Mit der Enteignung des Hauses vom Martin-Luther-Bund 1937, welches der Verein zehn Jahre vorher gekauft hatte, wurde das heutige Freizeitheim Sachsenmühle ein Erholungsheim der Nationalsozialistischen Frauenschaft und ihrer Kinder.

Nach 1945 kam es wieder an den Ursprungsbesitzer, um dann als Jugendheim des Nürnberger Dekanats das heutige Kreativzentrum Sachsenmühle zu werden. Vor allem Kinder gingen hier immer ein und aus, 80 Jahre lang, sogar während des Zweiten Weltkrieges.

Die Sachsenmühle hat schon eine bewegte Geschichte hinter sich und glänzende Zeiten vor sich. Die ehemalige Gaststätte Sachsenmühle, die 1909 durch ein starkes Hochwasser fast zerstört wurde, ist 1927 vom Martin-Luther-Bund Erlangen erworben worden, um es als Erholungsheim umzubauen und zu nutzen. Am 20. November 1937 ging das Anwesen durch Enteignung an die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) und wurde ein Erholungsheim der Nationalsozialistischen (NS) Frauenschaft im Gau Bayerische Ostmark, so die offizielle Beschreibung damals.


NS-Größen und ihre Frauen

NS-Größen brachten ihre Frauen vor den Bombenangriffen der Alliierten in Sicherheit, oder die Frauen kamen gleich selber, um in der Idylle des Wiesenttals ihre Kinder zu gebären. Sie folgten damit einem Aufruf der Nationalsozialisten, die wegen vermehrter Fliegerangriffe auf Hamburg im März 1940 "gesundheitsfördernde Maßnahmen der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt" (kurz NSV) ins Leben riefen.


Aus Hamburger Schulen

Die in der Umgangssprache als "Kinderlandverschickung" (KLV) bezeichnete Aktion hatte dafür Sorge zu tragen, dass die Kinder von Großstadtfamilien dorthin gebracht werden konnten, wo die Gefahr von Luftangriffen sehr gering ist. Der Gau Bayreuth und damit die Fränkische Schweiz gehörte dazu und wurde das Hauptaufnahmegebiet der Hamburger Schulen.

In den Folgejahren, vor allem 1943, kamen Tausende Kinder mit ihren Lehrkräften. Die Schulen in den Großstädten waren mittlerweile alle geschlossen. Die Kinder wurden meist in großen Hotels untergebracht wie in Doos oder in Gößweinstein oder auch in Heimen wie der Sachsenmühle oder dem Naturfreundehaus in Veilbronn.

Sie hatten regelmäßigen Unterricht und schlossen Freundschaft mit den Einheimischen, was den Tourismus in der Nachkriegszeit förderte. Denn als die Kinder groß waren und das Wirtschaftswunderland brummte, kamen sie dorthin zurück, wo sie sicher aufwuchsen und Freunde und Bekannte fanden: in die Fränkische Schweiz.

Nach 1945 war der Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger Besitzer des Anwesens, bis es auf Antrag des Martin-Luther-Bundes am 7. November 1950 zurückübereignet wurde.

In der Folgezeit nutzte man die Sachsenmühle als ein Erholungsheim für Flüchtlinge, die im Kirchendienst standen, und für kirchliche Mitarbeiter aus dem Ostsektor Berlins, die hier kostenlos ihren Urlaub verbrachten. In den 1960er Jahren diente das Haus der Stadtmission Nürnberg als Altersheim. Um 1970 wurde es ein Freizeitheim für Jugendliche des Dekanats Nürnberg.


Die Heimleiter

Heimleiterin damals war Herta Steinmeyer-Löffler, dann Heinz Trommer mit Frau, danach Karl Körber, der es noch heute ist. Unter der Regie von Susanne Zech vom Kirchenbauamt Nürnberg wurde 2001 das Freizeitheim gründlich renoviert, feuerschutztechnisch aufgerüstet und neue Sanitäranlagen installiert. Kosten: insgesamt 1,2 Millionen Euro.

Das Haus bekam den neuen, modernen Namen "Kreativzentrum Sachsenmühle", um deutlich zu machen, dass hier nun ein frischer Wind bläst. Hans Körber erinnert sich an die Anfänge seiner Hausverwaltertätigkeit: "Als ich 1990 angefangen habe, hatten meine Vorgänger 3143 Übernachtungen im Jahr. Diese Zahl konnte ich bisher verdoppeln."

Von den vier Jugendhäusern des Dekanats Nürnberg "überlebte" nur die Sachsenmühle, "weil sie in den letzten Jahren keine roten Zahlen geschrieben hat", bemerkte Stadtdekan Johannes Friedrich stolz bei einem Besuch der Einrichtung vor einigen Jahren.


Ein Haus für die Jugend

Das Freizeitheim ist noch immer ein Haus für die Jugend. Mit 6500 Übernachtungen im Jahre 2017 verzeichnet die Sachsenmühle ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr von fast 100 Übernachtungen. Das Besondere daran: Viele Besucher sind Stammgäste, was für die gute Betreuung und den Service vor Ort spricht.


Internationale Gäste

Die Gäste kommen nicht nur aus Deutschland ins Kreativzentrum Sachsenmühle, sondern auch aus Litauen, Israel, Schweiz, Österreich, Schweden, USA, Russland, Israel, Dänemark, England, Neuseeland. Sogar ein ungarischer Fußballclub übernachtete hier, als er zu einen Freundschaftsspiel mit dem Club in Nürnberg antrat.

63 Prozent der Gäste sind Stammgäste, konnte Heimleiter Karl Körber in seiner Statistik festhalten. Viele kamen zuerst als Schüler und später als Jugendleiter oder Pfarrer mit ihren Gruppen ins Haus, obwohl manche ihre Pfarrstelle zwischenzeitlich gewechselt haben und weiter weg sind. Sie blieben der Sachsenmühle aber treu und kommen mit ihrer neuen Gemeinde. Das gefällt dem Heimleiter und letztendlich auch der evangelischen Jugend Nürnberg, der das Freizeitheim gehört.

Damit ist das Kreativzentrum auch ein Werbeträger für Gößweinstein und für die Region Fränkische Schweiz geworden, meint Körber und fügt hinzu, dass die meisten Gäste durch Mund-zu-Mund-Werbung auf die Sachsenmühle aufmerksam werden. Für sich sprechen auch die Anmeldungen für 2018: An 219 Tagen ist das Haus im nächsten Jahr schon belegt. Wer also noch freie Termine sucht, sollte bald anfragen.


Info

Das Selbstversorgerhaus hat 41 Betten, Duschen und WCs. Der Übernachtungspreis liegt bei 8,50 Euro plus einen Euro Kurtaxe pro Tag und Person. Mindestbelegung des Hauses sind 25 Personen. Internetzugang ist in jedem Zimmer vorhanden, Vollverpflegung ist durch Catering möglich. Viele Sportmöglichkeiten werden von den Gruppen genutzt: Kajakfahren auf der Wiesent, Höhlenklettern, Hochseilgarten. Eine große Wiese vor dem Haus mit Fußballfeld und Volleyball ermöglicht Freizeitsport vor Ort sowie Schwimmen in der Wiesent - ein ganz besonderes Vergnügen. Auskunft und Anmeldung unter Telefon 09242/7371 oder per E-Mail an kreativzentrum@ejn.de.