Es geht nicht mehr. Die Tage des Naturdenkmals im kleinen Stadtpark an der Ecke Klosterstraße/Dreikirchenstraße sind gezählt. Am Freitag um 8 Uhr wird der Baum gefällt.
"Natürlich nicht aus Jux und Tollerei", betont Walter Mirschberger, Leiter des Forchheimer Grünbetriebes. Er wirbt um Verständnis, dass der über hundert Jahre alte exotische Baum, ein japanischer Schnurbaum, gefällt werden muss. "Wir wollten den Baum so lange wie möglich erhalten", ergänzt Gärtnermeister Andreas Geck, der annähernd 10 000 Bäume, der Großteil Laubbäume, im Stadtgebiet zu betreuen hat. Insbesondere überprüft und überwacht er die Vitalität der Gehölze.
Zweifellos sei der Stadtbild prägende Schattenspender schräg gegenüber der Klosterkirche eine Besonderheit. Aber der Baum war seit Jahren krank. Bereits 2013 kam ein Gutachter zu dem Ergebnis, dass die Standfestigkeit des Stammes eingeschränkt sei. Die Ursache: Pilze im Wurzelbereich.


Unter ständiger Beobachtung

In Folge dessen wurde der Schnurbaum, der im Volksmund auch als Honigbaum oder Sauerschotenbaum bekannt ist und der eine Höhe von bis zu 30 Metern erreicht eingekürzt. "Das Naturdenkmal stand also unter ständiger Beobachtung", unterstreicht Walter Mirschberger. Bei den jüngsten Gutachten, die erst in diesem Jahr über den Baum in Auftrag gegeben wurden, waren sich die Experten einig. Sowohl der von der Unteren Naturschutzbehörde, als auch der, vom Stadtgartenamt beauftragte Sachverständige kam zu dem Urteil: "Das Naturdenkmal muss umgehend gefällt werden."
Für die Untersuchungen war der Wurzelanlauf des Schnurbaumes im Umkreis von einem Meter rings um den Baum freigelegt worden. "Ganz vorsichtig, damit die Wurzeln nicht verletzt werden", erklärt Andreas Geck. "So wie wir das bei der Burker Linde gemacht haben." Dabei stellten die Gutachter fest, dass der Pilzbefall weiter vorangeschritten war. Der Schädling habe dazu geführt, dass immer mehr Teile des mächtigen Wurzelwerkes abgestorben waren. Das Todesurteil für den Baum der Gattung Sophora japonica, dem man seinen maroden Zustand nicht ansieht. "Oberflächlich betrachtet, wirkt er absolut vital", so Geck. Doch die grünen Blätter täuschten über den wahren Zustand hinweg. "Der Baum ist ein Sicherheitsrisiko", stellt Andreas Geck fest.In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde sei deshalb die Fällung angeordnet worden.


Ein Sicherheitsrisiko

"Wenn der Baum, der trotz Einkürzungen immer noch rund 15 Meter hoch ist, wirklich gekippt wäre, hätte niemand die Verantwortung dafür übernehmen können", unterstreicht Walter Mirschberger, Chef des Forchheimer Grünbetriebes. "Die Fallrichtung ist klar. Auf Grund seines Wuchses, würde der Stamm quer über die Straße fallen", so Mirschberger.
Deshalb wird der Schnurbaum am Freitag auch nicht umgelegt, sondern von einem Hubsteiger aus Stück für Stück eingekürzt. Aus Sicherheitsgründen muss die Klosterstraße vorübergehend für den kompletten Verkehr gesperrt werden. "Jetzt hoffen wir nur noch, dass es schnell geht und sich die Behinderung in Grenzen hält", erklärt Andreas Geck.
"Wie es die Baumschutzverordnung vorsieht, werden für jeden geschützten Baum, der trotzdem gefällt werden muss drei neue Bäume gepflanzt", unterstreicht Walter Mirschberger. Welche Arten das sein werden, und wo sie gepflanzt werden, steht noch nicht fest. Nur so viel: Einer wird am Standort des japanischen Schnurbaumes stehen. Mirschberger betont, dass Naturdenkmäler nur in Ausnahmefällen umgemacht werden. "Keinesfalls dann, wenn sich das jemand wünscht, so wie beim Kindergarten in Reuth. Da hat die Natur Vorrang ."