Nach nicht einmal zwei Minuten tropfen schon die ersten Schweißperlen von der Stirn. Dabei sind die ersten Übungen in Form von Kniebeugen und Ausfallschritten nichts Außergewöhnliches. Als regelmäßig Sporttreibender sollte ich beim Elektro-Myo-Stimulationstraining keine Probleme haben - dachte ich.

Doch wer einmal mit der elektrischen Muskelstimulation (EMS) trainiert, wird feststellen, dass die Wirkung mit dem Reizstrom eine ganz andere ist als beim herkömmlichen Krafttraining.


Training dauert nur 20 Minuten


Gerade einmal zwanzig Minuten dauert eine Einheit. Alles was darüber hinaus geht, habe keinen Sinn, erklärt Taner Karabulut, Inhaber von Toni's Microstudio. "Der zeitliche Vorteil ist schon enorm.” Es ist ein ideales Angebot für all jene, die kaum Zeit haben und trotzdem Sport machen wollen. Ein- bis zweimal pro Woche seien völlig ausreichend. "Eine Einheit hat einen Effekt wie 90 Minuten normales Krafttraining”, erklärt Karabulut. Zudem steht das Training immer unter der professionellen Anleitung eines Trainers.

Während ich in gebeugter Haltung auf den nächsten Schub Reizstrom warte, ermahnt mich Karabulut: "Atmen nicht vergessen!” Zeitgleich heißt es schon wieder anspannen, denn für die nächsten vier Sekunden fließt Strom. Mittlerweile sind die Arme dran. Mit einer ein Kilogramm schweren Stange trainiere ich den Bizeps. Gefühlt wiegt die Stange eher um die 30 Kilogramm. Der Effekt mit dem Reizstrom ist deutlich zu spüren.


Selbstständigkeit als Ziel


Die Vorteile des EMS-Trainings will Karabulut nutzen, um Menschen in sozialen Einrichtungen den Alltag zu erleichtern.

"Das große Ziel ist es, dass die Leute ihren Tagesablauf wieder relativ selbstständig bewältigen können”, führt der Fitnesstrainer aus. Im Alter erschlaffen die Muskeln und der Bewegungsapparat funktioniert nicht mehr so wie früher. Mit dem EMS-Training könne die Muskulatur gestärkt und erhalten werden. "Die Muskulatur ist ja vorhanden, sie muss nur aktiviert werden.” Ein besonderes Augenmerk will Karabulut bei seinen älteren Kunden auf die Beinmuskulatur legen. "Auch um einer möglichen Sturzgefahr vorbeugen zu können.”

Der zeitliche Faktor spielt bei Karabuluts Idee ebenfalls eine Rolle. "Ein Pflegepatient muss zwei- bis dreimal pro Tag mobilisiert werden”, erklärt der Forchheimer. Wenn jemand sieben Mal in der Woche für zehn bis zwanzig Minuten mobilisiert werden muss, gehe viel Zeit verloren. Wenn der gewünschte Effekt eintritt, könnte es möglich sein, dass alle drei Tage intensiver Reizstrom ausreichen.


Universität Erlangen als Partner


Vollends ausgereift ist die Idee allerdings noch nicht. Tatkräftige Unterstützung erhält der Fitnesstrainer vom Medical-Valley-Center in Forchheim. Die Einrichtung stellt ihm nicht nur für drei Monate kostenlos ein Büro zur Verfügung, sondern hilft Karabulut dabei, Partner zu finden, um seine Idee weiterzuentwickeln. Einer dieser Partner ist die Universität Erlangen. "Sie helfen mir dabei, einen Verfahrensablauf zu gestalten, der anschließend in einer Einrichtung getestet werden muss.” Es ist ein langwieriger Prozess, bis aus einer Idee ein marktreifes Produkt wird. Das weiß auch Karabulut. "Zwei Jahre halte ich für einen realistischen Zeitraum”, sagt er. Bis dahin gebe es aber noch viel zu tun.

Ganz so lange hat mein Training nicht gedauert. Nach knapp 15 Minuten ist die Einheit auch schon beendet. Der prognostizierte Muskelkater blieb mir auch zwei Tage danach glücklicherweise erspart.