Der Pretzfelder Pater Vijaya Raju Boddu stammt aus Indien und ist begeistert von Deutschland. Umgekehrt interessierte die Pretzfelder aber auch, wie die Menschen in Indien leben. "Bei einem Treffen der Helfer im Pfarrhof kam die Idee auf, dass wir Pater Boddu bei seinem nächsten Besuch in Indien begleiten könnten", erzählt Pfarrer Florian Stark. Gesagt, getan. So fanden sich 14 Pretzfelder, die sich auf die lange Reise von München über Dubai nach Delhi aufmachten. "In Delhi sahen wir die größte Moschee, machten eine Rikscha-Fahrt und besuchten den Ort, wo Gandhi verbrannt worden ist", berichtet Stark. Sie besuchten auch eine indische Schule. "Die war modern und die Schüler wollten von uns viel über Deutschland erfahren", sagt der Pretzfelder Pfarrer.

Extreme zu sehen

Er war von der extremen Armut der Menschen auf der Straße berührt. Andererseits gab es extremen Reichtum zu sehen. "Das ist anders als im Christentum. In Indien gibt es die Kasten, die nebeneinander leben. Bei uns ist das Mitgefühl wichtiger", meint Stark und erzählt von den heiligen Kühen, die frei auf den Straßen laufen und nicht gestört werden dürfen. "Darin sehen die Inder eine Mutter, die Milch gibt und deren Fladen getrocknet und verbrannt werden können", erklärt der Pfarrer.

Festungsanlage

Von Delhi aus ging es weiter nach Jaipur. Die Pretzfelder besuchten den Hawa Mahal, den Palast der Winde, eine Festungsanlage, und ritten auf Elefanten. "Ich hab‘ ja als Kind gern den Tiger von Eschnapur gesehen. Und so war das hier auch", verrät Florian Stark. Dann sollte es eine kurze Etappe zum Taj Mahal geben, doch eine Kaste demonstrierte und der Bus der Gruppe musste lange Umwege nehmen. "Das ist eine riesige Anlage, die uns sehr beeindruckt hat", erinnert sich Stark und erzählt, dass Großmogul Shah Jahan den Bau zu Gedenken an seine im Jahre 1631 verstorbene große Liebe Mumtaz Mahal hatte erbauen lassen. "Dann wurde er von seinem Sohn entmachtet und ins Rote Fort gesperrt. Von dort konnte er das Gebäude aber sehen", ergänzt der Pfarrer.

Flug in die Heimatstadt

Dann flog die Gruppe nach Visakhapatnam, der Heimatstadt von Pater Boddu. Sie durften sein ehemaliges Kloster, seine Ausbildungsstätte und seine Schule sehen. Außerdem lernten sie seine Familie kennen. "Alle waren so herzlich und haben für uns gekocht. Wir hatten Bonbons dabei, die wir unter den Kindern verteilt haben", erzählt Stark. In der Nähe besuchte die Gruppe einen Marienwallfahrtsort mit einem nachgebauten Lourdeshügel. Im Kloster wurde extra das Alkoholverbot für einen Abend aufgehoben, damit die Gäste ein kaltes Bier genießen konnten. Außerdem besuchten sie Chennai, das früher Madras hieß, und besuchten das Grab des Apostels Thomas. "Das war unser kirchlicher Höhepunkt", berichtet Pfarrer Florian Stark.

Unvorstellbarer Schmutz

Einer der Mitreisenden war Mike Schmitt. "Die Menschen leben dort in unvorstellbarem Schmutz", erzählt er. Beeindruckt war er jedoch von den Sehenswürdigkeiten, der Freundlichkeit der Menschen und dem guten Essen. "Ich wollte mal sehen, wie Pater Boddu früher lebte. Dieses einfache Leben hat mich fasziniert. Da fragt man sich schon: Wozu braucht man alles, was man so hat?", sagt Schmitt nachdenklich. Steffen Lipfert ist von der Vielfalt, die in Indien nebeneinander besteht, beeindruckt, aber auch von der Armut. "Wir haben da wirklich die Gnade der westlichen Geburt", meint Lipfert. Überrascht war er von einer Hochzeit und einem ersten Geburtstag eines Kindes, die im Hotel ausschweifend gefeiert wurden. Johannes Haas war fasziniert, weil es in Indien eine riesige Landwirtschaft gibt mit drei Ernten im Jahr. Allerdings erschreckte ihn, dass Düngemittel ohne Schutz ausgefahren wurden. Er und seine Ehefrau Manuela waren von der Gastfreundschaft begeistert. Manuela Haas war jedoch erschrocken über die Armut und darüber, dass kleine Kinder alleine an den Straßen herumlungern. "Ich bin froh, dass es bei uns ein Jugend- und ein Gesundheitsamt gibt", meint sie. Doch allen hat die anstrengende Studienreise gefallen und sie nahmen neue Eindrücke mit in die Fränkische Schweiz zurück.