"Das sind Menschen, die froh sind, dass sie wieder ein Dach über dem Kopf haben", sagte Uwe Koschick. Er ist einer von zwei einer von zwei neuen Betreiber des Gasthauses Schneider in Pautzfeld. Koschik sagt dies über jene Asylbewerber, die seit einigen Tagen über der ehemaligen Gaststätte wohnen.
In den Frühstücksraum kamen derart viele interessierte Pautzfelder, dass immer mehr Stühle in den Raum geschafft wurden. Für den Hallerndorfer Bürgermeister Torsten Gunselmann (FWG) steht der humanitäre Aspekt im Vordergrund: "Das Recht auf Asyl ist ein altes Menschheitsrecht."

Historische Einordnung

Gunselmann erinnerte auch daran, dass ein Land am Ende immer von seinen Einwanderern profitiere. Koschick bestätigte das und fragte, was wohl aus Forchheim geworden wäre, wenn sich die Heimatvertriebenen damals nicht angesiedelt, und Firmen wie Soldan, Piasten und Wasner gegründet hätten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden rund zwölf Millionen Flüchtlinge in Deutschland eine neue Heimat. Und das unter wesentlich schlechteren Verhältnissen. Diesen historischen Vergleich zog der Integrationsbeauftragte der Stadt Forchheim, Hans Werner Eisen. Josef Kalb ist als neben seinem Job als Hausmeister auch als Ansprechpartner für die Asylbewerber gefragr. Er ist begeistert davon, dass die Asylbewerber "überall mit anpacken, wenn sie sehen, dass sie irgendwo helfen können". Er bot den Pautzfeldern an: "Ruft mich an, wenn es irgendwo brennt!"

Haftpflicht vorhanden

Heike Fuchs von der Caritas kümmert sich als Betreuerin um die Belange der Menschen. Doch die Betreuung funktioniere nur dann, wenn zusätzliche ehrenamtliche Arbeit vor Ort geleistet werde.

Die Frage nach dem Versicherungsstatus der Ehrenamtlichen beantwortete Werner Lorenz von der Caritas mit einem rechtlichen Hinweis: Menschen seien in der Ausübung ihre Ehrenamts grundsätzlich haftpflichtversichert. Die Menschen aus dem Kosovo, Albanien, Äthiopien oder aus Syrien, die jetzt in Pautzfeld eine Unterkunft gefunden haben, dürfen gemeinnützige Tätigkeiten übernehmen: " Da haben wir eine weitaus größere Nachfrage als Stellen", berichtete Bernhard Rettig, Fachbereichsleiter im Forchheimer Landratsamt.
Die Menschen seien motiviert, wollten helfen und sich einbringen. Er berichtete, dass der Landkreis bisher fast 500 Flüchtlinge in Forchheim und den Hauptorten der Gemeinde untergebracht habe. Bei der Auswahl der Orte habe man vor allen Dingen darauf geachtet, dass die Menschen einen Supermarkt, einen Arzt und eine Apotheke zu Fuß erreichen können.

Auch dass der Ort gut an den Nahverkehr angebunden ist, sei wichtig. Im Moment kämen jede Woche neue 15 Menschen, die untergebracht werden müssen.
Die Kinder, die jetzt in Pautzfeld wohnen und noch kein Wort Deutsch können, sollen trotzdem Schule und Kindergarten besuchen. Das wünscht sich Bürgermeister Gunselmann.
Der Rektor der Hallerndorfer Schule, Rudolf Distler, hat in diesem Zusammenhang bereits Erfahrung gemacht: Zu Beginn des Schuljahres sind zwei Jungen in die Schule gekommen, die kein Deutsch sprachen. Doch ihre Mitschüler hätten sich schnell um die beiden gekümmert: "Wir schaffen das, diese Kinder bei uns aufzunehmen", ist sich Distler sicher.

Zum Abschluss wünschte sich Gunselmann, dass sich ein Stammtisch etabliert, bei dem man einmal in der Woche miteinander ins Gespräch kommt. Am Sonntag, 2. Februar, können alle Interessierten ab 15 Uhr im Gasthof Schneider treffen. Kuchen sollten sie wenn möglich mitbringen, den Kaffee stellt Uwe Koschik.