Von außen ist das Haus eher unscheinbar: Ruhige Wohngegend in einer schmalen Straße. Im Vorbeilaufen würde man nicht merken, was hinter der herkömmlichen Fassade von Hausnummer 12a steckt.

Über drei Etagen erstreckt sich mittlerweile das Familienunternehmen von Armin Hanika, der dort Konzertgitarren baut. Die Firma besteht seit ihrer Gründung am selben Standort in Baiersdorf. "Zuerst wurde im Erdgeschoss gearbeitet und im Obergeschoss gelebt", erzählt Marion Hanika. Das war zu Beginn des Lebens in Deutschland.

Die Vorfahren der Hanikas stammen aus dem Sudetenland und wurden von dort vertrieben. 1946 siedelt sich die Familie Hanika in Baiersdorf an. Armin Hanikas Vater, Helmut Hanika, erlernte von seinem Großvater den Geigenbau. Die Produkte verkauften sie besonders an die amerikanischen Soldaten. Durch die neuen Einflüsse der Besatzer entwickelte sich eine neue Musikrichtung, die von der Gitarre geprägt war. So stellte Helmut Hanika dann von Geigenbau auf Gitarrenbau um und begann mit dem Verkauf von Gitarren.

2200 Gitarren pro Jahr

Das Geschäft vergrößerte sich immer weiter und der Ruf der Hanika-Gitarren war weltweit anerkannt. 1980 stieg Armin Hanika ein und machte Ausbildung und Meisterprüfung im Zupfinstrumentemacher-Handwerk. Er übernahm den Familienbetrieb und entwickelte ihn weiter. 2200 Gitarren produziert das Unternehmen pro Jahr im ehemaligen Wohnhaus, das komplett zur Manufaktur umgebaut wurde. Die Maschinen wurden von Helmut Hanika teilweise selbst gebaut und sind bis heute im Einsatz. Pro Gitarre sind zwischen sechs und 60 Arbeitsstunden nötig, um mit einer Mischung aus Handarbeit und Technik die 220 Arbeitsschritte bis zur fertigen Hankia Gitarre zu bearbeiten. "Wir versuchen das Beste aus beiden Welten zu vereinen", sagt Hanika zu seinen Arbeitsweisen.

Bei den verwendeten Materialien hat sich in den letzen Jahren gezwungener Maßen ein Wandel ergeben müssen. Klassischerweise werden für den Bau von Gitarren Tropenhölzer verwendet. Diese werden aber immer schwerer zu beschaffen, sagt Armin Hanika. So überlegte er, wie er anderweitig seine Gitarren bauen könnte und landete so bei den Materialien vor der eigenen Haustüre: "Warum sollen wir das nicht nehmen?"

Ziel war es, einheimische Hölzer zu finden, die besondere Klangeigenschaften haben und so den tropischen Hölzern nicht nachstehen in der Qualität. Durch das Einbringen verschiedner Parameter sei es schließlich möglich gewesen, Gitarren aus heimischen Hölzern zu fertigen. Kirsche, Elsbeere, Ahorn, Fichte und Eiche werden einer thermischen Behandlung unterzogen, um die Eigenschaften der Tropenhölzer zu erhalten.

Heimische Gitarren im Kommen

Mittlerweile bieten Armin Hanika und seine 24 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende, vier Modelle aus heimischen Hölzern an. In jeder seiner Preiskategorie eine. Acht Prozent der verkauften Gitarren in Baiersdorf sind mittlerweile aus heimischen Hölzern gefertigt - der Trend steigend. Neben der Produktion von 31 Standardmodellen für den Fachmarkt können bei Hanika auch Sonderanfertigungen bestellt werden - allerdings nicht im Internet. "Die Gitarre ist ein beratungsintensives Instrument. Ein Käufer muss sie anfassen und hören, bevor er sie kauft", sagt Hanika, der selbst nicht Gitarre spielen kann.

Armin Hanika hat genügsame Ziele für die Zukunft seines Unternehmens. Eine Expansion kommt nicht in Frage: "Wir haben keinen Platz mehr dafür." Vielmehr möchte er die Firma stabil weiterführen und einmal an die nächste Generation übergeben. Sohn Tobias Hanika hat nach dem Studium der Energietechnik nun auch den Weg in Richtung Handwerk eingeschlagen und 2019 die Lehre zum Zupfinstrumentemacher im heimischen Betrieb begonnen.