Beim "InFran ken-Kick" aus der Kreisliga 2 zwischen Gößweinstein und Kirchehrenbach gab ein Brüder-Trio im Kader des SV sein Bestes, es reichte dennoch nicht. Die Heimelf mit den Stenglein-Geschwistern Michael, Andreas und Matthias unterlag dem Spitzenreiter mit 2:3, und das vor den Augen ihrer Oma, der "Bobels-Marie", die danach Trost spenden musste. Denn die im Vereinsleben fest integrierte Rentnerin besucht alle Heimspiele in Gößweinstein.

Die "Bobels-Marie" trotzt ihren 82 Jahren gut gelaunt in bester Verfassung und lässt es sich meist auch nicht nehmen, an der dritten Halbzeit im Sportheim teilzunehmen. Dort werden die Spiele nicht nur analysiert, sondern auch Niederlagen wie am Samstag gefeiert. Bei Bedarf nimmt die Oma ihre Jungs ins Gebet und übt Manöverkritik. Dazu ist sie in der Lage, denn seit Jahren verfolgt die rüstige Fußball-Expertin die Spiele direkt am Spielfeldrand auf ihrer Stammbank. Allerdings wurde ihr diese Nähe im Vorjahr fast zum Verhängnis, als sie nach einem ungewollten "Foulspiel" ins Krankenhaus musste.

Hallo Frau Wolf, Ihre Mannschaft hat sich wacker geschlagen, aber mit 2:3 den Kürzeren gezogen. Was sagen Sie zum Spielausgang?
Marie Wolf: Es hätte besser laufen können, denn wir haben am Anfang einige Chancen ausgelassen und sind dem Tabellenführer trotzdem nur mit einem Tor Unterschied unterlegen. Der Ausgleich, der kurz vor Schluss in der Luft lag, wäre ein gerechtes Ergebnis gewesen, so haben wir halt wieder Lehrgeld gezahlt, weil wir manchmal nicht bei der Sache sind. Unsere Mannschaft hat zumindest gut gekämpft und nochmals alles probiert, sie braucht sich keine Vorwürfe zu machen.

Ihre Enkel bekleiden Schlüsselpositionen im Kader, wie waren Sie mit deren Leistungen zufrieden?
Der Michi ist grippegeschwächt ins Spiel gegangen, hat es aber sehr gut gemacht. Als Spielführer springt er für seine Leute häufig in die Bresche, ist dabei aber manchmal ein wenig zu temperamentvoll. Am Mittwoch wird er 27 Jahre alt, das wird sicher wieder lustig mit ihm. Andi ist mit seinen 24 schon sehr ausgereift, hat im Tor prima Übersicht und tolle Reflexe. Bei den Gegentreffern kann er wenig ausrichten, da hätten die Vorderleute ein bisschen besser aufpassen müssen. Und Matze hat mir von den Jungs am Samstag am besten gefallen. Er ist mit 20 das Nestküken, hat sich in den letzten beiden Jahren aber enorm entwickelt und ist ein wichtiger Spieler in der Abwehr geworden.

Sie haben auf das Temperament hingewiesen, welches Fußballer sicher auch brauchen. Übertreiben ihre Enkel da manchmal?
So würde ich das nicht sagen. Beim Heimspiel im Vorjahr gegen Rupprechtstegen pfiff der Schiri drei Minuten vor Schluss einen Elfer gegen uns, wir verloren dadurch 0:1, das war so ein Spiel zum Vergessen. In der Folge bekamen erst Matze und Michi die Ampelkarte, und in der Nachspielzeit erwischte es Andi mit der roten Karte. Am meisten reute mich der Jüngste, denn Matze ist eigentlich ein ruhiger Spieler und ich hätte fast geweint. Der Michi muss als Spielführer sein Team vertreten und kriegt das oft zu spüren und wenn der Andi als Torwart ein Foul begeht, endet das oft blöd. Damals hat der Schiri aber einen rabenschwarzen Tag erwischt. Obwohl, drei Platzverweise von drei Brüdern innerhalb von fünf Minuten ist schon kurios. Diesen Vereinsrekord haben sie.

Die Wand in Ihrem Wohnzimmer gleicht fast der eines Vereinsheims. Woher stammen die Trophäen wie Wimpel und Zinnteller sowie die Mannschaftsfotos?
Da sind Ehrungen vom SV dabei sowie Erinnerungsfotos und Urkunden von Mannschaften, die ich irgendwie unterstützte. Nachdem mein Mann schon sehr früh verstarb, damals war ich erst 48, habe ich mich im Verein auf unterschiedlichste Weise engagiert und manchmal waren unvergessliche Momente dabei. Michi und Andi gewannen in der F-Jugend ein Pokalturnier-Finale gegen Gastgeber Kirchehrenbach, es war die reinste Schlammschlacht. Also habe ich die ganze Truppe bei mir in die Badewanne gestellt und erst mit dem Schlauch vom Gröbsten befreit. Oder als meine Tochter Uschi, die Mutter der Jungs, Anfang der 80er-Jahre im neu gegründeten Frauenteam anfing, wollten die Damen für jedes erzielte Tor eine Gasmoß. Sie waren nach kurzer Zeit so erfolgreich, dass ich fast arm wurde.

Es scheint, Ihre komplette Familie ist fußballverrückt, oder gibt es neben dem SV noch andere Hobbys?
Fast richtig. Mein Sohn Hans-Peter spielte natürlich auch Fußball im Verein und half vor einigen Jahren als Interimstrainer aus. Uschi hat sich nach ihrer aktiven Zeit mit anderen Tätigkeiten eingebracht und ist derzeit für die Trikots verantwortlich, während ihr Mann Wendelin der Einzige ist, der selbst nie gegen den Ball trat. Aber dafür begleitet er als Musiker auch Sportveranstaltungen. Ich habe vier weitere Töchter, die auswärts verheiratet sind, und nächste Woche kommt es gegen Effeltrich zum Aufeinandertreffen mit meinem Schwiegersohn Herbert. Ihn ärgere ich immer und sage, ihr seid doch Krautfresser.

Sie sollen als Oma die treibende Kraft gewesen sein, dass die Jungs überhaupt Fußballer wurden. Wie kam das?
Nein, angefangen haben sie schon selbst, wir wohnen ja nur 300 Meter vom Sportplatz. Nur zum Training wollten sie nicht freiwillig, da habe ich Michi und Andi, als sie mit sechs und vier Jahren anfingen, mit Gummibärchen und Eis ködern müssen. Matze ging freiwillig, deshalb bekam er Süßes als Belohnung. Heute bin ich sehr stolz darauf, was aus meinen Jungs geworden ist und was sie wöchentlich leisten. Deshalb bin ich auch gerne mit dem Frauen-Fanclub, der sich aus dem aufgelösten Frauenteam rekrutierte, zum Anfeuern dabei. Wenn die Männer unsere Pfläumli-Klopfer als Kommando hören, wissen sie, dass es Zeit für die Schlussoffensive ist.

Sie erlitten im vergangenen Herbst die schwerste Sportverletzung des SV während der Saison. Was war da genau passiert?
Beim Heimspiel gegen Diepersdorf saß ich wie immer auf der Bank am Spielfeldrand, als ein Gästespieler in meine Richtung rutschte und mich am Fuß traf. Er brach mir zwei Zehen und meine Tochter Uschi musste mich ins Krankenhaus bringen. Bei der Unfallaufnahme in Forchheim fragte die Krankenschwester, was passiert sei. Als wir ihr antworteten ,Beim Fußball', hat sie uns angeschaut, als wären wir von einem anderen Stern. Beim nächsten Spiel war ich schon wieder dabei und wenn ich irgendwann mal nicht mehr am Sportplatz bin, dann liege ich 180 Zentimeter tiefer (lacht).