Auf, zu. Nochmal auf. Ein Knirps im Spiderman-T-Shirt spielt mit der Tür. Batsch. Lieber doch nicht zu lange schauen. Und überhaupt: "Was machen all die fremden Menschen da vor meinem neuen Zuhause?" Das dürfte sich der Junge gedacht haben, als Sabine Schulenburg und Alexander Dworschak von der Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft in Forchheim (GWS), Detlev Behrens von "Pack mer's" und Bernhard Rettig vom Sozialamt die neuste Unterkunft für Asylbewerber in Forchheim vorstellten.

Zwei Jahre sind vergangen, bis das 77-Quadratmeter-Haus mit seiner orangefarbenen Fassade endlich wieder einen Zweck erfüllen kann. Wo einst Bügelmaschinen gedampft und Waschmaschinen getrommelt haben, erfinden heute zwei Geschwister Geschichten von Puppen und Helden. Wer die Räumlichkeiten des Ökowaschhauses kannte, würde sich wundern, wie sich Geschäftsräume in ein Zuhause verwandelt haben.

In sicheren vier Wänden leben

Obwohl sich in den letzten vier Wochen optisch einiges getan hat, ein Gedanke bleibt erhalten: Wieder sollen sich Menschen in Not und Sorge in diesen vier Wänden sicherer fühlen. In einer 20.000 Euro teuren Hau-Ruck-Aktion wurden Bad mit Dusche, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Küche, Böden - alles, was eben dringend notwendig war - wohnfertig hergerichtet.

Das Haus ist von der GWS unbefristet an das Landratsamt Forchheim vermietet. Draußen steht man vor einem schnuckeligen Heim, aber GWS-Geschäftsführer Dworschak betont: "Wir nehmen hier keinem Forchheimer Wohnraum weg." Von einigen Forchheimern habe er gehört, dass sie hier glatt einziehen würden. Doch dann wären noch viel mehr Baumaßnahmen nötig, um die deutschen Wohnauflagen zu erfüllen.

Familie mit zwei Kindern

Bezogen wurde das Haus jetzt von einer Familie, die vor einem Bürgerkrieg, dem Grenzkonflikt zwischen Äthiopien und Eritrea, geflohen ist. Ein Junge im Vorschulalter, eine Tochter, die in die Grundschule geht - über ein halbes Jahr haben die beiden sich mit ihrer Mutter, und zum Schluss sogar zu viert mit Papa, ein Zimmer in der Asylunterkunft in der Bamberger Straße 18 teilen müssen. "Das Zimmer war direkt neben dem Aufenthaltsraum", sagt Bernhard Rettig vom Sozialamt, "und ein Schulkind braucht vor allem seinen Schlaf." Jetzt hat die Familie einen eigenen Briefkasten mit Namensschild. Und eine eigene Klingel. Diese wird gleich mal von den fremden Menschen vor der Tür genutzt, schließlich interessiert alle Beteiligten, wie es aussieht, seit Detlev Behrens mit "Pack mer's" und vielen Möbeln dafür gesorgt hat, dass Steckdosen hinter dem Sofa und Stromkästen in der Wohnzimmervitrine verschwinden. Mit Joghurt in den Mundwinkeln spitzt der Junge heraus. Im Hintergrund läuft Musik.

Blöd, dass ihm jetzt keiner auf italienisch erklären kann, warum alle sein neues Zimmer sehen wollen und der Mann mit dem goldenen Ohrring sogar seine Schublade voller Spiele aufzieht. "Vom Kleiderschrank bis zum Kaffeelöffel bringen wir alles. So, dass sich die Familie ein richtiges Zuhause schaffen kann", sagt Behrens. Wohnen bedeutet für ihn auch, sich unbeobachtet zu fühlen. Deshalb dürfen die Gardinen an den Fenstern nicht fehlen. Einen sicheren Platz hat der Junge schon gefunden. Geschwind flitzt er in die Küche, verkrümelt sich auf die Eckbank und mampft nach dem Joghurt noch ein Stück frisch gebackenen Zebrakuchen.