Das hätte Ramona Schwanitz beinahe aus dem Sattel geworfen: Anfang August hatte die Reitlehrerin die Kündigung auf dem Tisch.
Vier Jahre lang hat die 24-Jährige ihre Reitschule in Hausen aufgebaut. Im Reitstall Winkler hat sie eine Koppel und Boxen für ihre zwölf Pferde gepachtet. Und nun dies: Rudolf Winkler will die gesamte Anlage in einen Privatstall umwandeln.

Pferde und Kinder auf der Straße


"Ich hab mir das aufgebaut - und jetzt stehe ich mit den ganzen Kindern und Pferden auf der Straße", sagt Schwanitz. Zwischen 30 und 40 Kinder, aber auch Erwachsene kommen seit Jahren zu ihr, um den Umgang mit Pferden zu lernen. "Vor allem die Eltern der Kinder aus Hausen, Heroldsbach und Forchheim sind stinksauer über die Kündigung", sagt die Reitlehrerin.
Ihre Suche nach einer neuen Koppel und einem Stall verlief bislang erfolglos. Am 1. Oktober muss sie hier weg sein. Sie suche im ganzen Landkreis Forchheim und auch im Raum Erlangen, sagt die aus Dobenreuth stammende Schwanitz.
Mindestens 1000 Quadratmeter bräuchte sie für die Pferde. "Besser wären 3000 Quadratmeter und ein alter Bauernhof, damit die Tiere im Winter nicht draußen bleiben müssen."

Ritt zum Traumberuf


Reiten war der Traum ihrer Jugend. Weil aber ihre Eltern meinten, damit ließe sich nicht ohne weiteres Geld verdienen, lernte Ramona Schwanitz erstmal den Beruf der Hauswirtschafterin. Nach der Ausbildung ließ sie den Traum vom Reiten aber wieder aufleben; machte ihren B-Schein und darf seitdem Reitunterricht geben.
Ramona Schwanitz hat geschafft, was sich viele ersehen: Das Hobby wurde zum Beruf. Unter der Woche unterrichtet sie, an den Wochenenden ist sie häufig mit ihrem Springpferd Cheyenne bei Turnieren unterwegs. Erst vergangenes Wochenende hat sie mit ihrer 13-jährigen Stute in Poxdorf wieder einen Pokal erritten.

Beharrlich zum Erfolg


Die 24-Jährige ist ein Beispiel dafür, wie man beharrlich zum Erfolg kommt. Sie begann mit zwei Pferden. "Die Tiere, die ich kaufe, müssen keine Hochleistungspferde sein, die Abstammung ist nicht wichtig", erzählt sie. Wichtig sei, dass die Tiere "ruhig und ausgeglichen sind". Ihre Pferde tragen Namen wie Rose, Tivis, Roben oder Missi. Manche von ihnen hat sie auch aus Mitgefühl aufgenommen, etwa die Stute Girls Power, die auf einem Auge blind ist.
"Jedes Pferd kann auf seine Art etwas", freut sich die Reitlehrerin - und hofft dass sie bald einen neuen Stall für ihr geliebtes Dutzend hat. Notfalls müssten die Tiere auf einer Wiese bei Effeltrich überwintern.