Das 1:1 beim "In Franken-Kick" in der Kreisliga II zwischen der DJK Weingarts und der SpVgg Diepersdorf spiegelt in etwa die gezeigten Leistungen. Mit dem dritten Spiel in Folge ohne dreifachen Punktgewinn der "Maigischer" überholte Dauerrivale SV Auerbach, der seine Aufgabe mit dem knappen 2:1-Heimsieg gegen Forth meisterte, die DJK mit einem Punkt Vorsprung an der Spitze und zog mit 51 Zählern vorbei. Auch der SK Lauf sitzt Weingarts nun mit zwei Punkten Abstand im Nacken, lediglich Ottensoos leistete sich vom Führungsquintett eine unerwartete 2:5-Pleite beim Schlusslicht in Kleinsendelbach und musste Diepersorf punktgleich (44) herankommen lassen.


Lautstarke Gäste-Fans

Ein nervöser Beginn der Heimelf erwartete knapp 170 Zuschauer bei ansonsten guten Bedingungen am Weingartser A-Gelände. Die Gäste, die mit einem vollbesetzten Reisebus zahlreiche und vor allem lautstarke Unterstützung mitgebracht hatten, waren der erwartet unbequeme Gegner, das stand schon nach wenigen Minuten fest.

Erst allmählich bekamen die Hausherren eine Linie in ihr Spiel, mussten jedoch häufig wegen der läuferisch stark agierenden Gästedeckung, sowie deren flexibler Arbeit gegen den Ball, weite Pässe schlagen, die zumindest in der Anfangsphase zu ungenau ankamen. Aber auch beim Kurzpassspiel endeten einige Zuspiele im Seitenaus, weil die SpVgg kaum Raumgewinn zuließ.

Nach knapp zehnminütiger Beschnupperungszeit öffnete sich mit einem von den Gästen schon im Tor-Aus gewähnten Steilpass der Vorhang. Erhan Gezici erlief das Spielgerät noch und brachte die Kugel irgendwie mit dem Außenrist vor das Gästetor, wo sie Florian Erlwein in Rücklage über den Kasten drosch. Auf der Gegenseite kam Christian Kohlenbach nach feiner Kombination mit Mirco Wahrta aus spitzem Winkel zum Abschluss und DJK-Keeper Daniel Krause zwickte soeben noch die Beine zusammen (12.).

Beide Reihen brachten enormen Einsatz, ohne dabei unfair zu spielen. Dies bekam kurz danach Gästetorwart Tim Seidl zu spüren, in den nach Vorarbeit von Gezici sowohl Erlwein als auch Dominik Spitz rutschten. Letzterer lief nach seinem kürzlichen Nasenbeinbruch mit Maske auf, wirkte aber noch gehemmt.


Gefährlich nur nach Standards

Richtig gefährlich wurde es ausschließlich nach Standards, da sich die beiden Mannschaften mit den besten Abwehrreihen häufig zwischen den Strafräumen in packenden Zweikämpfen neutralisierten. So auch nach einer Ecke von Sebastian Friedl, die Jonas Haller direkt auf das Tor brachte (19.), doch Keeper Seidl stand richtig.

Die DJK fand trotz intensiver Bemühungen noch immer kein probates Mittel gegen den Riegel der gut gestaffelten Gäste, die bei Ballbesitz blitzschnell in die Hälfte der Gastgeber schwärmten und sich ebenso schnell wieder zurückzogen.

Plötzlich Aufregung vor der Gästebank: Gezici, der zuvor ein paarmal hart genommen wurde, ging nach Diepersdorfer Ansicht zu ungestüm von hinten in einen Zweikampf und traf Wahrta am Oberschenkel, der in der Folge minutenlang behandelt werden musste. Referee Jörg Seeberger, der an sich keine gravierenden Fehler machte, drückte hier beide Augen zu und beließ es bei einer Verwarnung für den DJK-Stürmer (33.).

Eine Unsicherheit von Seidl, der nach schöner Aktion über Spitz und Friedl die sichere Lederkugel dem überraschten Erlwein quasi vor die Füße warf (42.), sowie Gezicis Pfostentreffer, der allerdings aus einer Abseitsposition erfolgte, beendeten den ersten Durchgang.


Hektische zweite Halbzeit

Die SpVgg kam besser aus der Kabine. Eine weite Ecke über Freund und Feind gelangte zu Andre Gentes, dessen Direktabnahme Steffen Kraft von der Linie köpfte (47.). Dann Glück für "Maigisch": Ein Querschläger von Friedl brachte Daniel Knorr am Strafraum in Szene, der den Pfosten traf und das Leder von dort erst an den Hinterkopf von Torwart Krause prallte, bevor es knapp ins Aus trudelte (49.).

Der folgende Eckball brachte dann doch die Gästeführung. Spielführer Dominik Geiger hatte sich in den Rücken der DJK-Abwehr nach vorne geschlichen und köpfte aus fünf Metern unbedrängt in die Maschen des Gastgeberkastens zum 0:1 (50.).

In der Folge wurde die Partie ruppiger und hektischer durch Unruhe auf den Rängen. Beide Seiten monierten die Auslegung der Vorteilsregel aber meist nur dann, wenn sie nicht davon profitierten. Bei Gezicis Vorstoß über links brachte Seidl gerade noch die Fäuste hoch (59.). Die Hausherren wollten den Ausgleich und wurden belohnt: Nachdem Haller den Eckball von Friedl per Seitfallzieher verpasste, machte es der aufgerückte Manuel Oßmann besser. Sein Fallrückzieher aus acht Metern, bei dem der Gästekeeper nicht die beste Figur machte, flutschte neben dem Pfosten zum 1:1-Ausgleich ins Netz (61.).

Diepersdorf verkaufte sich weiterhin gut und kam fast zur Führung, allerdings stand Andre Gentes bei seinem Treffer im Abseits (73.). Die letzten zehn Minuten hatten es in sich: Erst köpfte Haller vor dem besser postierten Erlwein eine Ecke knapp daneben (83.), im Gegenzug rettete der gleiche Spieler für seinen geschlagenen Keeper Krause und kratzte einen Ball von Kohlenbach von der Linie (85.).

Die größte Siegchance vergab Michael Antes, als er eine Hereingabe von Gezici freistehend, aber überhastet über die Querstange zielte und damit den Torschrei auf den Lippen der "Maigischer" Fans abrupt verstummen ließ (87.). Auch Gezicis Direktabnahme, abermals nach Ecke, ging über das Gästetor (89.), womit die packende Partie endete.


Die Meinungen der Trainer

Diepersdorfs Trainer Markus Krensel war zufrieden mit der Partie, wusste jedoch auch, dass der Punkt unter dem Strich weder ihm noch den Gastgebern wirklich hilft: "Im Großen und Ganzen verlief unser Spiel wie geplant. Wir wollten defensiv sicher stehen und zum Ball hinschieben, sowie nach vorne ab und zu Nadelstiche setzen, ohne ins Messer zu laufen. Danach wie eine Ziehharmonika wieder in Position gehen. Das hat gut geklappt." Insgesamt sei Weingarts leicht überlegen gewesen, meinte der 38-jährige Nürnberger, aber das 1:1 gehe "absolut in Ordnung. Vor allem, weil uns ein klarer Elfer verweigert wurde. Der Schiri sagte zu meinem Spieler: Falle früher hin, dann hätte ich gepfiffen."

Norbert Hofmann sah ein hochinteressantes Spiel zweier Mannschaften auf Augenhöhe: "Diepersdorf ist ein sehr starker Gegner. Sie standen sehr robust und erspielten sich klasse Konterchancen. Über die neunzig Minuten war es ein Spiel mit hohem Tempo in dem sich beide nahezu alles abverlangten." Seine Mannschaft habe es jedoch anfangs bei zwei glasklaren Chancen versäumt in Führung zu gehen, dann hätte der Gegner eher kommen müssen und das wäre ein Vorteil für das Weingartser Spiel gewesen. Aber auch nach dem Rückstand habe sein Team eine überragende Reaktion gezeigt und war letztendlich näher am Sieg als die Gäste: "Das heute war eine Werbung für Kreisliga-Fußball."


Die Statistik zum Spiel

DJK Weingarts: Krause - Kraft, Friedl, Haller, Oßmann, Noegel, Erlwein, Singer, Gezici, Antes, Spitz, (Siebenhaar, Dimter) /

SpVgg Diepersdorf:
Seidl - Rauschenbach, Romeis, Geiger, Rene Gentes, Stengel, Künzel, Wahrta, Andre Gentes, Kohlenbach, Knorr, (Meier, Fahsl, Teuber)

Schiedsrichter: Jörg Seeberger (SpVgg Greuther Fürth) /

Zuschauer: 170

Tore: 0:1 Geiger (50.), 1:1 Oßmann (61.)