Bis zum Absperrband und keinen Schritt weiter! Forsch drängt der Polizist mich und meine Pressekollegen zurück, damit wir auch keinen Blick zu viel auf den Tatort erhaschen und pikante Informationen ausplaudern. Natürlich schieße ich trotzdem ein paar Fotos - schließlich bin ich heute als waschechter Paparazzo Teil des Frankenkrimis "Seilschaften".

Am Sonntag, dem fünften von sechs Drehtagen, brachte die Film-Crew Leben in den ausgestorbenen Kellerwald. Bei dem Schmuddelwetter hätte ich mich normalerweise nicht vom Sofa gequält: Aber wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, in einem Film mitzuwirken?

Und nochmal, bitte!

Ein paar Stunden früher: Tapfer beiße ich die Zähne zusammen und warte geduldig auf meinen Auftritt. Dabei lerne ich eine der wohl wichtigsten Regeln beim Film: Gut Ding will Weile haben. Auch, wenn es einen vorgegebenen Drehplan gibt, verläuft nicht immer alles reibungslos. Hier fehlt mal ein Schauspieler, da sitzt der Text nicht, dann versauen die Kirchturmglocken den Ton oder ein Teammitglied ist schlichtweg nicht zufrieden.

Doch schlimmer geht immer: "Ich habe bei einem anderen Projekt schon erlebt, wie eine Szene 36 Mal wiederholt werden musste", erinnert sich Schauspieler und Drehbuchautor Karl Heilmann. So kommt es, dass ich einige Stunden herumstehe und immer wieder meine Zehen bewege, um zu testen, ob sie vor Kälte nicht schon abgestorben sind.

Doch in die gemütliche Stube des Neder-Kellers will ich mich nicht zurückziehen, denn sonst verpasse ich womöglich etwas. Die Spurensicherung - von allen liebevoll "Spusi" genannt - inspiziert gerade einen Geländewagen, aus dem jede Menge Kunstblut tropft. Ich bin verblüfft, wie viel Zeit in eine Szene investiert werden muss, die später im Film vielleicht nur 20 Sekunden lang sein wird.

Paparazzi in Aktion

So langsam hat sich rumgesprochen, dass etwas vor sich geht am Blümleinskeller. Schaulustige versammeln sich um die rot-weiße Absperrung, recken die Köpfe und zücken die Handykameras. Auch Anthony Brunner, der im Frankenkrimi - wie im echten Leben - den Bestatter gibt, hält ein paar Erinnerungen mit seinem Smartphone fest. Kurz vor dem Mittagessen ist es endlich soweit: Auftritt Paparazzi. "Ruhe bitte! Aufnahme. Bitte", ruft Regisseur Klaus "Haui" Hack.

Natürlich brüllt hier keiner "Camera - and Action", wir sind ja schließlich im Kellerwald und nicht in Hollywood. Gemeinsam mit einem weiteren Fotografen und einem nicht ganz echten Kamerateam vom Bayerischen Rundfunk drücke ich mich gegen das Absperrband und blitze, was das Zeug hält, als Anthony Brunner und Theo Dietz im weißen Leichenwagen um die Ecke biegen.

Noch eine zweite Szene

Neugierig wie die Presseleute eben sind, wollen wir direkt mit zum Tatort. Doch das ist uns - natürlich - nicht erlaubt. Wir müssen wieder hinter die Absperrung. Und damit ist mein großer Auftritt auch schon zu Ende.
Wenn es mal läuft, ist der ganze Spaß schneller vorbei als einem lieb ist, denke ich mir. Nach der Mittagspause müssen wir noch mal ran für eine zweite Szene. Als die schließlich im Kasten ist, sind wir entlassen. "Gut gemacht", lobt uns Kameramann André Albrecht und nickt anerkennend.

Halb erfroren, aber glücklich rette ich mich ins warme Auto. Auch wenn ich heute nur eine Mini-Rolle hatte, bin ich doch stolz, wenn ich zu Hause von meinen ersten Erfahrungen beim Film erzählen kann. Und wer weiß, vielleicht ist die nächste Gelegenheit gar nicht weit? Ich habe jedenfalls Blut geleckt.