnberg Traditionself 2:17 (1:6)
TSV Kirchehrenbach: Matthias Erlwein - Rainer Gebhardt, Peter Bail, Bernd Gebhard, Bernd Marsching, Bernd Eismann, Klaus Gebhardt, Markus Hofmann, Frank Albert, Markus Götz, Jürgen Liebscher, Heinz Albrecht, Reinhard Marsching, Bernd Hübschmann, Bastian Brütting, Thomas Billig, Manfred Braun, Holger Lösch, Thomas Heim und Marco Albrecht.
Traditionself 1. FC Nürnberg: Tobias Fuchs - Thomas Brunner, Andi Wolf, Thomas Richter, Reinhold Hintermaier, Steff Reisch, Michael Wiesinger, Armin Störzenhofecker, Stephan Giesbert, Thomas Ziemer, Dieter Eckstein, Michael Wimmer, Oliver Brüggen, Horst Derra, Bernd Müller und Christian Vizethum.
Schiedsrichter: Gerhard Nagengast (TSV Kirchehrenbach). Assistenten: Karlheinz Doneff (DJK Weingarts), Georg Grasser (SV-DJK Eggolsheim). Zuschauer: 400.
Tore für den TSV: 1:5 Thomas Billig (41.) und 2:10 Bernd Gebhard (58.). Die Club-Treffer: Dieter Eckstein (3), Thomas Ziemer (3), Stephan Giesbert (4), Oliver Brüggen (2), Andi Wolf (1), Bernd Müller (1), Christian Vizethum (1) und zwei Eigentore des TSV.