Als Außenseiter gestartet ist Jakob Hetz vom Bogen-Sport-Club Reuth Deutscher Meister im Bogenschießen geworden. Im niedersächsischen Zeven setzte er sich am Samstag gegen 35 Konkurrenten in der Juniorenklasse (Jahrgänge 1994 - 1996) durch. "Mein Ziel war eigentlich nur, unter die Top Ten zu kommen", sagte Hetz, der sich gegen durchweg besser eingestufte Gegner teilweise deutlich durchsetzte.

Sieben Stunden langer Wettkampf

Bis zum Titel musste der 18-Jährige allerdings einen siebenstündigen Wettkampf im Modus der olympischen Runde absolvieren. Zunächst feuerten die Schützen mit ihren Recurve-Bögen 72 Pfeile auf die 70 Meter entfernte Scheibe. Mit 625 von maximal 720 Punkten löste Hetz als Sechstbester scheinbar mühelos die Fahrkarte für das Finale. Dort traf er bei Nieselregen auf Eric Hübner aus Baden-Württemberg.

Im K.O.-System der olympischen Runde werden Sätze von jeweils drei Pfeilen geschossen. Ein gewonnener Satz bringt zwei, ein Unentschieden einen Punkt. Eine Runde weiter ist der Schütze, der zuerst mindestens sechs Punkte auf seinem Konto hat. Gegen Hübner tat sich der Ebermannstadter anfangs schwer und benötigte fünf Sätze, um das Duell mit 7:3 für sich zu entscheiden.

Trainer waren überrascht

In der Runde der letzten 16 Teilnehmer wartete der Hallen-Vizeweltmeister des Jahres 2014, Carlo Schmitz aus Nordrhein-Westfalen. Nicht nur zur Überraschung seines Coaches Klaus Zametzer (BSC Reuth) sowie der Bezirkskader-Trainer Mark Fichtner (BTS Bayreuth) und Matthias Wagner (Frankonia Neuses) gewann Hetz auch diese Begegnung mit 6:4 und traf im Viertelfinale auf Maximilian Weckmüller (Jena), dem Goldmedaillengewinner der Hallen-WM.

"Ich war so entspannt wie im Training, das ist aber von Wettbewerb zu Wettbewerb unterschiedlich", erklärte Hetz. Doch was nun folgte, war an Abgebrühtheit und Nervenstärke kaum zu überbieten. Der Schüler des Fränkische-Schweiz-Gymnasiums gewann gleich die ersten drei Sätze gegen den Nationalkader-Schützen aus Thüringen und warf ihn mit der Höchststrafe von 6:0 aus dem Turnier.

Bundestrainer schauten zum

Auch aus der Vorschlussrunde gegen Sven Herzig (Mannschaftsjugend-Europameister 2014) ging der sehr konzentriert schießende Hetz mit dem Maximalergebnis von 6:0 als Sieger hervor. Längst hatte er die Aufmerksamkeit der beiden Junioren-Bundestrainer auf sich gezogen, die ihn im Finale der Deutschen Meisterschaft genauso wenig aus den Augen ließen wie der 18-jährige Bogenschütze die Zielscheibe.

"Sie haben mir gratuliert, aber eine Einladung zum Nationalkader habe ich nicht bekommen", erzählte Hetz. "Aber vielleicht kommt das ja noch", hofft der mehrfache Vizemeister mit dem Recurve-Bogen.

Triumph gegen Europameister

Um 17.30 Uhr war die Sensation perfekt: Jakob Hetz besiegte Marc Rudow - Deutscher Meister 2013 und Goldmedaillengewinner bei der Jugend-EM dieses Jahres - mit 6:2 und sicherte sich den DM-Titel in der Juniorenklasse der Bogenschützen, sein bisher größter sportlicher Erfolg. "Ich habe mich etwas verspätet und nur innerlich gefreut", erzählt Hetz.

Während der Gymnasiast den Freitag noch genutzt hatte, um die anderen Wettbewerbe der Wochenend-Veranstaltung mit insgesamt rund 700 Schützen aus ganz Deutschland zu beobachten, spürte er am Sonntag die Müdigkeit. Sieben Stunden Dauerkonzentration und Fokussierung auf die gelbe Zehn hatten ihre Spuren hinterlassen: "Ich hätte mir schon noch gerne die Wettkämpfe der Schüler- und Jugendklassen gesehen, aber wir sind dann doch lieber nach Hause gefahren."

Dort kann er sich erstmal von den Strapazen erholen. Es sind ja Ferien. gh/rup