Im November 2013 kam der damals 15-jährige Yoel Mekonen aus Eritreas Hauptstadt Asmara nach Forchheim. Wenn Yoel von den vergangenen vier Jahren seines Lebens erzählt, sagt er immer wieder: "Ich habe Glück gehabt."
Donata Kaman (Integrationslotsin und Sprecherin des Forchheimer Netzwerks Asyl) dagegen betont, dass es vor allem "Yoels Willensstärke" sei, die seine Integration so erfolgreich mache. "Yoel ist diszipliniert und motiviert. Zum Beispiel hat er am Morgen vor dem Schulunterricht auf dem Gemüsemarkt gearbeitet, um sich seinen Führerschein zu finanzieren."
Donata Kaman hat die Familie von Yoel Mekonen seit deren Ankunft in Forchheim begleitet. "Leute wie Donata" oder auch die Stadträtin Anita Kern hätten sich sehr engagiert, sagt Yoel. Heute lebt der 19-Jährige mit seiner Mutter, seinem Bruder Milkiyas (12) und seiner in Deutschland geborenen Schwester Rut (3) in der Heinrich Soldan Straße. Yoels Stiefvater arbeitet in München und sieht die Familie nur am Wochenende. Daher übernehme Yoel auch viel Verantwortung in der Familie, erzählt seine Mutter Tsigehweini Woldefilipos Beday.


Unter 4000 ausgewählt

Der 19-Jährige wirkt kontaktfreudig und fröhlich. Im Sportverein beim FC Burk hat er schnell Anschluss gefunden. Und nach dem Besuch der Ritter-von-Traitteur-Mittelschule ist es ihm gelungen, unter jenen 200 Auszubildenden zu sein, die die Firma Siemens unter 4000 Bewerbern auswählte. Seit einem Jahr lernt Yoel Elektroniker für Geräte und Systeme.
Anfang Juli hatte der junge Mann aus Eritrea einen großen Auftritt bei der Fachtagung Integration. Lisa Hoffmann (Ratio e.v.), Sibylle Schum (gfi) und Kathrin Reif (Bürgerzentrum) hatten zu dieser siebten Fachtagung eingeladen, um den "Hürdenlauf durch die Bildungswirklichkeit" zu thematisieren. Dabei sei klar geworden. "wie wichtig es ist, trotz der Hürden die Gelingensfaktoren zu betonen", sagt Kathrin Reif: "Es geht um Menschen, nicht um Flüchtlinge. Jeder bringt was mit. Das müssen wir sehen. Oft ist der Negativ-Ansatz zu sehr im Vordergrund."
Professionelle und ehrenamtliche Helfer hätten bei der Fachtagung gelernt, dass sie oft zu sehr als Einzelkämpfer unterwegs sind und sich noch besser vernetzten sollten, berichtet Lisa Hoffmann. Der Bericht von Yoel habe eindrucksvoll vor Augen geführt, dass sich Helfer häufig an dem orientierten, "was fehlt", sagt Lisa Hoffmann: "Statt wertzuschätzen, was die Leute mitbringen - und zu fragen: Was ist da?"
Auch Sibylle Schum war beeindruckt von Yoel: Er habe den 45 Gästen der Fachtagung verdeutlicht, "wie wichtig es ist, sich Ziele zu stecken und sich auch zu trauen, um Hilfe zu fragen". Gerade die jüngste Merkel-Seehofer-Debatte habe viel zum Frust der ehrenamtlichen Helfer beigetragen, meint Kathrin Reif. "Es ist schwierig geworden, Helfer zu gewinnen."
Daher, betont Sibylle Schum, sei sie froh, dass die Fachtagung "keine Jammerveranstaltung war, sondern die Chancen der Migranten betont hat".


"Was ist Dein Ziel?"

Die Geschichte von Yoel zeigt, dass Integrationsarbeit noch mehr ist, als Asylbewerber zu integrieren. Denn Yoel ist kein Asylsuchender. Sein Vater lebt seit 30 Jahren im Lande. Daher ging Tsigehweini Woldefilipos Beday mit ihren Söhnen nach Deutschland. Dank Donata Kamann habe es "immer Helfer" gegeben, sagt Yoel. Aber man müsse natürlich auch persönlich zur Integration beitragen: "Ich bin der Typ, der immer locker ist. Ein gewisses Verhalten, dann klappt es schon. Und wenn die Leute sehen, dass du was kannst, sind sie auf deiner Seite."
Das habe er auch bei seiner Rede vor den ehrenamtlichen und professionellen Helfern versucht, rüberzubringen, sagt Yoel Mekonen: Die Flüchtlinge sollten Ziele haben und sie formulieren. Und die Helfer sollten die Flüchtlinge anhören und sie fragen: "Was ist denn dein Ziel?"