Überraschend deutlich mit 4:1 für Kirchehrenbach endete der InFranken-Kick am Fuße des Walberlas. Vor 160 Zuschauern zwang der zuhause noch immer ungeschlagene TSV den SC Adelsdorf, der zuletzt mit einer Serie von sechs Siegen in Folge aufwartete und den FC Herzogenaurach an der Spitze der Kreisliga 1 ablöste, verdient in die Knie. Da der FCH pausierte, behielt der SC zwar die Tabellenführung, dennoch hatte sich das Team von Trainer-Urgestein Wilhelm Satzinger den Ausflug ans Walberla irgendwie anders vorgestellt.

Nicht zu viel riskieren

Beide Mannschaften begannen vorsichtig und versuchten, die Kugel in den eigenen Reihen zu halten. Vor allem die Gastgeber wollten zunächst Sicherheit gewinnen, merkten jedoch schnell, dass Adelsdorf nicht den besten Tag erwischt hatte. Der personelle Aderlass zwang den SC zu allerlei Umstellungen und Satzinger schrieb nur zwei Ersatzspieler auf den Bogen. Die äußeren Bedingungen schienen perfekt, aber sie trogen, denn unter der Grasnarbe war das Geläuf teilweise äußerst uneben und machte beiden Reihen zu schaffen.

Dominik Postler schraubte sich bei einem Einwurf der Gäste hoch und köpfte zu Daniel Backof am Sechzehnereck. Der 37-jährige Routinier fackelte nicht lange, das Leder zischte unter dem verdutzten SC-Keeper Christian Blum hindurch ins Netz (13.). Ein Auftakt nach Maß für die Walberla-Kicker und Backofs 14. Saisontreffer. Aber Adelsdorf reagierte. Stürmer Heiko Geyer fand nach Solo im starken TSV-Torhüter Marco Wagner seinen Meister (16.) und drei Minuten später flankte der gleiche Spieler in den Rückraum der Abwehr, wo Dominic Zecho den Ball nicht voll erwischte. Beim Vorstoß von Dominik Leuner rettete René Marsching vor zwei einschussbereiten Adelsdorfern (22.). TSV-Angreifer Johannes Sebald probierte es glücklos aus der zweiten Reihe (25). Kirchehrenbach war plötzlich scheunentoroffen. Michael Kaufmann wechselte die Seite, abermals konnte Zecho die Maßflanke aber nicht verwerten (32.). 120 Sekunden später der Ausgleich, den sich der TSV selbst zuzuschreiben hatte. Nach kurzem Zuspiel am eigenen Strafraum versprang die Kugel vor Postler. Zecho spielte in die Mitte, wo Leuner das Leder in die Maschen bugsierte.

Die Heimelf antwortete sofort und wieder war der Torschütze ein Oldie. Nach Ecke von Marsching wuchtete René Müller das Runde mit einem wahren Kopfball-Torpedo unhaltbar ins Eckige (36.). Kurz vor der Pause pflückte Torwart Wagner vor Steffen Geyer und Sebastian Wölfel einen weiten Ball aus dem Halbfeld (42.). Zecho prüfte ihn anschließend per herrlicher Volleyabnahme erfolglos (43.). Den möglichen Ausgleich vergab auch Christoph Rösch, der sich über links durchsetzte, bei der Frage "Schuss oder Flanke" jedoch zu lange zögerte (45.). Mit dem Halbzeitpfiff beschwerten sich die Gastgeber beim Referee, weil ein Adelsdorfer in der Mauer bei einem Freistoß von Backof mit der Hand zum Ball gegangen sein soll.

Wagner ein starker Rückhalt

Nach der Pause setzte der TSV auf Konter, Bennings Vorstoß wurde aber geblockt (49.). Rösch zielte aus der zweiten Reihe und traf Walter am Fuß, aber Wagner, der schon in die andere Ecke unterwegs war, hielt auch diesen abgefälschten Ball (57.). Bei einem zu kurzen Zuspiel an der Mittellinie hatte Backof den Braten gerochen. Er schnappte sich das Leder und probierte es - von Wölfel verfolgt - von der Strafraumgrenze, aber Blum vereitelte die Vorentscheidung (59.). Nach einem erneuten Fehler im Aufbauspiel der Gäste spitzelte Matthias Schuhmann Backof die Kugel in den Lauf, doch wieder zwickte Blum die Beine zusammen und parierte (61.). Den dritten Hochkaräter in Folge lieferte Städtler, der nach einem Alleingang abzog und an den Fäusten von Blum scheiterte (62.). Im Gegenzug war Heiko Geyer auf und davon, wurde wegen eines Platzfehlers aber eingeholt (64.). Glück hatte die Heimelf, als Kaufmann draufhielt und Wagner den strammen Schuss mit den Fingerspitzen gerade noch über die Latte lenkte (68.).

Auch beim Angriff über Daniel Brenner bewahrte Wagner per reflexartiger Fußabwehr den TSV vor dem Ausgleich (71.). Im Gegenzug folgte der vorzeitige Knockout für den Spitzenreiter, als Benning einen Luftkampf gewann und den aufspringenden Ball zum 3:1 ins kurze Eck manövrierte (73.). Bei Kaufmanns Freistoß rettete Wagner abermals mit den Fäusten vor Wölfel (75.) und nach einer Freistoßvariante des TSV setzte Benning den mitgelaufenen Thimo Bäuml ein, der, von Pascal Benes und Blum bedrängt, nur den Pfosten traf (84.). Zwar scheiterten kurz danach nochmals Bäuml und Backof in Kombination, aber in der Nachspielzeit machte René Marsching den Sack zu, als er über rechts in den Strafraum eindrang. Sein Schuss landete zum 4:1-Endstand in den Maschen. Fazit: Bis auf zwei, drei kleinere Phasen hatten die Gastgeber das Spiel im Griff. Der TSV arbeitete im Kollektiv gut gegen den Ball und erzielte gegen die (mit Herzogenaurach) bis dahin beste Abwehr der Klasse vier Treffer. Bemerkenswert insofern, weil der SC vorher in noch keinem Spiel mehr als zwei Gegentore kassierte. Diese deutliche Niederlage schmälert aber die tolle Saisonleistung der Adelsdorfer nicht.

Griffiger und bissiger

TSV-Trainer Christoph Schneider blieb trotz des nicht zwingend erwarteten Erfolges in der Analyse gelassen: "Wir waren heute griffiger, bissiger und haben die Zweikämpfe besser angenommen. Ein verdienter Sieg, das ist klar, aber vielleicht um ein Tor zu hoch. Auf jeden Fall ein großes Lob an meine Mannschaft, es war wichtig zu zeigen, zu was wir in der Lage sind, aber manchmal stehen wir uns selbst im Weg. Wichtig war auch, dass wir den Kopf mal wieder freibekommen haben nach den letzten Wochen. Denn das Gerede um den Trainerposten hat schon etwas an der Konzentration gezehrt. Der Sieg war auch ein Signal an das Team, dass man gemeinsam viel erreichen kann. Es war eine fast perfekte Mannschaftsleistung. Jetzt haben wir zwei Hammerspiele gegen Röttenbach und Burk. Da müssen wir uns beweisen und unseren Anspruch auf einen Platz unter den ersten Fünf untermauern."

Giftiger und geiler

Gästetrainer Wilhelm Satzinger redete Klartext. Er konnte und wollte mit der Leistung seines Teams nicht zufrieden sein: "Ärgerlich wäre es nur, wenn wir besser gewesen wären. Aber der Gegner war stärker. Vor allem war Kirchehrenbach giftiger und geiler darauf, uns heute ein Bein zu stellen. Sie haben einfach mehr dafür getan, das muss man neidlos anerkennen. Wir haben zu keiner Minute des Spiels das Gefühl gehabt, jetzt stoßen wir den Bock um. Selbst das 1:1 war nur ein kurzes Aufbäumen." Die Höhe des Spielausgangs nahm der 60-jährige sportlich und seine Truppe für die kommenden Aufgaben in die Pflicht: "Ein Tor hin oder her ist egal. Aber der TSV hatte schon kurz nach der Halbzeit drei große Möglichkeiten, die Führung deutlich auszubauen. Nun heißt es abhaken und den Blick auf die nächsten Spiele richten."