Deutschland ist Fußball-Weltmeister, und das das Land nach dem Nerven aufreibenden 1:0 gegen Argentinien auf überschwängliche Art und Weise gefeiert. Der Jugendtreff "Faulenzer" in Eggolsheim hat da keine Ausnahme gemacht. Sehr zum Leidwesen der Nachbarn allerdings. Die sind in dieser Nacht um den Schlaf gebracht worden. Das sei zudem nicht das erste Mal der Fall gewesen, reklamieren sie.

Eine benachbarte Familie hatte sich nach der WM-Feier bei der Gemeinde über die Ruhestörung beschwert. Der Eggolsheimer Gemeinderat hat die Beschwerde zum Anlass genommen, in grundsätzlicher Art und Weise über die Zukunft des Jugendclubs nachzudenken.

Dass die Beschwerde der Familie zutrifft, haben die Verantwortlichen des Jugendtreffs bereits eingeräumt. Sie haben sich bei der Familie inzwischen auch entschuldigt. Doch damit ist das Thema noch nicht vom Tisch.
Die Jugendlichen hatten nämlich zuvor sowohl vom Gewerbeamt als auch von der Gemeinde Auflagen an die Hand bekommen, wie sie sich bei den WM-Spielen zu verhalten haben.

Bei zwei WM-Spielen haben die Jugendlichen dies Auflagen aber offenbar missachtet. In den Auflagen stand geschrieben, dass der Ausschank im Außenbereich bis Mitternacht geöffnet bleiben darf. Im Inneren des Jugendclubs hatte die Jugendlichen die Erlaubnis, bis 1 Uhr weiter zu feiern.

Werben um Verständnis

Laut den betroffenen Nachbarn war jedoch in der Nacht des WM-Siegs selbst um 3.30 Uhr noch einiges los im "Faulenzer".

Darüber hinaus wurde offenbar auch harter Alkohol wie Schnaps an Jugendlichen ausgeschenkt worden, was ebenfalls gegen die Auflagen verstoßen würde. "Wir haben nichts gegen den ,Faulenzer'. Aber die Ruhezeiten müssen eingehalten werden", sagte Anlieger Hans Werthmann vor dem Gemeinderat. Er und weitere Nachbarn wohnten der Diskussion im Gemeinderat bei. Jonas Roppelt vom Jugendtreff war dagegen um Verständnis: "Wir haben die WM über vier Wochen durchgeführt. Nie gab es Beschwerden außer nach dem WM-Sieg." Deutschland würde ja auch nicht alle vier Jahre Weltmeister werden.

Roppelt reklamierte, den "Faulenzer" zugesperrt zu haben. Einige Jugendliche seien allerdings noch geblieben, um aufzuräumen. Die Nachbarn berichteten allerdings, dass in dieser Nacht noch lange laute Musik zu hören war. Roppelt versprach, dass in Zukunft die Zeiten eingehalten werden.

Tatsache ist offenbar auch, dass nicht nur während der WM die Nachbarn in ihrer Ruhe gestört worden sind. Die offiziellen Öffnungszeiten des Faulenzers würden auch regelmäßig überschritten werden, klagen die Anwohner. Auch Beate Oppelt wünscht sich mehr Respekt von den Jugendlichen. Außerdem möchte sie, dass die Gemeinde die Beschwerden auch ernst nimmt. "Es wurde oft versprochen, dass Ruhe ist. Aber dann war es nicht so."

"Kein Anstands-Wauwau"

Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB) war von der Angelegenheit sichtlich unerfreut. Schon im Jahr 2010 musste der Jugendtreff wegen ständiger Ruhestörung eine Zeit lang geschlossen bleiben. Zwei Jahre später wurden die festen Öffnungszeiten geregelt und von den Jugendlichen in dieser Form auch akzeptiert.

"Die Zeiten sind heute noch genauso gültig", erinnerte Schwarzmann alle Beteiligten. "Ich als Bürgermeister muss für das Fehlverhalten gerade stehen, weil der ,Faulenzer' eine gemeindliche Einrichtung ist", klagte Schwarzmann. Gleichzeitig wolle er kein "Anstands-Wauwau" sein, der die Vorgänge im Jugendclub ständig überwachte. Nun müsse diskutiert werden, wie es mit dem "Faulenzer" weitergeht. "Aus dem Jugendtreff könnte ein Dorftreff werden, der von den ,Faulenzern' als Verein betrieben wird. Damit wäre der Verein selbst verantwortlich", überlegte Schwarzmann.

Gemeinderat Uwe Rziha erinnerte in diesem Zusammenhang an den Vorschlag von Irmgard Heckmann (beide FW), einen Festplatz außerhalb von Eggolsheim einzurichten. "Es geht um ein Gesamtkonzept mit der DJK, das auch die ,Faulenzer' außerhalb einbinden würde." Schwarzmann hält von diesem Vorschlag dagegen nicht viel, da er für ein "belebtes Dorf" will. "Die Variante, den Jugendtreff in die Pampa zu schicken, halte ich nicht für sinnvoll."

Schwarzmann attestierte den Jugendlichen auch, dass es s auch "lange problemfreie Phasen" gegeben habe. Nach der Sommerpause will der Gemeinderat zusammen mit der Gemeindejugendpflegerin Ivonne Dötzer nach einer Lösung suchen.

"Jetzt wird erstmal Ruhe sein, denn es steht nichts mehr an", versprach Roppelt. Im September findet aber bereits das nächste große Fest statt. Die Eggolsheimer "Faulenzer" werden dann 20 Jahre alt.