Seit 25 Jahren wird im Stadtrat über das Für und Wider verkaufsoffener Sonntage gestritten. Dabei ging es aber wohl noch nie so heftig zur Sache wie am Donnerstag. Denn die Mehrheit der CSU hatte diesmal nicht nur die SPD und die Grünen gegen sich, sondern auch die Jungen Bürger - und vier hartnäckige Widersacher aus dem eigenen Lager.
Dass am Ende eine 19:17-Mehrheit vier verkaufsoffene Sonntage beschließen konnte, wurde dank des Schulterschlusses zwischen CSU und Freien Wählern möglich. FW-Fraktionsvorsitzender Manfred Hümmer plädierte für diesen "Kompromiss", um die Planungen der Händler nicht zu durchkreuzen.
Nach eineinhalbstündiger Debatte war die Verwirrung so groß gewesen, dass CSU-Fraktionschef Udo Schönfelder eine Sitzungspause beantragte, um seine Fraktion auf Linie zu bringen. Das gelang gar nicht: Stefan Schick rückte sehr laut und sehr nah mit Holger Lehnard zusammen; Günther Bundgaard ging erbost auf Gerhard Käding los und wetterte, dass er sich in dieser Partei nicht mehr zu Hause fühle. Selbst Mathilde Hartmann, sonst selbst mal gerne emotional, reagierte "irritiert über die Emotionalität" der Auseinandersetzung. Mathilde Hartmann, Hans-Werner Eisen, Günther Bundgaard und Holger Lehnard blieben bei ihrer von der CSU-Linie abweichenden Meinung.

Drohender Schadensersatz

Diese Linie vertrat mit Vehemenz Stefan Schick, der sich auch im Namen der Werbegemeinschaft zu Wort meldete. "Seit 16 Jahren gibt es vier verkaufsoffene Sonntage zur Stärkung des Handels." Auch 2015 hätten die Geschäftsleute damit geplant. Schadenersatzklagen drohten. Von 70 Händlern in der Werbegemeinschaft seien 68 für die vier Sonntage. Welche Erkenntnisse es denn gebe, das zu ändern, fragte Schick: "Ich bin bestürzt."
In den vergangenen Jahren hatte es stets zwei Lager im Stadtrat gegeben: Das eine forderte zwei, das andere vier verkaufsoffene Sonntage. Daher schlug Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) diesmal einen Kompromiss vor und wollte über drei Sonntage abstimmen lassen. Heike Schade (FGL) brachte den Disput dann mit der Forderung ins Rollen, die Sonntage sollten nicht an die Markttage gekoppelt werden; sondern an kulturelle Ereignisse. Es müssten größere Teile der Stadt einbezogen werden. Sie habe mit Händlern über das bisherige Vorgehen gesprochen, sagte Schade: "Die ganze Hornschuchallee bleibt geschlossen."
Plötzlich waren es nicht mehr zwei Lager - sondern viele: Da gab es jene, die verkaufsoffene Sonntage mit Kulturereignissen verbinden wollten, wie die FGL; jene, die den Umsatz und die immense Frequenz von Besuchern haben wollten, wie Stefan Schick, Karl-Heinz Fleckenstein (beide CSU) oder Erwin Held (FW). Jene, die mit christlichen Werten und mit der bayerischen Sonntags- und Feiertagsregelung argumentierten, wie Anita Kern (SPD): "Kommerz ist an Sonntagen nicht genehmigungsfähig". Dann jene, die wie Thomas Werner und Udo Schönfelder (beide CSU), die offene Fragen als Beweis für die Inkompetenz von Citymanager Viktor Naumann ansehen wollten; jene, die im Gegenzug den Citymanager verteidigten, wie Karl-Heinz Fleckenstein (CSU) und Oberbürgermeister Stumpf; oder jene, die sich ohne statistische Erhebungen und Umfragen gar nicht in der Lage sahen, qualifiziert über die verkaufsoffenen Sonntage zu sprechen, wie die Freien Wähler.
Doch die Forderung nach Umfragen unter Händlern fand nicht nur Franz Stumpf absurd: "Seine Umsatzzahlen verrät mir kein Händler." Sondern auch Stefan Schick und Karl-Heinz Fleckenstein: Wenn 10 000 Menschen in die Stadt kämen; wenn über 50 Prozent der Innenstadthändler begeistert reagierten und wenn vierfache Stunden-Umsätze erzielt würden, dann hätten Geschäftsleute und Kunden längst "mit den Füßen abgestimmt".
"Warum machen wir uns abhängig von der Meinung der Einzelhändler? Hier geht es um eine Werte-Entscheidung, die der Stadtrat trifft", hielt Annette Prechtel (FGL) entgegen. Und Uwe Kirschstein (SPD) suggerierte die völlige Bedeutungslosigkeit der verkaufsoffenen Sonntage: "Schwer vorstellbar, dass die Existenz der Händler davon abhängen soll. Ich persönlich bin für Null Sonntage."