Der Infranken-Kick gastiert in der Kreisklasse 2 beim TSV Ebermannstadt, der am Sonntag um 15 Uhr dafür sorgen will, dass der FC Wichsenstein auch im kommenden Jahr in der Klasse bleibt und nicht in der Kreisliga antreten wird. Freilich ist das auch von anderen Faktoren abhängig, denn die DJK-TSV Kersbach hat mit vier Zählern Vorsprung auf den FC Wichsenstein und die SpVgg Effel-trich die besten Karten, den Relegationsrang zu erreichen. Kersbach muss sich aber im parallel ablaufenden Derby erst noch gegen den Nachbarn aus Effeltrich durchsetzen und würde, eine Niederlage vorausgesetzt, den Rechenschieber am letzten Spieltag nochmals heißlaufen lassen.

Ausrutscher von Kersbach nötig

Denn während der designierte Meister SV Moggast kaum mehr vom Thron zu stoßen ist und sich nun zuhause gegen den Tabellenletzten Burk II endgültig zum Meister krönen will, könnten sich bei einem Ausrutscher von Kersbach neben Wichsenstein und Effeltrich sogar noch die Hallerndorfer Hoffnungen machen. Diese Kreisklasse beweist auch in den letzten Atemzügen, welche enorme Leistungsdichte vorherrscht.

Aber dafür muss eben Wichsenstein in Ebermannstadt erst noch gewinnen. Und das wird schwer genug, denn längst hat sich aus dem kreuz und quer umher springenden Haufen der TSV-Küken ein organisiertes Team um Spielertrainer Birol Aksoy formiert, das mittlerweile den gestandenen Mannschaften an guten Tagen die Stirn bieten kann. Vor allem im heimischen Stadion, wo auch Moggast mit 3:0, oder zuletzt der SV Mittelehrenbach mit 7:0 abserviert wurden. Im Spiel gegen das Team vom Walberla lag der Altersdurchschnitt des 14-köpfigen TSV-Kaders, obwohl Aksoy mit 43 und Gerd Fröhlich mit 34 Lenzen nach oben ausreißen, bei nur 22,2 Jahren. Ohne die beiden Oldies hätte der Schnitt bei 19,5 Jahren gelegen. Demgegenüber gehören die Gäste zu den vier auswärts-stärksten Teams und haben erst vier Partien auf fremdem Geläuf verloren. Es ist also ein anderer Spielausgang als der ergebnisklare 4:0-Heimsieg des FC in der Vorrunde zu erwarten, denn schon da war das Spiel wesentlich enger.

Gut gespielt, aber nichts getroffen

Birol Aksoy, inzwischen 43-jähriger Haudegen inmitten seiner meist wenigstens halb so jungen Leute, sieht solche Spiele seiner "Kindergarten-Truppe" auch als wichtigen Teil des Lernprozesses: "Davon kann man sich im Nachhinein nichts kaufen, aber die Jungs erkennen, dass man den Gegner nicht nur in die Knie zwingen, sondern dies mit Toren bestätigen muss. Wir haben in Wichsenstein sicher gut gespielt, aber der FC hat die Tore gemacht. So einfach ist das."

Nachdem der TSV seit ein paar Wochen den Klassenerhalt als Aufsteiger in der Tasche hat, ließ der frühere Abwehrturm der SpVgg Jahn Forchheim die künftigen Jung-Akteure bereits etwas Luft im Herrenbetrieb schnuppern: "Aus der erfolgreichen Nachwuchsarbeit kommen seit Jahren gut ausgebildete Fußballer in den Kader, da schadet es nicht, wenn sie den Unterschied schon mal selbst spüren. Die A-Jugend feierte kürzlich die Meisterschaft und steigt in die Kreisliga auf, das ist eine Bestätigung des eingeschlagenen Wegs, aber im Erwachsenenbereich hängen die Trauben nochmals höher."

Nächster Schritt: Etablierung

Mit dem Saisonverlauf sind Verein und Übungsleiter insgesamt zufrieden: "Klar hätten wir den einen oder anderen Punkt noch holen können, da findet man immer was. Wichtiger war es zunächst, die Klasse in dieser doch sehr starken Liga zu halten und uns zu entwickeln. Jetzt müssen wir uns etablieren und nach und nach weiter die jungen Spieler einbauen."

Aksoy kann gegen Wichsenstein nahezu aus dem Vollen schöpfen. Lediglich Max Wunder ist nach seiner Grippe noch fraglich, der Langzeitverletzte Andreas Martin fehlt. Die Vorschau auf das letzte Heimspiel der Saison, bei dem wohl wieder A-Jugendliche aus dem frisch gebackenen Meisterkader zum Einsatz kommen, schließt der Deutsch-Türke mit Ironie ab: "Mal sehen, ob mich die Jungs in der neuen Saison schon rausspielen können. Solange ich mit ihnen mithalte, kicke ich noch weiter."

Für Gästespielertrainer Jörg Rösch beginnt nach neun Spielzeiten in Wichsenstein ein neues Abenteuer als Übungsleiter beim Nachbarverein SV Pretzfeld. Vor Wichsenstein, das für den 35-jährigen Ebermannstadter durch Heirat zur neuen Heimat wurde, kickte er beim Stammverein, für den er alle Jugendstationen durchlief, sowie kurzzeitig in Burk.

Zum Abschluss Relegation?

Nun soll die langjährige Kooperation mit den Schwägern Oliver Speckner und Christian Hölzel vielleicht doch noch den rühmlichen Abschluss der Relegation bekommen. Dennoch ist Rösch realistisch: "Natürlich werden wir alles versuchen, aber vier Punkte Rückstand in zwei Spielen ist viel Holz. Allerdings habe ich in meiner Laufbahn allerlei Kuriositäten erlebt. Wenn man das Ziel vor Augen hat, steigt der Druck und in dieser Saison hatten alle Mannschaften schon stärkere und schwächere Phasen." Ein Stolpern von Kersbach gegen Effeltrich sei also gar nicht so unwahrscheinlich: "Wenn man nicht an sich glaubt, braucht man eh nicht anzutreten. Nicht auszudenken, wenn dies einträfe und wir hätten in Ebermannstadt gepatzt. Dann würden wir uns doch in den Hintern beißen, aber das passiert nicht. Wir spielen auf Sieg und vielleicht klappt das mit unserer Erfahrung ja noch mal so gut wie im Vorspiel."

Damals lag der Schnitt bei satten 28,1 Jahren. Mit acht Spielern teils deutlich über 30 Lenze stellt der FCW eines der erfahrensten Teams der Liga: "Unsere Routine hat uns schon einige Punkte beschert, allerdings wird man natürlich verletzungsanfälliger. In Ebermannstadt fehlt mir aber nur der beruflich verhinderte Andre Ruschig, bei Volkan Güla hoffen wir auf die rechtzeitige Rückkehr aus dem Ägypten-Urlaub."