Spätestens am 15. September, wenn die Freibad-saison in Gräfenberg offiziell zu Ende geht, wird Rosi Heinisch ein allerletztes Mal das Rollo ihres Kiosks öffnen. Vielleicht aber auch schon früher, weil die Saison heuer gar nicht so lange gehen dürfte.

Irgendwann in den kommenden Wochen also wird Rosi Heinisch ihren Job im Gräfenberger Kiosk an den Nagel hängen. 18 Jahre lang hat die 66-Jährige die Freibadgäste mit Getränken und kleinen Speisen versorgt. Und auch als ihr Vorgänger Hans Körber noch den Kiosk geführt hatte, half Heinisch regelmäßig im Kiosk aus. "Er hat daraus erst ein Freibad gemacht", lobt Heinisch den inzwischen 80 Jahre alten Freund.

Großes Angebot

Heinisch selbst hat von Körber in all den Jahren einiges gelernt. Sie ist überzeugt davon, dass der erste Blick der Gäste nicht dem Bad, sondern dem Kiosk gilt.

Entsprechend vielfältig ist auch das Angebot: Neben Wiener Würstchen, belegten Brötchen, Sardinenbrötchen, Lachsbrötchen und dem berühmten Schweizer Wurstsalat, den der gelernte Koch Hans Körber in Gräfenberg erstmalig angeboten hat, können die Gaste auch zwischen Donauwellen und anderen Kuchensorten wählen.
Und dann gibt es natürlich noch jede Menge Eissorten und sogar ein Sekt-Sorbet.

"Euer Freibad ist ein Fressbad", hat ein Badegast einmal ausgerufen. Rosi Heinisch und Hans Körber haben dies als ein Kompliment empfunden. Dabei war es in den Anfangszeiten noch recht umständlich, überhaupt einen Kaffee zu kochen. Denn fließendes Wasser gab es im Kiosk seinerzeit nicht. "Außen am Waschbecken haben wir das Wasser mit einem Eimer geholt und das Abwasser wieder herausgetragen", erinnert sich Heinisch.

Zwiebeln und Gurken

Im Jahr 1987 hat sie den Kiosk mit Körber zusammen renoviert. Von der Stadt haben sie damals eine Geldkassette als Kasse bekommen. Zehn Jahre später zogen sie neue Wände ein, setzten Türen ein und fliesten die Wände.

Während Heinisch so erzählt, hat neben ihr Hans Körber auf einem Stuhl Platz genommen. Die Tische auf der Terrasse wischt Heinisch an jedem einzelnen Tag ab. Auch die Terrasse fegt sie. Zwischendrin bereitet sie das Essen vor, schneidet Zwiebeln und Gurken und belegt Brötchen.

Zu ihren Aufgaben gehört auch der Kartenverkauf. Die Dauerkarten hat Rosi Heinisch an die Holzwand des Kiosks geheftet. Manche Badegäste kaufen nur eine Tageskarte. Die Stammgäste kommen aus Weißenohe, viele andere Gäste aus Nürnberg und Erlangen oder sind Touristen.
Die Gräfenberger selbst machen nur einen kleinen Teil aus. Vor allem Jugendliche besuchen lieber das Erlebnisbad.

Fünf nackte Männer

Gelangweilt haben sich Rosi Heinisch und Hans Körber trotzdem nie. Dafür sorgen schon allein die Gäste vom 5-Seidla-Steig, die sich immer mal wieder Einlass verschaffen, ohne zuvor eine Karte gelöst zu haben.

So ist es auch wieder an Himmelfahrt, als es wie aus Eimern schüttete. "Eine Nachbarin hat mich am Telefon darüber informiert, dass fünf nackte Männer im Bad herumlaufen", sagt Heinisch. Also ist sie ins Bad gefahren und hat dort gerade noch gesehen, wie die Männer in ihre Unterhosen schlüpften und über den Zaun sprangen.
Die Männer müssen den Maschendrahtzaun aufgeschnitten haben und so ins Bad eingedrungen sein.

Weil einer der Flüchtenden aber seine Handy im Bad vergessen hatte, konnten die Eindringlinge doch noch gestellt werden.
Manche Wanderer akzeptieren kein Nein und verschaffen sich unerlaubten Zutritt. Selbst wenn Rosi Heinisch in ihrem Kiosk steht und Karten verkauft. Oder wenn sie einer Gruppe den Zutritt verweigert. Wie damals der Gruppe, die im Bad ihren Junggesellenabschied feiern wollte. "Die krochen dann auf allen Vieren um das Gelände herum. Einer stieg am anderen Ende über den Zaun und sprang in voller Montur ins Bad", erinnert sich Heinisch.
Sie hatte und hat ihre Augen überall. Früher bis 22 Uhr, in der letzten Zeit noch bis 20 Uhr.

"Es ist schade, wenn wegen einer geringen Prozentzahl an Chaoten alles negativ bewertet wird", klagt Heinisch ein wenig. Aber es gebe zum Glück ja auch viele andere Gäste. Disziplinierte. Rosi Heinisch schwärmt von den vielen schönen Jahren, die sie hier erlebt hat. "Aber man wird älter und empfindlicher", sagt sie über ihren Job, in dem gerade in den vergangenen Jahren Nerven wie Drahtseile gefordert gewesen seien.

Hoffen auf die Stadt

Zum Abschied schenkte sie ihrem Bademeister eine Weinrebe, die in einem Blumenkübel auf der Terrasse steht. Mit vier Bademeistern hat Rosi Heinisch gearbeitet, doch die vergangenen 14 Jahre mit Heinz Müller waren die schönsten.
Dem Freibad wird sie sicherlich nicht den Rücken kehren: "Ich werde mir eine Dauerkarte kaufen und Badegast werden." Heinisch hofft nun, dass die Stadt ihr Versprechen einhält und das Freibad weiterführt. Wer den Kiosk in der kommenden Saison führen wird, weiß allerdings auch sie noch nicht.