"Vernetztes Wohnen" lautet das Zauberwort für junge Senioren. Mit Hilfe modernster Technik soll den Menschen möglichst lange ein selbst bestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglicht werden. Auf Initiative der Metropolregion Nürnberg wurde in Ebermannstadt nun ein Modellprojekt entwickelt, das Herbert Herlitz den Mitgliedern des Haupt- und Kulturausschusses präsentierte.

Die Idee: Eines der alten, leer stehenden Gebäude im Stadtzentrum erwerben, es nach den Bedürfnissen der Senioren umbauen (oder abreißen und neu bauen) und so eine neue Wohnform für das Leben im Alter anbieten. Neben dem Seniorenzentrum und einem hochpreisigen Angebot für seniorenge rechtes Wohnen in Ebermannstadt richtet sich diese Variante an Menschen, die in den eigenen vier Wänden bleiben, durch Wohngruppen den Kontakt zu Gleichaltrigen aufrechterhalten und sich gegenseitig helfen möchten.

Von Technik unterstützt


Unterstützt werden soll das selbstständige Wohnen durch Sensoren und Überwachungsmöglichkeiten, die den Menschen ein höchstes Maß an Sicherheit bieten. Fallschutzmatten, die einen Sturz weiter melden, telefonische Kontaktaufnahme per Bild statt per Tastendruck sowie ein Aufzug und mobile Notrufdienste (Sophia, BRK, Caritas-Sozialstation bzw. Diakonisches Werk) sollen gewährleistet werden. Doch das ist nicht ganz billig.

"Das geplante Projekt ist für Ebermannstadt gänzlich neu", bekräftigte Herlitz, der darauf hinwies, dass durch dieses Modellvorhaben gleichzeitig Nutzungslücken im Stadtbild geschlossen werden könnten. Es stehen bis zu 20 Prozent der Häuser im Stadtzentrum leer.

Wohnraum schaffen, Leerstände beseitigen und die Kaufkraft der Innenstadt stärken: So könnte man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, fand Herlitz. Um die Sache finanzieren zu können, regte der Leiter des Hauptamtes der Stadt an, eine Sanierungs- und Investitionsgesellschaft, eine Genossenschaft zu gründen, an der die Stadt ebenso beteiligt sein soll wie die Bürger, die örtlichen Banken und weitere Geldgeber. Die Vision: Sanierungsbedürftige Objekte im Altstadtbereich werden angekauft, saniert, in Wohn und Geschäftseinheiten aufgeteilt und Gewinn bringend weiter veräußert oder vermietet. Die Regierung von Oberfranken habe zugesagt, die nicht rentierlichen Kosten zu 50 Prozent zu bezuschussen, informierte Herlitz. Allerdings müsse die Stadt erst einmal in Vorleistung treten.

Hoch interessant


"Ein hoch interessantes Projekt" nannte Bürgermeister Franz Josef Kraus (CSU) diese Idee. Sein Vorschlag: "Wir sollten dabei bleiben und schauen, wie wir so etwas finanzieren können", zumal junge Leute nicht in der Innenstadt wohnen wollten, ältere aber sehr wohl.

"Ich stehe dem Vorhaben sehr positiv gegenüber, weil ich möchte, dass die Innenstadt wieder mehr Leben bekommt", bekräftigte Ludwig Brütting (Freie Wähler). Er wollte wissen, ob das Projekt schon so tragfähig sei, dass die Regierung Zuschüsse in Aussicht stellen könne. "So weit sind wir noch nicht" bedauerte allerdings der Verwaltungschef, der die Sache wie einen Bauantrag behandelt wissen will. Ein Architekt müsse planen, wie viele Wohngruppen unterzubringen seien und was der behindertengerechte Umbau, gegebenenfalls aber auch ein Abbruch und ein Neubau kosten würde. Da fielen durchaus Planungskosten in einer Größenordnung von rund 30.000 Euro an, gab Herlitz zu bedenken.

Stet gut zu Gesicht


Bauunternehmer Ludwig Walter, den Brütting als Investor ins Spiel bringen wollte, sprach von einer Chance, die Ebermannstadt unter keinen Umständen weglassen dürfe. "Ein Weg, der unserer Stadt sehr gut zu Gesicht stehen würde", befand Walter.

Vizebürgermeister Alfons Dorn (MGO) erinnerte daran, dass alle in Frage kommenden Objekte nicht im Besitz der Stadt seien. Für ihn ein eindeutiger Planungs-Nachteil, denn ehe so ein Projekt weiter geführt werden könne, müssten Verhandlungen mit den Eigentümern geführt werden. Manchmal eine zeitaufwändige Angelegenheit, fand Dorn. Einstimmig beschloss das Gremium, erst einmal die Planungskosten für so ein Projekt zu ermitteln und rechtzeitig einen Förderantrag an die Regierung von Oberfranken zu stellen. Parallel dazu müssen geeignete Grundstücke gesucht werden.