Von dem "schillernden Lokalpatrioten" Konrad II. von Schlüsselberg, dem namhaftesten Bewohner der Burg Neideck, ist in der Fränkischen Schweiz nur wenig bekannt. Dabei war gerade er es, der diese Region aufgewertet und vorangebracht hat.

Ohne ihn hätten Ebermannstadt, Waischenfeld und Schlüsselfeld keinen Stadt-Status. Sein Heimatsitz war die Burg Neideck, auf der Konrad II einen tragischen Tod fand. Das jährt sich am 14. September zum 670. Mal. Horst Zimmerhackl, Geschäftsführer der Monumenta Germaniae Historica (MGH), wurde bei Recherchen über Konrads zweite Ehefrau Agnes darauf aufmerksam und gibt im Interview dazu Auskünfte. Die MGH ist eine wissenschaftlich bearbeitete Editionsreihe historischer Dokumente zur deutschen Geschichte des Mittelalters.

Wie würden Sie Konrad II beschreiben?
Er war ein fränkischer Adeliger. Ob er am Hof in Wien erzogen wurde und dort auch schon den späteren Kaiser Ludwig den Bayern kennen lernte, ist fraglich. Konrad II. war ein Haudegen, der keine Auseinandersetzung scheute, wie sich schon früh bei einem Konflikt mit dem Bischof von Bamberg zeigte. Und er war der Berater des König Ludwigs von Bayern und sein Heerführer. Gegen Friedrich den Schönen hat er in der Schlacht bei Gammelsdorf den Sieg errungen und somit letztendlich Ludwig die Kaiserkrönung ermöglicht. Konrad II. hat Kriege geführt und gewonnen. Als Dank hat er die Stadtrechte für Waischenfeld und Ebermannstadt bekommen.

Hat dieses ungetrübte Vertrauensverhältnis bis Konrads Tod bestanden?
Bis König Ludwig nach Rom gezogen war, um dort zum Kaiser gekrönt zu werden. Damit drehte sich das Blatt für Konrad II. Zu Hause war Konrad II. der Reichsbannerträger des Königs. Das Amt übertrug König Ludwig an Castruccio Castracani, dem Herzog von Lucca. Darüber war Konrad nicht glücklich. Zudem schlossen die Wittelsbacher den Hausvertrag von Pavia. Der Hausvertrag legte die Erbfolge des Hauses Wittelsbach fest. Außerdem wurde geregelt, dass die Oberpfalz an die Pfälzer Linie fällt. Das missfiel Konrad, denn Eschenbach und Thurndorf waren vorher ihm versprochen worden. Deshalb reiste Konrad II wütend aus Pavia ab.

Hat sich Konrad II. von Schlüsselberg diese Behandlung kommentarlos gefallen lassen?
Die Beziehung ist deutlich kühler geworden. Konrad hat Markgröningen zwar schon Jahre zuvor bekommen, es aber nie in Besitz genommen. Erst in Rom hat er sich das bestätigen lassen und nennt sich danach das erste und einzige Mal in einer Urkunde Konrad von Schlüsselberg zu Gruningen. Er hat Markgröningen dann aber an den Onkel seiner zweiten Ehefrau Agnes von Württemberg verkauft. Nach der Hochzeit mit ihr hat er sich auf das fränkische Terrain beschränkt, ist nie weggegangen, hat die Region weiterentwickelt und für das Dorf Thüngfeld ebenfalls die Stadtrechte bekommen und gab ihm den Namen Schlüsselfeld. Konrad hat seinen Namen der Stadt gegeben. Er wollte sich darin verewigen.

Wie ist Konrad II. überhaupt zur Burg Neideck gekommen?
Die Burg Neideck hatte der Familie gehört. Von seiner Kusine hat er dann die Hälfte der Burg abgekauft. 1312 gehörte ihm die Burg alleine. Dort hat er gelebt. Konrad war zwei Mal verheiratet. Seine erste Ehefrau Lukardis verstarb 1326. Zwischen 1331 und 1336 hat er Agnes von Württemberg geheiratet. Sie war Witwe, aber 30 Jahre jünger als Konrad. Es fand eine Doppelhochzeit statt, denn Konrads Tochter heiratete den Sohn von Agnes aus deren ersten Ehe. Als Edelmann reiste er in seinem Herrschaftsgebiet viel herum. Die Burg Neideck war aber sein Stammsitz.

Warum und wie kam er dort zu Tode?
Zum einen war es die Machtposition, die Konrad erreicht hatte. Außerdem waren die Erbverhältnisse ungeklärt, weil Konrad nur weibliche Nachkommen hatte. Es wurde nun ein Vorwand gesucht, Konrad zu bekämpfen. Zugleich schwand die Macht des Kaisers Ludwig des Bayern. Seine Gegner wählten den späteren Kaiser Karl IV. zum Gegenkönig. Auf dessen Seite schlugen sich der Bamberger und Würzburger Bischof und der Nürnberger Burggraf, die schon 1344 Streit anfachten. Als Auslöser des Konfliktes sollte die Maut dienen, die Konrad in Streitberg an der Geleitstraße von Baiersdorf nach Hollfeld erheben wollte. Im Sommer 1347 zog die Allianz der Bischöfe von Bamberg und Würzburg und der Burggraf von Nürnberg gegen Konrad. Auf seinem Stammsitz, der Burg Neideck, wurde er zurückgedrängt und mit Wurfgeschossen gezielt angegriffen. Er saß wie in einer Mausefalle. Man wollte ihn vernichten, um das Erbe zu bekommen. Konrad II. ist am späten Nachmittag des 14. September gestorben, der Besitz wurde aufgeteilt. Seine Kinder hatten zwar später noch geklagt, aber nichts von dem Erbe bekommen. Es war ein tragisches Ende für einen Adeligen, der die Region aufgebaut hatte. Kaiser Ludwig der Bayer hätte ihm nicht helfen können.

Das Interview führte Petra Malbrich.