Wer immer noch nicht daran glaubt, dass das Rathaus ins Pfarrhaus kommt, wird nun eines Besseren belehrt. Per Handschlag besiegelten Pfarrer Pater Ludwig Mazur und Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) vor dem Pfarrhaus den zuvor notariell vollzogenen Eigentümerwechsel. Zimmermann ist damit in Vertretung des Marktes neuer Hausherr des Pfarrhauses.

Die Katholische Pfarrpfründestiftung Gößweinstein und die Katholische Kirchenstiftung Gößweinstein haben mit der stiftungsaufsichtlichen Genehmigung durch das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg das denkmalgeschützte historische Pfarrhaus und den sich daran anschließenden Pfarrgarten durch einen Erbbaurechtsvertrag vollständig in das Eigentum der Marktgemeinde Gößweinstein überführt. Das Erbbaurecht ist auf die Dauer von 60 Jahren bestellt, gerechnet vom 1. Februar 2020 an. Dem "Erbbauberechtigten", also dem Markt Gößweinstein, wird vertragsgemäß eine Option auf Verlängerung um weitere 60 Jahre eingeräumt. Diese Option kann mehrmals ausgeübt werden.

Das Erbbaurecht wurde mit der Zweckbestimmung bestellt, das historische Pfarrhaus Gößweinstein zum künftigen Rathaus der Marktgemeinde Gößweinstein umzuwidmen. Da das bestehende Dachgeschoss des Pfarrhauses aus denkmalpflegerischen Gründen ungenutzt als Baudenkmal erhalten bleiben muss, bedarf es im südlichen Gartenbereich des Erbbaugrundstücks eines Erweiterungsbaus.

Die angenommenen Kosten für die Sanierung und Umnutzung des bestehenden Pfarrhauses zum Rathaus liegen bei insgesamt 5 520 000 Euro. Finanziert werden soll das Ganze mit rund 2,6 Millionen Euro aus Städtebaufördermitteln und etwa 20 000 Euro Zuschuss aus dem Denkmalschutz. Der Markt Gößweinstein selbst muss rund 2 Millionen Euro und die Kirchenstiftung 926 225 Euro für den Umbau und die Sanierung des Pfarrhauses beisteuern. Eventuelle Mehr- beziehungsweise Überhangkosten müssen laut Vertrag die Marktgemeinde und die Kirchenstiftung im Verhältnis 75 zu 25 Prozent tragen.

Die Kosten für den Neubau eines bedarfsgerechten Erweiterungsbaus Richtung Pfarrgarten sind mit 2 Millionen Euro geschätzt. Dafür werden rund 1,3 Millionen Euro an Städtebaufördermitteln erwartet und der Markt Gößweinstein muss die restlichen rund 730 000 Euro tragen. In der Kostenprognose von 7,5 Millionen Euro ist der Umbau des Pfarrhauses zum Rathaus, die Verlagerung des Rathauses ins Pfarrhaus inklusive Tourismusbüro, die Sanierung der öffentlichen Toilettenanlage sowie die Nutzung mit Öffnung des Pfarrgartens beinhaltet. Ebenso die Kosten für die Sanierung der Räumlichkeiten, welche von der Kirchenstiftung Gößweinstein zukünftig genutzt werden, weil das Pfarrbüro behindertengerecht ins Erdgeschoss umzieht.

Mit der Umsetzung der vorgestellten Planung gelingt es dem Markt Gößweinstein auch, einen Leerstand im Ortskern zu aktivieren. Für den Markt Gößweinstein besteht somit eine historische Chance.

"Da nicht nur moderne Räumlichkeiten für die Verwaltung geschaffen werden, sondern auch der Ortskern aufgewertet wird und auch das Tourismusbüro zentral positioniert werden kann", freut sich Bürgermeister Zimmermann.

Noch in diesem Jahr wird ein Architektenwettbewerb durchgeführt, damit im nächsten Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.