In den vergangenen vier Jahren ist Sebastian Körber vom Hobby-Politiker spürbar zum Profi geworden. Der 32-jährige Liberale ist inzwischen als Interviewpartner bei vielen Medien begehrt. Seinen Wahlabend richtet er deshalb nach den Fernsehkameras - tritt in Hof um 18.45 Uhr vor das Mikrofon von Oberfranken-TV und steht in Bamberg zwei Stunden später dem Bayerischen Rundfunk Rede und Antwort.

Zwischendrin ruft er - wie vereinbart - bei der Zeitung in Forchheim an und lässt sich ausfragen. Mit klarer, fester Stimme gibt er überall zu Protokoll: "Das ist eine bittere Niederlage für die FDP in Deutschland. Der Souverän hat die FDP aus dem Bundestag gewählt. Da gibt es nichts zu beschönigen."


"Hart getroffen"

Leicht könnte der Zuhörer vergessen, dass das Debakel seiner Partei, die erstmals bei einer Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist, auch für ihn bedeutet, dass er nach vier Jahren in Berlin nun kein Bundestagsabgeordneter mehr ist. So sehr hat er sich im Griff, auch wenn ihn dieses Ergebnis "hart getroffen" habe. Schließlich hatte er die FDP bei 6,5 bis 7 Prozent erwartet.

Was sind die Gründe für dieses Abschneiden? Körber bleibt Profi. Nein, darüber zu reden, dafür wäre es jetzt noch zu früh. Er verweist auf die Fraktionssitzung und die Sitzung des Landesvorstandes - beides am heutigen Montag. Da werde das alles aufgearbeitet. Nur eine Vermutung gibt er preis: "Das deutliche Beharren der Union auf der Zweitstimme als Merkel-Stimme hat uns Stimmen gekostet."


Platzek spricht Klartext

Sein Parteikollege und Stadtrat Sebastian Platzek ist weniger zurückhaltend und zieht schon kurz nach der ersten Prognose vom Leder: "Bei dem Bundesvorsitzenden und dem Spitzenkandidaten war so ein Ergebnis zu erwarten. Die notwendige Erneuerung muss jetzt außerparlamentarisch gelingen - unter Christian Lindner. Der hat im Gegensatz zu Rösler Ausstrahlung und ein intellektuelles Niveau, das einem Parteivorsitzenden angemessen ist."

Körber hat sich selbst nichts vorzuwerfen - "weder fachpolitisch im Baubereich noch bei der Politik vor in Ort Forchheim". Die 7,32 Prozent an Erststimmen in Forchheim (deutlich über dem oberfränkischen Durchschnitt) sieht er als klare Bestätigung.

Hinsichtlich seiner Zukunft ist dem Architekten nicht bange: "Statt fünf Stunden im Monat werde ich künftig wieder 50 bis 60 Stunden pro Woche für meine Firma arbeiten." Und natürlich werde er sich auch weiterhin für die FDP einsetzen - jetzt wieder ehrenamtlich. "Ich bin fest überzeugt, dass wir eine liberale Kraft in Deutschland brauchen." Spricht's, legt auf und düst weiter zum nächsten Interview. Ein Profi auf Abschiedstour. Comeback nicht ausgeschlossen.

Alle Ergebnisse der fränkischen Stimmkreise für die Bundes- und Landtagswahlen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Kandidaten finden Sie auf dieser Seite.