Rund 2000 Katholiken aus Neunkirchen am Brand (Landkreis Forchheim) und den umliegenden Dörfern nahmen trotz niedriger Temperaturen an der seit dem Jahre 1668 überlieferten Bilderprozession am Karfreitag teil, bei der an das Leiden und Sterben Jesu Christi erinnert wird.
Von den einst 95 Statuen, Bildern und Darstellungen mit lebenden Gruppen sind bis heute noch zehn von schnitzkundigen Handwerksmeistern geschaffene Figuren geblieben, die von Männern und Burschen aus den Orten der Pfarrgemeinde durch die Straßen Neunkirchens getragen werden.
Dabei machen immer traditionell die Ministranten mit den am Kreuz getragenen Marterwerkzeugen Jesu den Anfang, gefolgt von den Ebersbachern mit der Figur "Einsetzung des Altarsakraments" und den Männern aus dem Ortsteil Baad mit ihrer Darstellung "Jesus am Ölberg", während die Rosenbacher "Jesus an der Geißelsäule" und die Großenbucher die Darstellung "Jesus mit Dornen gekrönt" mit sich führen.
Die Kleinsendelbacher gedenken mit der Statue "Christus verhöhnt" und zum Schluss die Zimmerleute mit dem hohen Kreuz "Christus ist für am Kreuz gestorben" des Leidenswegs des Herrn, bevor Dekan Peter Brandl mit dem kostbaren Reliquienkreuz samt Splitter vom Kreuz Jesu, eingerahmt von Ruhestandspfarrer Veit Dennert und Kaplan Solomon Sahyaraj den Mittelpunkt der Karfreitagsprozession bildet.
Der Kolpingsfamilie mit der gotischen Pieta "Jesus im Schoß seiner Mutter" schließt sich das Heilige Grab "Christus wird ins Grab gelegt" an, das seit 1999 auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Schmitt von den Feuerwehren getragen wird. Beteiligten sich zunächst noch die Männer aus den Wehren in Großenbuch, Neunkirchen, Rödlas und Rosenbach, bleibt es seit elf Jahren der Neunkirchner Wehr um ihren Vorsitzenden Franz Erber vorbehalten, mit sechs Aktiven plus zwei Ersatzleuten die 200 Kilogramm schwere Darstellung der Grablegung durch den historischen Markt zu tragen; geschehen soll das, ohne die Träger zu wechseln.
Gleichzeitig ist ein anderer zwölf Mann starker Trupp damit beschäftigt, unter der Leitung von Kommandant Robert Landwehr an den acht vorher festgelegten Positionen die Straßen zu sperren, während die Prozession vorbeizieht. Wie der seit 17 Jahren an der Spitze der 50 Männer und Frauen zählenden Feuerwehr im Hauptort stehende Landwehr bei dieser Gelegenheit verriet, waren die Absperrungen bei den Prozessionen bis 1998 eine Aufgabe der Polizei.

Der Weg wurde frei

"Erst durch eine Gesetzesänderung wurde es den Feuerwehren möglich, in ihren Orten selbst diese Aufgaben zu übernehmen. Gerade in unserem schweren Feuerwehrdienst werden wir immer wieder mit Grenzsituationen konfrontiert, wo es um Leben oder Tod geht, müssen bei Bränden und Unfällen oft genug tote Opfer bergen." Da habe man als Feuerwehrmann "einen besonderen Draht zum lieben Gott", so der 40-jährige Landwehr weiter.
Deshalb habe die Feuerwehr auch damals gleich zugestimmt, sich an den Karfreitagsprozessionen zu beteiligen, an deren Ende stets die Jugendlichen mit der gotischen Figur "Christus auferstanden von den Toten" steht. Musikalisch umrahmt wird die Kreuzwegandacht traditionell von der örtlichen Jugend- und Trachtenkapelle.