Früher hat Martin Landeck einer Landkarte noch getraut. Seitdem der 47-Jährige viel mit dem Fahrrad in der Fränkischen Schweiz unterwegs ist, hat sich das geändert. "Die stellen einfach ein Fahrradweg-Schild auf, und dann sagen sie: Na, dann fahrt mal", ärgert sich der Pretzfelder.
Radweg sei eben nicht gleich Radweg. Schild hin oder her. Und in der Realität sehe die Sache ganz anders aus. "Das Netz der Fahrradwege ist so löchrig wie eine Schweizer Käse", findet Landeck, der Strecken meidet, wo der "Radweg" plötzlich in eine vielbefahrene Straße mündet.
Auf Anhieb fallen ihm gleich ein paar "große Löcher" im Radwege-Netz ein. "Zum Beispiel zwischen Kirchehrenbach und Gosberg. Mit dem Fahrrad ist es da die Hölle." Von Ebermannstadt über Pretzfeld nach Kirchehrenbach könne man noch abseits der Straße fahren. "Danach ist in Richtung Gosberg noch vor Wiesenthau plötzlich Schluss", meint der leidenschaftliche Radfahrer. Dummerweise seien gerade dort auf dem Hauptverkehrsweg immer viele Autos, Motorräder und Lastwagen unterwegs. Auch auf dem Weg von Pretzfeld ins Trubachtal erlebe man als Radfahrer gleich mehrere böse Überraschungen.
"Von Pretzfeld bis Hagenbach kann man noch auf dem Radweg fahren. Kurz vor Wannbach landet man dann irgendwann auf halber Strecke auf einem Schotterweg." Weiter geht die Reise auf dem Drahtesel bis Oberzaunsbach. In Schweinthal muss der Radler wieder auf die Straße wechseln. "Von Schweinthal bis Egloffstein gibt es plötzlich wieder ein kurzes Stück Radweg bis Mostviel."
Von Mostviel bis Egloffstein gebe es zwar ein Radweg-Schild, aber das sei eher ein Trampelpfad. "Da bleib' ich dann lieber auf der Straße. Ich will ja auch nicht die Wanderer über den Haufen fahren." Dann könne man ab Hammermühle kurzzeitig wieder entspannt und sorgenfrei auf der alten Straße fahren. Aber der Spaß sei nur von kurzer Dauer. "Vor Untertrubach muss man die Kreisstraße überqueren und nach Wolfsberg gibt es überhaupt keinen Weg mehr", erzählt Martin Landeck weiter. Es stünden zwar Schilder in der Landschaft, aber einen richtigen, durchgehenden Radweg suche man vergeblich. Das größte Hindernis für sorgenfreie Fahrradfreuden in der Fränkische sei das Nadelöhr im Wiesenttal. Martin Landeck hat auf dem holprigen Radweg hinter Muggendorf angehalten und schaut auf das schmale Tal. "Den Felsen da - den können sie nicht wegsprengen. Und dann die vielen Autos am Wochenende, die sich hier durchquälen. Die Motorradfahrer nicht zu vergessen, die oft keine Rücksicht nehmen." Landeck selbst hat auf dem steinigen Radweg Richtung Behringersmühle keine Probleme. Genau deshalb fahre er schließlich ein Mountain-Bike, um vor solchen Überraschungen - wie den plötzlichen Wechsel von schönem Asphalt zu groben Untergrund - gewappnet zu sein. Radler mit dünnen Reifen dürfte hier freilich der Fahrspaß vergehen. "Hinter Behringersmühle ist Ende für Radfahrer", sagt Martin Landeck. Schließlich sei er nicht lebensmüde.
Klar, der Weg nach Bayreuth sei wunderschön, aber leider eben zu gefährlich zum Radfahren.
Wie man dieses Nadelöhr in der Fränkischen lösen könne? Da weiß auch Martin Landeck keinen Rat. Aber bei den kleineren Löchern im Käse, da wünscht sich der 47-Jährige aus Pretzfeld schon, dass da endlich etwas vorangeht. Freilich wisse auch er, dass die Gemeinden kein Geld haben. "Dann muss eben das Land was machen." Oder man müsse bei den Kosten sparen. Es sei schließlich für Steuerzahler nicht einzusehen, warum jeder neu gebaute Radweg-Kilometer gleich Millionenkosten verursachen müsse. Dann sei es ja logisch, dass der Ausbau der Radwege noch eine Ewigkeit dauern wird.
Weil sich Martin Landeck beim gemeinsamen Radeln mit seiner Frau oft über die schlechten Wege ärgert, würde er gerne wissen, warum beim Thema lückenlose Radwege so wenig vorangeht.

"Höchstens Note 3"


Landrat Reinhardt Glauber (Freie Wähler ) vergibt den Radwegen in der Fränkischen Schweiz "höchstens die Note 3". Die vorhandenen Radwege seien zwar gut ausgebaut. "Aber es hapert vor allen Dingen an den Lückenschlüssen, besonders im Wiesenttal." Zwar gebe es jetzt einen Radweg von Forchheim bis zum Bahnhof Gößweinstein, aber bis Behringersmühle verlaufe der Radweg noch auf einem Feldweg. Glauber setzt darauf, dass hier schon im nächsten Jahr ein neuer Radweg bis Tüchersfeld gebaut werde, um den Lückenschluss auf der Radstrecke zwischen Forchheim und Bayreuth zumindest zu verkürzen.

Neuer Highway für Drahtesel


Am vergangenen Wochenende wurde ein 2,7 Kilometer langer Radweg zwischen Waischenfeld und Nankendorf eingeweiht, um diesem großen Ziel schrittweise näher zu kommen. Dieser neue Streckenabschnitt ist Teil des Radwege-Planes für die Fränkische Schweiz. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte bei der feierlichen Einweihung des rund zwei Millionen Euro teuren Radweges in Waischenfeld an, dass die Bauarbeiten für weitere Radwege zwischen Waischenfeld und Doos sowie Doos und Behringersmühle bereits im nächsten Jahr beginnen sollen. Landrat Reinhardt Glauber verweist beispielsweise auf den Neubau eines Radweges nach Schlammersdorf. Die kurze Strecke soll ein sicherer Zubringer für Einheimische und Touristen werden, die mit ihren Tretmühlen die beliebten Bierkeller rund um den Kreuzberg ansteuern.
Von Gosberg über Wiesenthau nach Kirchehrenbach gehe dagegen seit Jahren nichts voran. Eine "unendliche Geschichte", urteilt Glauber. Gründe? Ein Anlieger wolle partout nicht verkaufen. An einer anderen Stelle müssten sich die Bahn, die Gemeinde und die Landwirte auf eine Streckenführung einigen. Martin Landeck findet das traurig. Gerade rund um Gosberg sei der Autoverkehr an manchen Tagen "fürchterlich". Deshalb meide er die Gegend mit dem Rad. Im Trubachtal kann sich Martin Landeck dagegen bald wohlmöglich über eine neue Trasse für sein Stahlross freuen.
Andreas Eisgruber vom Staatlichen Bauamt Bamberg sagt, im Trubachtal arbeite seine Behörde an einer Lösung, um die bestehenden Lücken zwischen Schweinthal und Äpfelbach, sowie Mostviel und Egloffstein mit neuen Radwegen zu schließen. Die vorhandenen Wanderwege sollen dafür ausgebaut werden. Überhaupt habe in Sachen Radwege seit dem Jahr 2009 ein Umdenken stattgefunden - auch in seinem Straßenbauamt.