Martin Haendl war verdutzt. Diesen "Rückfall in alte Debatten und Neid-Diskussionen" hatte der Leiter des Bildungsbüros nicht erwartet.
Ausgelöst wurde der Rückfall im Kreis-Ausschuss für Kultur, Bildung und Soziales durch den Tagesordnungspunkt zehn: Die Auftragsvergabe für die Notebooks am Gymnasium Fränkische Schweiz bereitete einigen Kreisräten Probleme. Der (längst beschlossene) Kauf der 100 Notebooks (inklusive Dokumentenkameras und Dockingstations) für 92 000 Euro erschien Edwin Dippacher (CSU) fragwürdig: Ob denn ein Leasing-Angebot eingehend geprüft worden sei?
Obwohl Stefan Götz (Chef für Hochbaumaßnahmen und Bauunterhalt) und Kämmerin Carmen Stumpf beteuerten, dass das Thema erörtert worden sei und der Kauf der Notebooks auch vom kommunalen Prüfungsverband empfohlen werde, weil er günstiger sei, zog sich die Leasing-Debatte durch die gesamte Sitzung. Sebastian Wiegärtner (FDP) etwa sagte: Aus eigener Erfahrung als Geschäftsmann wisse er, dass "Leasing lukrativer als kaufen ist".

Reinhold Otzelberger (SPD) warnte "gerade beim Thema Dokumentenkamera vor einem Fehlkauf". Außerdem sei "nicht präzise geklärt", wer die Kosten für Software und Systembetreuung zu tragen habe. Erhard Herrmann, Schulleiter am Gymnasium Fränkische Schweiz, erinnerte die Kreisräte daran, dass die Lehrer in Ebermannstadt ab 16. September mit den neuen Computern arbeiten müssen; und dass sie die Sommerferien nutzen wollten, "sich damit zu beschäftigen".

"Zurück in die Steinzeit?"

Notebooks "gehören zur multimedialen Ausstattung einer Schule", sagte Herrmann und fragte in die Runde, ob man denn "zurück in die Steinzeit" wolle? Im übrigen, so der Schulleiter, finanziere der Landkreis nur die Erstanschaffung. Weitere Notebook-Käufe würden, wenn die Geräte veraltet seien, "aus dem Schuletat bezahlt".
Dennoch bezweifelte JB-Kreisrat Torsten Gunselmann die "Notwendigkeit" der Notebooks. Ob das nicht "Luxus-Denken" sei, fragte Gunselmann. Bildungsbüro-Chef Haendl sagte, dass der Medieneinsatz die Schullandschaft derzeit "bahnbrechend" verändere: "Es gibt keine Kreide mehr, wir leben in einem Zeitenwechsel."

Dennoch pochte Richard Gügel (FW) erneut darauf, den Leasing-Gedanken zu verfolgen. Gerade weil die PC-Technik so kurzlebig sei, "sollten die Geräte nicht gekauft werden".
Eduard Nöth (CSU) sorgte sich um die "Tragweite" des Themas: Was, wenn nun acht weitere Schulen im Landkreis mit Notebooks bestückt werden wollten? Und wenn dann als Folge der Whiteboard-Technik auch noch Tablet-PCs für die Schüler angeschafft werden müssten? "Wir können ja keine Schule ausschließen", sagte Nöth.
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Vertagt

Auch Hans-Jürgen Nekolla und Lisa Badum sprachen sich dafür aus, das Thema zu vertagen: Der SPD-Rat, weil er die "Wartungsfrage für ungeklärt" hielt. Und die Grüne Kreisrätin, weil sie genaueres über den Energieverbrauch der Geräte wissen wollte.

So wird nun der Kreisausschuss am Donnerstag entscheiden müssen, ob die Lehrer am Gymnasium Fränkische Schweiz noch rechtzeitig an die Notebooks kommen, mit denen sie ab September unterrichten sollen.