Erwin Held, der FW-Stadtrat, ließ seine Erleichterung in eine fröhliche Geschichte münden: Er sehe bereits den Oberbürgermeister vor sich, wie er im sanierten Rathaussaal ein Fass Bier anzapfe, um die erste Ratssitzung zu eröffnen.

Quer durch die Fraktionen löste Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) am Montag Vorfreude und Erleichterung aus, als er im Bauausschuss den Tagesordnungspunkt "Bauantrag in eigener Sache" ankündigte.

Stefan Schelter, der Chef des Bauordnungsamtes, überraschte vor allem mit diesem Hinweis: Nach Abschluss der Brandschutzplanung stehe nun ein weiterer Versammlungsraum zur Verfügung.

Denn in den ehemaligen Rathaushallen, wo derzeit noch immer die Archäologen graben, entsteht Raum für rund 250 Besucher. Künftig werde es also zwei große Veranstaltungsräume geben; den Großen Rathaussaal und die Rathaushallen - insgesamt also Platz für 600 Besucher. "Das ist ein echter Mehrwert für das Gebäude", freute sich Stefan Schelter.

Parallele Nutzung möglich

"Flapsig ausgedrückt, wird man zwar nicht zwei Rockkonzerte gleichzeitig im Rathausveranstalten können", sagte OB Kirschstein; aber bauphysikalisch würden die Räume so abgedichtet, dass eine "parallele Nutzung möglich sein wird".

Mathilde Hartmann (CSU) feierte den zweiten Veranstaltungsraum als "großen Schritt" in Richtung "gelebte Kultur" in Forchheim. Dadurch, sagte Reiner Büttner (SPD) werde das Rathaus endgültig der Bezeichnung "Haus der Begegnung" gerecht. "Sehr durchdacht", urteilte Erwin Held (FW): "Eine ganz tolle Geschichte, ich freue mich auf die erste Sitzung."

Mit diesen Äußerungen vom Montag scheint der Streit um die Rathaussanierung endgültig beendet. Die Querelen reichten bis in das Jahr 2016 zurück. Sondersitzungen, ein Untersuchungsreport und der Ausstieg des Architekten hatten zwischendurch die Befürchtung geweckt, das Sanierungsprojekt könnte in einem finanziellen Desaster enden.

Doch im Oktober vergangenen Jahres war dem zunehmend unter Beschuss geratenen Oberbürgermeister dann der Durchbruch gelungen. Hatte ihm der Stadtrat im September noch das Okay für den Bauentwurf verweigert, weil die Kostenberechnung fehlte, beschlossen die Räte dann endlich die Sanierung, da feststand: Die Erneuerung des Rathauses wird 17,5 Millionen Euro kosten.

Was die Entscheidung letztlich leichter gemacht hatte: Projektleiterin Claudia Stumpf vom städtischen Bauamt stellte in Aussicht, dass rund 85 Prozent der Sanierungskosten bezuschusst würden. Folglich bleibt der Stadt ein überschaubarer Eigenanteil von rund 2,6 Millionen Euro. Die größten Fördergeld-Geber werden die Bundesregierung (7,75 Millionen Euro) und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (4,17 Millionen Euro) sein.

Rätsel: Wo ist das Fundament?

Auch die sich noch immer hinziehenden archäologischen Grabungen in den Rathaushallen scheinen ein Problem zu sein. OB Kirschstein sagte dem skeptisch nachfragenden Sebastian Körber (FDP): Weder zeitlich noch finanziell brächten die Grabungen einen Verzug. Allerdings geben die Grabungen ein Rätsel auf, betonte Bau-Experte Stefan Schelter. Obwohl die Grabenden bereits 1,5 Meter unter dem Boden der Rathaushallen angelangt sind, "haben sie noch immer kein Fundament gefunden". Noch sei völlig unklar, "warum das Rathaus so extrem tief fundamentiert ist", rätselte Schelter.