In einem offenen Brief kritisiert der BN-Kreisgruppen-Chef Ulrich Buchholz den kommerziellen Kanubetrieb auf der Wiesent, unter dem die Flora und Fauna des Gewässers leiden würden. Der Naturschützer verweist auf die neue Schifffahrtsgenehmigung des Landratsamtes Forchheim, die den kommerzielle Kanufahren regelt. Nachdem die alte Genehmigung vergangenen September ausgelaufen war, wurde im Frühjahr eine neue festgesetzt.

Bereits bei einem Treffen im Februar machte der BN seine Naturschutzbedenken laut und stellte Forderungen. Mit dem Vorschlag das Kanufahren (Saison ist Mai bis September) erst ab dem 15. Juni zu erlauben, scheiterten die Naturschützer.


Neue Regeln bei Niedrigwasser

Die umstrittenste Änderung der neuen Schifffahrtsgenehmigung: Neben Fahrzeiten, Kennzeichnungspflicht der Boote und einer Hochwasserregelung, wurden den kommerziellen Kanu-Anbietern auch Regeln für Niedrigwasser-Tage auferlegt.

Bei einem Pegelstand der Wiesent unter 1,25 Meter (Messtelle Muggendorf) dürfen bei den kommerziellen Anbietern im Mai und Juni keine Stechpaddel, sondern nur Doppelpaddel verwendet werden. Steht das Wasser unter 1,20 Meter, dürfen in den beiden Monaten nur noch geführte Touren erfolgen und unter 1,15 besteht ein absolutes Fahrverbot.

Der Bund Naturschutz wirft den Kanu-Betreibern in dem offenen Brief vor, sich in mehreren Fällen nicht daran gehalten zu haben. Die Naturschützer hätten dafür mit Kanufahrern, die Touren gebucht haben, gesprochen und Fahrten beobachtet. Diese "zahlreichen Begehungen und Gespräche" hätten eine "ernüchternde Bilanz" hinterlassen.

Insgesamt sechs problematische Fälle und Verstöße will der BN dokumentiert haben. Unter anderem hätten verbotene Kanutouren ohne Guide stattgefunden, falsche Paddel seien ausgegeben worden und die drei kommerziellen Anbieter hätten im Mai mehr Bootsfahrten als erlaubt durchgeführt.


BN fordert mehr Sanktionen

"Wir müssen leider erkennen, dass die finanziellen Interessen gegenüber den Vorgaben des Artenschutzes überwiegen", stellt Buchholz fest. Der BN fordert daher unter anderem vom Landratsamt Forchheim eine striktere Umsetzung der Regeln und mehr Sanktionen bei Verstößen: "Die gesamten Vorgaben sind so konstruiert, dass die rechtliche Umsetzung gar nicht möglich ist. Uns ist trotz der beschriebenen Verstöße noch keine einzige Aussprache eines Bußgeldes bekannt", klagt Buchholz an.

Auf Nachfrage verweist der Pressesprecher des Landratsamts, Holger Strehl, auf die einvernehmliche Schifffahrtsgenehmigung, die für drei Jahre befristet ist und darauf, dass während dieser Zeit eine sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Verträglichkeitsprüfung sowie fischereifachliche Untersuchungen durchgeführt werden sollen. Die Behörde habe zudem sowohl die Naturschutzwächter als auch die Polizei hinsichtlich des Kanufahrens auf der Wiesent gebeten, verstärkt Kontrollen durchzuführen und Verstöße schriftlich zu melden.

Der offene Brief des BN stößt bei den drei Kanu-Verleihern im Wiesenttal auf viel Unverständnis. Die Unternehmer betonen, dass sie den neuen Pegelstandregelungen als Kompromiss zugestimmt hätten - obwohl die Reglen Einschränkungen für den Betrieb bedeuteten und die Kanu-Gäste verunsichern würden.

"Wir reden über komplexe Zusammenhänge. So eine Bilanz halte ich für verfrüht und für faktisch gar nicht machbar", meint Martin Maier, der den Kanu-Verleih Aktiv Reisen in Muggendorf betreibt. Nach einer Saison oder nach drei Jahren könnte man gemeinsam über Vor- und Nachteile der neuen Schifffahrtsgenehmigung diskutieren.

Die Outdoor-Unternehmer halten die Vorwürfe für nicht nachvollziehbar und kritisieren den Alarmismus der Naturschützer. Die Betreiber hätten seit Jahren gleichbleibende Gästezahlen und würden sich an alle Vorgaben halten. "Wir brauchen die intakte Wiesent genauso. Wir leben ja von der Landschaft", betont Boots-Verleiher Thomas Mehl aus Gößweinstein.

Die Unternehmer könnten vor allem nicht verstehen, warum der BN explizit die örtlichen Anbieter im Wiesenttal als vermeintliche Umweltsünder darstelle, anstatt einen konstruktiven Austausch miteinander zu suchen.


Angebot zur Zusammenarbeit

"Für uns ist es befremdlich, dass sie genau diejenigen angreifen, die jeden Tag an der Wiesent sind, mit denen sie sprechen könnten", so Maier. Die Kanuverleiher seien nach wie vor gesprächsbereit. Maier schlägt zum Beispiel vor, dass Naturschützer und Kanu-Anbieter bei einer gemeinsamen Tour die Wiesent besichtigen könnten.