Lebhaft klatschen die Fünftklässer in der Aula des Herder-Gymnasiums eine flotte Melodie mit. In ihrer Mitte agiert ein älterer Mann: Dieter Breivogel aus Kulmbach. 30 Jahre war er Hausmeister in einer Schule, wie er später erzählt. "Und da kannte ich die Probleme aller Kinder", sagt er und kündigt das traurige Lied von "Wolke" an. So nennt er einen dieser Schüler, der nach einer Drogenkarriere im Alter von 23 Jahren von einem Hochhaus sprang. Ein Schicksal, vor dem Breivogel seit 2005 junge Menschen bewahren möchte.
Unterstützt von den Vereinigten Raiffeisenbanken machte er mit dem "Anti-Drogen-Live-Konzert" mit der Timmis-Band Station an den Forchheimer Gymnasien. Träger des Projekts unter dem Motto "Seid stark und sagt Nein" ist die Sucht- und Drogenprävention Oberfranken (SDO).


Vorn auf einem Tisch hat Breivogel ein "gemischtes Programm" aufgebaut: ein Häufchen aus Schachteln bekannter Zigarettenmarken, ein Stapel Blöcke, Taschenlampen, allerhand Aufkleber und eine Flaschenbatterie. In allen Bonbonfarben leuchten die Alcopops, silbern-kühle Dosen versprechen den richtigen Kick. So werden sie in Supermarktregalen, in Tankstellen etcetera angeboten.
Unstreitig geht vom Design dieser Produkte ein Anreiz aus. Ein Anreiz, der wie Breivogel mit der Geschichte von "Wolke" darlegt, zu einer gefährlichen Abwärtsspirale führen kann. "Wolke heißt mein Freund, doch Wolke kann nicht fliegen", intoniert Breivogels reichlich-mittelalterliche Begleitband.
Dagegen stellt Breivogel zwei Gegenbeispiele: Mit dem Jugendkoordinator Sebastian Boehnlein von den Brose Baskets und mit Philipp Daubner, der zum Kader der Ersten Mannschaft gehört. Mit seinen 2,02 Meter Größe beeindruckt der 18-Jährige die Herderianer. Und mit dem täglichen anstrengenden Training auch, von dem er berichtet. Basketball ist beliebt, die Spiele der Brose Baskets werden genau verfolgt. Das merkt man an den Fragen der Schüler an die Profi-Sportler.
Und an einer optischen Täuschung. Es fragt Melina: "Spielt der Kleine auch Basketball?" Der Kleine, so ist allen schnell klar, ist Sebastian Boehnlein, 1,80 Meter lang.
Breivogel holt Melina nach vorne, damit sie sich mal mit den Basketballern messen kann. Das gelingt ihr nur mit einem Blick von unten nach oben. Und die ganze Aula lacht. Doch Breivogel tröstet die 1,46-Meter-"Kurze": "Mir geht es auch nicht besser. Die letzten Male waren Spieler dabei, die waren 2,04 und gar 2,15 Meter groß."
Tonartwechsel: Breivogel konfrontiert die Kinder mit harten Fakten wie den 350 Toten, die täglich in Deutschland auf das Konto des Nikotingenusses gehen.


Viel Wissen


Breivogel geht durch die Reihen und fragt, was seine jungen Zuhörer wissen. Sie kennen erstaunlich viel, selbst Begriffe wie legal und illegal sind ihnen genau klar. Und Folgekrankheiten des Rauchens nennen sie wie selbstverständlich. Die Daten des Jugendschutzgesetzes beten sie nur so herunter. Tabak erst ab 18, "harte Sachen" (O-Ton schüler: "Wodka und so" ) auch, Bier und Wein ab 16 . Doch wozu zählt Champagner; das ist einem Jungen nicht klar. Schützt sie ihr Wissen vor den Gefahren zu frühen Konsums? Das fragt sich der erwachsene Zuhörer - und vermutlich auch Breivogel. Denn danach spricht er darüber, wer denn dem Kind - das Einstiegsalter für Alkohol und Nikotin liegt zwischen elf und zwölf Jahren - die Zigarette, den Drink anbiete. Freunde, Klassenkameraden sind es wohl meist. Solchen Angeboten zu widerstehen, ist nicht einfach. Gruppendruck, mitreden wollen, dabei sein heißen die Schlagworte. Deshalb wiederholt Breivogel immer wieder: "Was du konsumierst, entscheidest nur du allein."
Ein paar kleine Preise noch für die richtigen Antworten und die Band setzt wieder mit einem fröhlichen Song ein . . .