Mit dem nun staatlich geförderten Ausbau der Breitbandverbindung soll auf dem Land der Traum vom schnelleren Internet endlich wahr werden. Ein Traum, den Internetnutzer in den Randgebieten Rüsselbach, Pommer und Pettensiedel, Etlaswind schon vor einigen Jahren gehegt haben.

Dort hatte die Gemeinde Igensdorf den betreffenden Auftrag an die Firma P2 Systems vergeben.
Aber nicht wenige Nutzer, die Kunden von P2 Systems geworden sind, bereuen heute diese Entscheidung. Denn ihre Mitbürger können inzwischen auf eine LTE-Verbindung der Telekom zurückgreifen. Die neue Förderung und die kommende Ausschreibung lässt nun auch die bisherigen Kunden von P2 Systems hoffen.

Ihre Hoffnung, den Anbieter gegebenenfalls wechseln zu können, sind berechtigt: Anfängliche Befürchtungen, dass sie nach dem Breitbandausbau nicht mehr den Anbieter wechseln könnten, hat der "Arbeitskreis Breitbandinternet" inzwischen zerschlagen.

"Ich bin sehr unzufrieden", klagt beispielsweise Josef Koch aus Pettensiedel. Auch er hatte mit P2 Systems einen Vertrag abgeschlossen. Zwei Jahre ist er daran gebunden, Ende 2015 läuft der Vertrag mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist aus. An manchen Tagen kann Koch auf acht Mbit/s zurückgreifen, an manchen Tagen nur auf fünf oder gar nur 1,5. Es kam auch schon vor, dass drei Tage lang gar nichts gegangen ist.

Da auch das Telefon über die Internet-Verbindung läuft, konnte Koch drei Tage lang nicht telefonieren. "P2 Systems, die nun Inexio heißen, benutzen Frequenzen, die frei sind und somit gewissen Störeinflüssen ausgesetzt sind", erklärt Igensdorfs Bürgermeister Wolfgang Rast (IU). Würde Inexio lizensierte Frequenzen kaufen, könnten sie den Preis nicht halten, glaubt der Rathauschef.

Angefangen hat die Diskussion um das Internet in den ländlichen Orten schon vor etlichen Jahren, als das analoge Fernsehen über Funk abgeschaltet werden sollte. So erinnert sich Frank Lodes vom Igensdorfer Internetteam.

Ein großer Sprung

Die dabei frei gewordenen Frequenzen sollten neu vergeben und für den schnelleren Funkstandard LTE verwendet werden. So lautete der Beschluss des Staates, der den Internetausbau gerade im ländlichen Raum vorantreiben wollte.

Bundesweit wurden diese Frequenzen durch die Bundesnetzagentur versteigert. "Die Bundesnetzagentur wollte aber nicht nur Geld für die versteigerten Frequenzen, sondern die Firmen, die Frequenzen ersteigert hatten, sollten sich auch verpflichten, eine gewisse Fläche auf dem Land auszubauen. So kam Pommer zu dem LTE durch T-Mobile", erinnert sich Frank Lodes. Auch die Menschen in Oberrüsselbach profitierten damals davon: "Es war schon ein Sprung von der normalen Leitung mit 385 KBit auf nun 9 oder 12 Mbit/s je nach Wetter", sagt Michael Gebhard aus Oberrüsselbach. Er nutzt LTE und entschied sich gegen Inexio, da er den Telefonanbieter nicht wechseln wollte.

Mit der Beratungsfirma Corvese diskutierte die Gemeinde über das weitere Vorgehen. Der komplette Auftrag konnte damals nicht an die Telekom vergeben werden, da die Angebotssumme höher als 500.000 Euro lag. Damit wäre eine Genehmigung durch die EU seitens der EU-Kommission erforderlich gewesen.

Im Lichte dieser Tatsachen entschieden die Gemeinderäte, seinerseits Igensdorf und Dachstadt von der Telekom erschließen zu lassen. Für die übrigen Orte Pommer, Pettensiedel, Etlaswind und Rüsselbach wurde dagegen die Firma P2 Systems mit der Breitbandversorgung beauftragt. Erste Befürchtungen, dass der von ihr belegte Kabelverzweiger eine Versorgung durch die Telekom verhindern könnte, bestätigten sich nicht.

Ein Dreivierteljahr dauert nun die Planung, eineinhalb Jahre die Bauphase. "Um den Auftrag wird sich auch Inexio bewerben", sagt Rast.