Der Tod als Anfang neuen Lebens: Kaum ein Baum symbolisiert dies wohl so gut wie die mächtige, alte Linde bei Tiefenstürmig. Ende Februar wurde das Naturdenkmal gesprengt, doch das Holz soll für Mensch und Natur weiterleben.

Der bemerkenswerte Baum liegt rund zehn Wanderminuten vom Eggolsheimer Ortsteil entfernt im Wald. Tief verwurzelt steht der massive Stamm, der einen Umfang von rund fünf Metern hat, noch immer da. Aber die Baumkrone, dünne und dicke Äste liegen am Boden. Ein rot-weißes Flatterband sperrt die gekappte Linde ab. "Das Totholz soll als Lebensraum für Insekten erhalten bleiben", erklärt Holger Strehl, Sprecher des Landratsamtes Forchheim. Die Untere Naturschutzbehörde hat die Sprengung veranlasst.

Die unverhoffte Baumaktion löste Irritation aus. Ein Leser schickte vergangene Woche ein Foto des gekappten Baumes an den Fränkischen Tag, mit der Bitte, dem nachzugehen. Denn die Tiefenstürmiger Linde ist einer von nur rund 30 Bäumen im Landkreis Forchheim, die als Naturdenkmäler gelistet sind. Das bedeutet, dass diese uralten oder bemerkenswerten Bäume besonders schützenswert sind. Wie alt die Linde in Tiefenstürmig ist, könne man nicht genau bestimmen, heißt es aus dem Landratsamt. In einem Online-Baumregister wird ihr Alter auf rund 200 bis 300 Jahre geschätzt.

Stürme beschädigten den Baum

Dass die Linde Anfang des Jahres gekappt wurde, war auch Gesprächsthema bei der Bürgerversammlung in Tiefenstürmig am Montag. Wieso wurde die Linde gesprengt? "Durch Stürme der vergangenen Jahre ist die Linde derart verletzt worden, dass sie eine Gefahr für die Menschen in der Nähe darstellte", klärt Holger Strehl auf. Direkt neben dem Baum verläuft ein offizieller Wanderweg. Deswegen sei die Untere Naturschutzbehörde in der Pflicht gewesen, die "Verkehrssicherheit" wieder herzustellen. Im vergangenen Mai musste auch im Forchheimer Stadtpark ein als Naturdenkmal gelisteter japanischer Schnurbaum gefällt werden, weil er eine Gefahr darstellte.

In Tiefenstürmig begutachtete und überprüfte Anfang Januar eine Fachfirma die Linde. Die Experten hätten dabei festgestellt, dass es beispielsweise unmöglich gewesen sei, noch auf die Baumkrone zu klettern und die beschädigten Äste zu entfernen. Deshalb entschied sich das Landratsamt in Absprache mit dem Markt Eggolsheim für eine gezielte Sprengung, um die Linde zu kappen. Die Verantwortlichen baten dafür das technische Hilfswerk (THW) Forchheim um Hilfe.

Gezielte Bohrloch-Sprengung

Am Samstag, 23. Februar, war es soweit und die Fachgruppe Sprengen des THW machte sich an die Arbeit. "Hierzu wurden sogenannte Bohrlochladungen angebracht und anschließend der Sprengstoff zur Explosion gebracht. Selbstverständlich wurde vorher der Sicherheitsbereich abgesperrt und kontrolliert", berichtet Christian Wilfling vom THW Forchheim. Die außergewöhnliche Baumkappung war erfolgreich. "Die Linde wurde kontrolliert niedergelegt und konnte im Anschluss mit herkömmlichen Mitteln aufgearbeitet werden", so Wilfling.

Noch liegen große und kleine Äste verstreut um die gesprengte Linde herum. Der Baum ist über einen Monat nach der Sprengung nach wie vor mit Flatterband abgesperrt. Die Stelle soll aber bald geräumt werden. Zudem soll die Tiefenstürmiger Linde ein Schild bekommen, auf dem die Baumruine als Naturdenkmal ausgezeichnet wird, so Strehl. Und das Totholz soll Lebensraum für Insekten werden. So sollen Waldbewohner und Wanderer vom "zweiten Leben" der mächtigen Linde profitieren.

Das sind Naturdenkmäler im Kreis Forchheim

Definition Naturdenkmäler sind rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur oder entsprechende Flächen bis zu fünf Hektar, deren besonderer Schutz erforderlich ist aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit. Zuständig für die Ausweisung von Naturdenkmälern ist die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Forchheim.

Arten Neben Bäumen zählen dazu unter anderem Felsen, Höhlen, Hügel, Dolomiten. Im Landkreis Forchheim gibt es (ausgenommen rund 30 Bäume) 230 Naturdenkmäler.