"Deutschland kann jeder", sagt Katharina Brütting aus Obertrubach. Und so keck der Satz auch sein mag, weiß Katharina wovon sie spricht. Zwei Monate hat die 21-Jährige, die in Bamberg im fünften Semester Pädagogik studiert, unlängst in dem afrikanischen Land Tansania verbracht. Sie erlebte in dieser Zeit Afrika in vielen Dingen anders, als es die gängigen Klischees oft vermitteln. Zurück in Deutschland, steht Katharina immer noch unter dem Eindruck der Erlebnisse und Erfahrungen, die sie in Tansania gemacht hat.

"Ich wollte ins Ausland. Ich wollte ein anderes Leben, andere Kulturen kennenlernen", erläutert Katharina ihre Beweggründe für ihr Praktikum in Tansania.
Über ihre Freundin Jana Wagner, die in Rehdorf bei Nürnberg lebt, hat sie Kontakt mit einer Pfarrei in Fürth aufgenommen. Diese pflegt eine Patenschaft mit einem Dekanat in Siha. Das liegt in Tansania, irgendwo zwischen Arusha und Moshi, unweit der kenianischen Grenze.

Schon beim ersten Mal, als Katharina mit Pastor Munisi in Kontakt getreten ist, hat der sie nach Tansania eingeladen. Dann kamen in Katharina aber doch nochmals Zweifel auf: Soll ich reisen? Oder lieber doch nicht?
Ihre Freundin Jana war schließlich mit im Boot, als sie und Katharina sich schließlich im Februar doch einen Ruck gaben, kurz entschlossen den Flug buchten, um dann im August in ihr großes Abenteuer zu starten. Die Formalitäten am Airport Kilimandscharo bei Moshi, brachten sie ohne Probleme hinter sich. Das Visum gab es bei der Einreise. Katharina und Jana waren auf dem schwarzen Kontinent angekommen.

Mörderischer Fahrstil


Hilfe suchend blickten sie sich spät um 20.40 Uhr um. Ein Taxifahrer bot seine Dienste an, da beugte sich doch plötzlich ein Mann zu ihnen herüber. Erleichtert registrierten sie ihn- es war der "Head teacher" Ednant, Schulleiter ihrer künftigen Schule.

Eine Büroangestellte und zwei Kinder durften mitkommen, es gab große Blumensträuße zum Empfang. Die freundliche Art beeindruckten Katharina und Jana sofort. Schnell saßen sie im Auto und waren auf dem Weg zu ihrem künftigen Quartier. Gleichzeitig erschraken die beiden Mädchen darüber, dass sie so einfach zu fremden Menschen ins Auto gestiegen sind. Die offene, herzliche Art ihrer Gastgeber ließ ihre Bedenken schnell verfliegen.

Beängstigend waren schon eher der mörderische Fahrstil auf schlechten Straßen, das grundsätzliche Fahren mit Fernlicht und das Blenden bei Gegenverkehr. In der Schule hatte die Köchin für die beiden Gäste aus Deutschland noch eine Art Gulasch mit Hähnchen und Reis vorbereitet.
Zwei Kilometer entfernt fanden Katharina und Jana in einem einfachen Ferienhäuschen ihre Bleibe für die kommenden zwei Monate. Anfangs wurden die beiden Studentinnen zur Schule abgeholt, kurze Zeit später gingen sie die zwei Kilometer auf dem Feldweg durchs Land zu Fuß. In der Regenzeit - sie findet in Tansania zwischen März und Juni statt - wäre es im lehmigen und nicht einfachen Gelände schwieriger gewesen. Unterwegs gesellten sich immer wieder freundliche Schulkinder zu ihnen. Die Kinder waren immer zu einem Spaß aufgelegt. "Ich habe mich nie in Gefahr gefühlt, jeder grüßte laut und freundlich", erzählt Katharina.Alle hätten sich als Brüder und Schwestern bezeichnet. "Wie eine große Familie. Das fand ich wunderschön", schwärmt Katharina. Dazu passt, dass Pastor Munisi immer wieder betonte habe, wie friedlich das Land doch sei.
Auf dem Markt bezeichneten die Einheimischen die beiden Mädchen aus Franken als "Mzungu". Das bedeutet "Weiße". Katharina hat das ein wenig geschmerzt: "Das fand ich nicht cool. Wir wollten doch einfach dazugehören."

Schläge mit dem "wooden stick"


In der Schule für Waisenkinder wurden Katharina und Jana dann ins kalte Wasser geschmissen. Hier war das Mathematikbuch und los ging es. Jana und Katharina unterrichteten eine dritte und eine vierte Klasse.
Die englische Sprache ist in der "English Primary School" obligatorisch. "Sie stehen auf, wenn sie etwas sagen, erarbeiten viele Ergebnisse gemeinsam. Das hat mir imponiert", fasst Katharina ihre Erfahrungen mit den Schülern begeistert zusammen.
Die Kinder durften auch ein paar Brocken Deutsch lernen und schafften dies in "verblüffend kurzer Zeit". "Ich mich dafür mit Kiswahili revanchiert", lacht Katharina. Nicht gefallen hat ihr das übliche Bestrafen mit dem "wooden stick". Sie versuchte, wo es ging, dies abzustellen. Nachdenklich wurde sie auch angesichts der Umstände, in denen die Kinder leben.
Manche, so Katharina, konnten sich keine "Exercise books" für fünf Cent leisten, was wieder in der Schule nicht akzeptiert wurde. Aber woher nehmen? Der Schulbus bedient nur lange Entfernungen. Fußwege von fünf Kilometern sind durchaus üblich. Viele Waisenkinder leben ganz bescheiden bei den Großeltern. Sterben die weg, wird es ganz schwierig. Auf der anderen Seite: "Selbst die, die nichts haben, wollten uns noch etwas geben", staunt Katharina noch immer. Die Menschen in Tansania leben oft in Lehmhütten, ohne Strom und Wasser.

Nagende Zweifel


"Aber die Menschen dort sind so glücklich mit dem wenigen was sie haben. Diese Lebensweise hat mich zum Nachdenken gebracht und tief beeindruckt", sagte Katharina heute.
Dabei nagt in ihr immer noch das Gefühl, ihre kleinen Freunde ohne Perspektive zurück gelassen zu haben: "Die Kinder weinten und wir auch." Katharina hat ihr Herz an die Menschen in Tansania verloren.