Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Der InFranken-Kick aus der Kreisklasse 2 zwischen Mittelehrenbach und Schlaifhausen war lange geprägt von der beidseitigen Angst, in Rückstand zu geraten. Die Gastgeber, die sich ihre Kräfte in der Hitzeschlacht sorgsam einteilten, erzielten durch Benni Meixner den entscheidenden Treffer. Die 165 Zuschauer sahen ein zunächst taktisch dominiertes Walberla-Derby, nach dem 1:0-Führungstreffer in der zweiten Halbzeit warfen die Gäste alles nach vorne, scheiterten jedoch am erfahrenen Abwehrriegel des SV und müssen nun am letzten Spieltag bangen.

Schwierige Umstände

Die Fußballer am Wochenende auf den hiesigen Plätzen - nicht nur in Mittelehrenbach - waren durch die Sommerhitze nicht zu beneiden. Selbst im Schatten der Bäume und Sträucher um den Platz schwitzten die Zuschauer ob der Schwüle, kaum ein Lüftchen wehte über den Rasen. Die wichtigste Nachricht machte kurz vor Anpfiff die Runde: Effeltrich errang durch den 3:0-Sieg bei Neunkirchens Reserve die Meisterschaft, was gleichzeitig bedeutete, dass die zweite Garde des TSV keinen Punkt holte.

Da diese Partie zeitlich vorgezogen ablief, schwand für Mittelehrenbach und Schlaifhausen nun der unbedingte Druck, siegen zu müssen. Zudem war klar, dass beide bei einem Remis einen Punkt Vorsprung am letzten Spieltag auf Neunkirchen II hätten und somit die Klasse aus eigener Kraft mit einem Sieg halten könnten. Doch diese Überlegungen schienen beidseits keine Rolle zu spielen, ein Derbysieg sollte her.

Nur wenig Torgefahr

Die größten Möglichkeiten - um es vorweg zu nehmen, es gab derer nicht vieler - entsprangen meist Standardsituationen. Wie nach fünf Minuten bei einem Freistoß von Michael Meier, der Andreas Gebhardt bediente, aber SV-Torwart Alexander Brütting fischte die Kugel ab. Daniel Kremer, der flinke Jung-stürmer der Gäste, stand nach einem weiten Zuspiel aus dem Halbfeld plötzlich alleine im Zentrum, brachte das Leder aber nicht unter Kontrolle. DJK-Spielführer Florian Kroder kam beim anschließenden Eckball mit dem Kopf zum Zuge (12.). Eine erste Chance für die Gastgeber brachte der Freistoßheber von Johannes Frank auf seinen Spielertrainer-Kollegen Tobias Meixner, der mit dem Hinterkopf knapp über den Winkel zielte (16.). Tobias Meixner bereitete in der Folge für Johannes Meister vor, der jedoch am Schuss geblockt wurde, wodurch Marco Kraft aus dem Rückraum zum Abschluss kam (21.).

Im Gegenzug wurde Marco Josef kurz vor dem Strafraum gelegt, Schiri Matthias Kauschke, der kaum Probleme mit der Partie hatte, ließ Vorteil laufen - und Kremer traf aus spitzem Winkel ans Außennetz (23.). Eine Trinkpause verschaffte den Akteuren eine kleine Erfrischung, anschließend kam der ausgeruhte Benjamin "Benni" Meixner aufs Feld - ein Schachzug, der sich noch für den SV auszahlen sollte. Und sofort sorgte "Benni" mit einem Drehschuss nahe des Sechzehners für Gefahr, den Gästekeeper Patrick Farr gerade noch zur Ecke lenken konnte. Tobias Meixner legte nach weiter Flanke per Kopf zurück in die Mitte, wo Benni Meixner aber nicht heran kam (34.). Fast mit dem Pausenpfiff probierte es Tobias Lassner mit einer tückischen Bogenlampe aus 25 Metern, worauf Brütting im SV-Kasten Mühe hatte, zur Ecke zu klären.

Oberstes Ziel: Fehler vermeiden

Im zweiten Abschnitt agierten beide Reihen ähnlich vorsichtig wie am Anfang. Nur keinen Fehler machen, lautete die Devise. Aber die Hitze forderte ihren Tribut, die Spieler wirkten zunehmend ausgelaugt, durch die Konzentrationsmängel schlichen sich Flüchtigkeitsfehler ein. Kremer, der noch am frischesten wirkte, flankte nach innen auf Josef, der aber keinen Druck hinter den Kopfball brachte (53.). Dann fasste sich Thomas Meister, der noch in der Vorrunde für Schlaifhausen auflief, ein Herz und zog aus 20 Metern scharf ab. Den abgewehrten Schuss köpfte Tobias Meixner quer zum Tor auf das lange Eck, wo instinktiv Benni Meixner lauerte und das Spielgerät aus kurzer Entfernung zum 1:0 in die Maschen nickte (61.). Schlaifhausen reklamierte Abseits und es schien zunächst, als hätte Referee Kauschke dies auch angezeigt, aber nach einem kurzen Zögerer jubelten die Hausherren dann doch über die wichtige Führung in der Hitzeschlacht.

Kurz danach der vermeintliche Ausgleich für die Gäste, als Gebhardt SV-Torhüter Brütting aus wenigen Metern überwand, er aber im Abseits stand (64.). In der Folge wurde die Partie hektischer, kleinere Nickligkeiten und ein paar Fouls an der erlaubten Grenze des ansonsten fairen Derbys erinnerten daran, was auf dem Spiel stand. Schrecksekunde dann für den SV, als Matthias Held und Torwart Brütting bei einem Rettungsversuch mit den Köpfen zusammenprallten, worauf Josef zu einer guten Möglichkeit kam, aber vergab. Nach der Behandlungspause konnten beide weiterspielen (74.). DJK-Trainer Stephan Schleiwies setzte in der Schlussviertelstunde alles auf eine Karte und brachte mit Routinier Roland Meixner und Andre Finze zwei weitere Stürmer, worauf die Gastgeber aber zu Kontermöglichkeiten kamen. Die größte Chance hatte der durchgebrochene Johannes Salb, der am herauslaufenden Farr vorbeispitzelte, aber auch am langen Pfosten. Es reichte dennoch für den SV.
Bemerkenswert war direkt nach dem Schlusspfiff, als sich die komplette Mittelehrenbacher Mannschaft zum unterlegenen Gegner aufmachte, der zusammengesunken am Rasen kauerte - und der DJK aufmunternd die besten Wünsche für den letzten Spieltag mit auf den Weg gab.

Die Meinungen der Trainer

SV-Spielertrainer Johannes Frank war spürbar erleichtert: "Es war der erwartet schwere Kampf gegen einen Gegner, der wie vermutet auf Augenhöhe stand. Es ging hin und her, beide hätten es verdient gehabt. Wir sind heute der vielleicht etwas glücklichere Sieger, aber nicht der unverdiente. Nun brauchen wir noch einen Punkt, Kleinsendelbach wird eminent schwer, die haben einen Lauf. Es kommt dort auch nicht darauf an, ob wir schön spielen oder nicht, wichtig ist das Resultat. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass andere patzen."

Gästetrainer Stephan Schleiwies hingegen war nach Abpfiff wie am Boden zerstört: "Ja, es ist sehr bitter für uns. Eigentlich war es ein ausgeglichenes Spiel, der SV war den Tick cleverer, sie haben bei jedem Zweikampf geschrien und so den gewünschten Freistoß bekommen. In der zweiten Halbzeit waren wir drückend überlegen, der SV konnte nur noch weite Bälle spielen. Es ärgert mich, dass wir den einen Fehler machten, ausgerechnet nach einem Standard. Durch die Hitze wurde es dann doppelt schwer. Jetzt heißt es: Kopf hoch und Herz zeigen."