Es ist auf den Dörfern in der Fränkischen Schweiz eine Phase eingetreten, in der sich eine Gemeinde freut, wenn Einwohner noch bereit sind, ihren Ort durch unternehmerische Entscheidungen zu bereichern und mit Leben zu erfüllen. So wie der "Peterhof" in Ortspitz, der sich am 1. Mai auf seine Wurzeln besinnt mit der Eröffnung einer modernen Erlebnisbrennerei, verbunden mit einer Probierstube und Verkaufsladen.

Vor genau 200 Jahren, so erzählt der heutige Besitzer Gerhard Reichold, kam 1818 mit Peter Reichold der heutige Familienname in das Anwesen. Der Vorname Peter als Hausname im "Peterhof" blieb bis zum heutigen Tag erhalten. Mancher landwirtschaftliche Hof, wie der Schäferhof oder der Bauerhof, gab im Ort in dieser Zeit auf.


Aufhören oder weitermachen?

Der "Peterhof" entwickelte sich im Gegensatz dazu. Als landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb wurden die Aussichten dennoch immer schwieriger. Aufhören oder weitermachen? Eine Frage, die sich unausweichlich stellte.

Gerhard Reichold drückte nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung nochmals intensiv die Schulbank, avancierte zum Verkaufsleiter landwirtschaftlicher Einrichtungen in ganz Bayern und Württemberg. Sein Vater Hans Reichold experimentierte vor 25 Jahren als Hobby im Brennereiwesen hochprozentiger Geister, ohne wirklich großen Plan und Vision. Die Produkte aber wurden besser, der Keller füllte sich, die Kundschaft wuchs.


Anfänglich Skepsis

Gerhards Frau Anni entdeckte nach anfänglicher Skepsis die Herausforderung bei der Kunst des Brennens, was sich zur Leidenschaft entwickelte. Vor drei Jahren erwarb sie die Qualifikation als landwirtschaftliche Brennmeisterin.

Gerhard Reichold versteht sich als Ideengeber und Motivator. Tochter Karin und Sohn Markus stehen ebenfalls hinter der Entscheidung. "Wir fangen die Düfte der Natur ein und füllen sie in Flaschen ab", sagt Anni Reichold als Unternehmerin. Eine große Glastür gibt den Blick frei auf eine moderne, Licht durchflutete Brennereianlage, die vieles leichter und schneller macht und noch bessere Ergebnisse ermöglicht. "Interessierte sollen uns über die Schulter schauen können, verstehen, was hier passiert", sagt Gerhard Reichold.


Seminare im Angebot

Auf der anderen Seite lädt eine Probierstube mit Gastronomieküche ein und unweit davon zeigt ein Verkaufsraum alles, was es hier zu kaufen gibt. Brenn- und Verkostungsseminare stehen künftig auf dem Programm für Gäste, die sich intensiv für das Fach interessieren. Das kann bei eigenen Obstplantagen beginnen, die mit gezieltem, eigenem Anbau die Basis für eine breite Produktpalette bilden. Man denkt dabei auch an Feriengäste in zwei eigenen Apartments und Ferienwohnungen der Region im Zeitraum November bis Ostern. Außerdem entsteht hier eine Win-Win-Situation im Ort. "Wir sind gut im Ort verankert", sagt Gerhard Reichold.

Geselligkeit wird hier in dem kleinen Ort auf der Jurahöhe noch täglich gepflegt. Da mag diese neue Schaubrennerei ein weiterer Mosaikstein sein, das Dorfleben in seiner traditionellen Form mit neuen Ideen zu bereichern. Für den "Peterhof" ist es ein zweites Standbein. Das freilich geht nur mit Fleiß, Idealismus und Kreativität. Und so wird man offensichtlich 200 Jahre und älter.


Programm am 1. Mai

10 Uhr: Eröffnung mit einem Weißwurstfrühstück
ab 11.30 Uhr: Mittagessen (Angusrind von Ortspitzer Weide oder Schäuferla oder Vegetarisches)
bis 18 Uhr: Unterhaltungsprogramm mit Musik "Blechmix" aus Ebermannstadt und anschließend Herbert Gröschel