Nördlich der Ruhstraße und westlich des Oberen Schulwegs will die Stadt Forchheim ein neues Baugebiet ausweisen. Auf der rund eineinhalb Hektar großen Fläche könnten 31 Häuser entstehen. Doch gegen die Bebauung der Wiesen regt sich Widerstand, sogar eine Bürgerinitiative (BI) "Zum Schutze der Reuther Hänge" wurde gegründet. Darüber kann Volker Gronauer nur den Kopf schütteln. Er gehört zu den Grundbesitzern, deren Wiesen in Bauland umgewandelt werden sollen. Und wirft den Aktivisten im infranken.de-Interview Egoismus und Verdrehung der Tatsachen vor.

Herr Gronauer, warum verstehen Sie den Widerstand gegen das Neubaugebiet nicht?
Volker Gronauer: Dass dieses Baugebiet kommen soll, ist doch nicht überraschend. Schon 1993 wurden diese Wiesen in den Flächennutzungsplan aufgenommen, 2003 wurde er rechtskräftig. Da mussten auch die Belange des Naturschutzes mit einbezogen werden, und dem wurde Rechnung getragen: Der Wald wird geschützt, dort darf nicht gebaut werden. Auch der Hunderennweg bleibt. Übrigens haben einige von denen, die jetzt das Baugebiet verhindern wollen, selbst ihre Häuser damals mitten in den Wald gestellt. Das würde heute nicht mehr genehmigt werden.

Die Gegner des Neubaugebiets befürchten ja, dass die Straßen der Belastung nicht standhalten könnten.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zu einer aufwendigen Straßensanierung auf Kosten der Anwohner kommen wird, das ist doch reine Panikmache. Die Stadt wird sicher ihr Möglichstes tun, damit es nicht dazu kommt. Ein Gutachten zur Verkehrssituation ist ja auch schon in Auftrag gegeben worden.

Was ist mit der Gefahr des steigenden Regenwassers, wenn die Fläche bebaut wird?
Es wird ja nicht nur Fläche versiegelt, sondern auch ein Regenrückhaltebecken gebaut. Das bietet mehr Sicherheit als eine Wiese, denn wenn der Boden gesättigt ist, nimmt er kein Wasser mehr auf und alles fließt nach unten. Ich gehe davon aus, dass sich durch das Neubaugebiet die Situation für die jetzigen Anwohner eher verbessern wird und dass in Zukunft weniger Keller volllaufen werden.

Als Grundbesitzer profitieren Sie ja direkt und finanziell von der Ausweisung neuer Bauplätze...
Ja, aber man darf nicht vergessen, dass die Stadt hier nach dem Forchheimer Baulandmodell vorgeht. Das bedeutet, alle Eigentümer müssen 45 Prozent ihres Landbesitzes an die Stadt abtreten. Auf dieser Fläche werden Straßen gebaut und Bauplätze geschaffen, die die Stadt dann nach bestimmten Bedürftigkeitsrichtlinien an Familien mit Kindern vergibt - und Forchheim, besonders Reuth, braucht Familien mit Kindern. Ich empfinde es als egoistisch, unter dem Deckmantel des Naturschutzes anderen das vorenthalten zu wollen, was man selbst schon hat: nämlich einen Bauplatz in Reuth.

Umgekehrt könnte man es natürlich auch egoistisch von Ihnen nennen, dass Sie Ihr Land möglichst teuer verkaufen wollen.
Ich habe wahrscheinlich schon mehr für den Naturschutz getan als all diese selbst ernannten Aktivisten. Ich habe allein 500 Meter Hecke gepflanzt, während manche Rädelsführer dieser Bürgerinitiative ihre eigenen Häuser mitten in Streuobstwiesen gebaut haben oder Land, das von Anfang an für zukünftige Straßen ins neue Baugebiet vorgesehen war, einfach ihrem eigenen Garten zugeschlagen haben.

Haben Sie keine Bedenken, dass das Baugebiet noch weiter ausgedehnt werden könnte?
Nein. An der Grenze des jetzt geplanten Baugebiets in Richtung Kennedy-Ring beginnt das Naturschutzgebiet, dort darf und wird nicht gebaut werden. Das geht so aus dem Flächennutzungsplan der Stadt hervor, und den könnte auch jeder dort einsehen.

Sie haben eine Bürgerinformationsveranstaltung zum Baugebiet gefordert. Was versprechen Sie sich davon?
Diese Veranstaltung wird es auch geben, und zwar voraussichtlich im September. Dort werden alle Kritikpunkte, die etwa die Bürgerinitiative gegen das Baugebiet vorbringt, sachlich von Experten beleuchtet. Es ist wichtig, dass die Stadt hier Unklarheiten aus dem Weg schafft, weil sonst nur noch mehr Anwohner durch die irreführende Propaganda der BI verunsichert werden.

Was meinen Sie damit genau?

Da gibt es einiges. Allein schon die Bezeichnung "Reuther Hänge"! Die Hänge sind doch längst bebaut, obwohl da teilweise ein Gefälle von 80 Prozent vorliegt. Das Gebiet, um das es jetzt geht, ist dagegen nur eine leicht geneigte Wiese mit vielleicht fünf Prozent Gefälle. Oder die Unterschriftenlisten: In Geschäften wurden hier Unterschriftenlisten gegen den Bau ausgelegt. Eine Bekannte von mir hat daraufhin die Ladenbesitzerin angesprochen, worum es denn dabei gehe. Ihre Antwort: "Die wollen den ganzen Wald bebauen!" Das ist eine gezielte Irreführung der Öffentlichkeit, was hier betrieben wird. Mein Bekannter hat der Frau dann erklärt, was tatsächlich vorgesehen ist. Sie hat daraufhin die Liste zerrissen.

Haben Sie denn mit den Rädelsführern schon einmal persönlich gesprochen?
Nein. Es wäre deren Sache gewesen, erst einmal mit uns Grundbesitzern Kontakt aufzunehmen, aber sie haben es ja vorgezogen, uns öffentlich in einem Leserbrief anzuprangern. Da möchte ich jetzt auch nicht mehr das Gespräch suchen.