Forscher aus aller Welt wissen die Arbeit zu schätzen, die an diesem kleinen Fleckchen Fränkische Schweiz geleistet wird. Wissenschaftler aus Guatemala oder dem Goethe-Institut in Rio de Janeiro sind schon vorbei gekommen, nutzten den Vorteil des angrenzenden Flugplatzes für einen spontanen Abstecher.

Japanische Touristen wollten hier - gleich nach der Besichtigung von Schloss Neuschwanstein - einen Blick in die Unendlichkeit werfen. Genau wie eine Enkelin des letzten Kaisers von China und zahllose Schulklassen. Ein Besuch der Sternwarte Feuerstein ändert den Blick auf die Welt, die für den Laien gerade noch greifbaren Gesetze der Physik werden hier in ungekannte Dimensionen verschoben.

Der Himmel fasziniert den Menschen seit jeher, auf Feuerstein hat er seit 20 Jahren die Möglichkeit, dem Gestirn einen Schritt näher zu kommen. Astronomische Beobachtungen im Zusammenspiel mit Öffentlichkeitsarbeit und gemeinschaftlichen Beobachtungen sind die bestimmenden Elemente im Sternwarten-Verein. Es werden für jeden Wissenstand interessante und informative Fakten aufgezeigt und erläutert. "Es wird aber auch geforscht", erzählt Vorsitzender Frank Fleischmann, der - wie seine Mitstreiter - viel Idealismus, Herzblut und Zeit in die Sternwarte steckt.

Bei der Finanzierung hakt es

Feuerstein liefere immer wieder gute Messergebnisse zu Gasnebeln, Sternexplosionen oder - geburten, weshalb es einen regen Austausch mit Wissenschaftlern der Harvard University in den USA gebe. Eine von der Sternwarte gebauter optischer Temperatursensor habe es sogar schon in den Weltraum geschafft - als Teil eines Raketenprojekts. "Das sucht in Bayern seinesgleichen. Wir hatten dafür nur anderthalb Monate Zeit, und der Projektleiter hat nicht geglaubt, dass wir es schaffen. Doch zwei Tage vor Ablauf der Frist waren wir fertig. Und das Gerät hat im All tadellos funktioniert", erzählt Fleischmann stolz.

Doch während die Sternwarte Feuerstein in Fachkreisen einen guten Ruf genießt, sind die maßgeblichen Entscheider noch nicht aufmerksam geworden. Die Finanzierung treibt den Verein um. Ein Problem, dass Fleischmann geregelt wissen will, ehe er den Vorsitz in andere Hände gibt. Er und seine Mitstreiter stecken viel eigenes Geld in die Technik vor Ort, ersetzen verschlissene Geräte oder schaffen neue an.

Wie aktuell einen Spektrographen, der das Licht optisch in seine verschiedenen Farben zerlegt, für 17 000 Euro. Dafür und größere Investitionen sind die Feuersteiner aber auf Spenden angewiesen. 50 000 Euro fehlen aktuell zum Beispiel für die Errichtung eines Zeiss-Astrographen, ein neun Tonnen schweres Teleskop, das fertig gepackt eigentlich nur noch auf seine Abholung wartet.

Doch verschiedene Faktoren wie eine Änderung der Behördenstruktur sorgten für anhaltende Verzögerungen. "Das Bohrteam musste zum Beispiel mehrfach an- und schnell wieder abrücken, was die Kosten vervielfacht hat. Das ist im Großen und Ganzen die Summe, die jetzt fehlt", erzählt Fleischmann. Er hofft, dass von den 700 Millionen Euro, die Bayern in ein Weltraumprogramm und da vor allem in die Forschung stecken will, auch etwas auf Feuerstein ankommt. "Doch bei solchen Dingen zählen Orte außerhalb von München oft ja nicht mehr zu Bayern, Franken schon gleich gar nicht", bedauert Fleischmann.

Klimawandel und Treibhauseffekt

Vielleicht wäre die Arbeit in der Sternwarte aber auch für das Umweltministerium interessant. Vom Menschen befeuerte Entwicklungen wie Treibhauseffekt und Klimawandel werden hier ganz konkret behandelt. Besorgniserregend sei die Zunahme von Weltraumschrott durch übertriebene Satellitenprojekte oder die Tatsache, dass die Welt immer heller werde - auch bedingt durch die Umstellungen auf günstige LED-Technik oder aus Fleischmanns Sicht sinnfreie Illuminationen, die allenfalls der Ästhetik dienen. Diese Lichtverschmutzung habe Auswirkungen auf Mensch und Tier - mal abgesehen davon, dass die Helligkeit den Blick ins All erschwert.

Auch zu den Auswirkungen des Treibhausgases gibt es auf der Sternwarte Feuerstein Erkenntnisse. "Wenn wir so weitermachen, wird unsere Lebensqualität in 50 Jahren drastisch gesunken sein", ist Fleischmann überzeugt. "Und was ist dann erst in 100 Jahren?" Die Menschheit habe den Mars als Fluchtpunkt gewählt, falls es auf der Erde einmal unwirtlich werden sollte.

Da könne man recht zügig in drei Monaten ankommen - mal außer Acht gelassen, dass eine Mondrakete heute höher als die Türme der Nürnberger Lorenzkirche und von unten bis oben voll mit Treibstoff sein muss, um ihren Zweck zu erfüllen. "Und vor dem Hintergrund, dass die Reise zu einem anderen Stern 100 Jahre dauern würde, die Alternativen also sehr begrenzt sind, sollte der Umgang mit dem eigenen Planeten höheren Stellenwert haben." Dafür brauche es einen globalen Blick, sagt der Physiker.