Axel Lorenz ist ein Ironman - in doppelter Hinsicht. Noch vor zwei Wochen zog sich der Forchheimer Triathlet bei einem Trainingssturz schmerzhafte Prellungen an Schulter und Becken sowie Abschürfungen an den Knien zu. Beides hielt ihn jedoch nicht davon ab, am Sonntag die Frankfurter Ironman Championship 2015 (Triathlon-Europameisterschaft) nach 13:01:35 Stunden auf Rang 1358 der Gesamtwertung und 123 der Altersklasse M50 zu beenden. "Erst jetzt, mit einigen Tagen Abstand, wird mir so richtig bewusst, was ich dort eigentlich geleistet habe", sagt Lorenz. "Ich bin wahnsinnig glücklich."

Neoprenanzug-Verbot

Daran ändert auch nichts, dass er sein eigentliches Ziel schon vor dem Start vergessen konnte. Angesichts von Temperaturen über 40 Grad wagte er nicht daran zu denken, seine vor zwei Jahren bei der Roth Challenge aufgestellte Bestzeit von 11:47 Stunden zu verbessern. Schon im Vorfeld hatte der Veranstalter an die Athleten appelliert, nicht eine bestimmte Zeit anzupeilen, sondern lieber einen Gang rauszunehmen. Lorenz kam der Bitte gerne nach: "Nach der Hälfte der Schwimmstrecke merkte ich, dass ich nicht die Körner habe, das angeschlagene Tempo durchzuhalten."

Weil das Wasser des Langener Waldsees auf 27 Grad aufgehitzt war, verboten die Veranstalter die sonst üblichen Neoprenanzüge. "Das war natürlich die absolut richtige Entscheidung, brachte aber das Problem, dass man anders im Wasser liegt und deutlich mehr Kraft verbraucht", erklärt der 51-Jährige. Er entschloss sich daher dazu, neben dem Feld zu schwimmen und so den ebenfalls kräfteraubenden Positionskämpfen zu entgehen - schließlich waren nach den 3,8 Kilometern im warmen Nass noch 180 km auf dem Fahrrad und zum Abschluss ein Marathon (42,2 km) zu absolvieren. "Die Runden auf dem Rad waren mörderisch, das können auch locker an die 50 Grad gewesen sein", erinnert sich Lorenz, der als Projektleiter bei Siemens arbeitet und daher nur abends und am Wochenende dazu kommt, seinen Trainingsplan abzuarbeiten.

Doch nicht nur die Sportler, auch die Straße hatte mit der Hitze zu kämpfen. "Als ich mich mit dem Rad in die Kurve legte, hatte ich das Gefühl, einen Platten zu haben, aber das war wohl der Asphalt, der weich wurde und nun nachgab." Dass er mit seinem Verdacht wohl richtig lag, bestätigte ihm anschließend eine seiner beiden Töchter, die wie auch seine Frau Kathrin vom Straßenrand aus anfeuerten. "Sie hat mir gesagt, dass sie mit ihrem Daumen einen Abdruck auf der Straße hinterlassen konnte."

Familie als Motivation

Mehr als einmal sei ihm der Gedanke gekommen, wie rund 1000 seiner 3100 Konkurrenten aufzugeben. Sein Trick: nur kleine Ziele setzen. "Ich habe immer nur von Ort zu Ort und nicht an die Gesamtstrecke gedacht." Geholfen habe zudem, dass seine Familie nicht nur an einer Stelle wartete, sondern sich immer wieder neu positionierte, um möglichst oft motivieren zu können. "Ohne sie hätte ich es nicht geschafft", sagt Lorenz dankbar. Weil die Versorgungsstellen günstig lagen, versorgte er erst sich und kurz darauf seine Familie mit nassen Schwämmen und Eis. "Ich habe von der Strecke aus sehen können, wie sehr auch sie unter den Temperaturen litten", erzählt Lorenz.

Der nächste Triathlon ist bereits im Terminkalender eingetragen. In Erlangen soll es am 2. August aber nur über die Halbdistanz an den Start gehen: "Von der Langstrecke habe ich jetzt erst einmal genug."