Eine Masskrug-Attacke bei der Gasseldorfer Kerwa, diverse Körperverletzungen und Beleidigungen am laufenden Band prägen den kriminellen Lebensweg des 24-jährigen Hartmut G. (Name geändert).Jetzt musste er sich wegen eines Angriffs mit einem Elektroschocker vor dem Amtsgericht verantworten. Der Angeklagte habe seine Bewährungschancen nicht wahrgenommen sondern "Straftaten im Stakkato" begangen, befand der Staatsanwalt und forderte wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von drei Monaten ohne Bewährung. Dem schloss sich Richterin Silke Schneider an. Sie konnte angesichts der einschlägigen Vorstrafen und Bewährungsverstöße keine positive Sozialprognose für den jungen Mann abgeben, der laut psychologischem Gutachten an einer aggressiven Persönlichkeitsstörung leidet.

Verbrennungen riskiert

Was war geschehen? Staatsanwalt Markus Englich schilderte, wie es Ende Mai, gegen 23.45 Uhr, im McDonalds, in der Daimlerstraße zwischen einer Gruppe, zu der der Angeklagte gehörte, und einer anderen Gruppierung zu einer Auseinandersetzung kam. Dabei sei Hartmut G. nach draußen gegangen, um in seinem Auto einen Elektroschocker zu holen. Wieder zurück im Schnellimbiss sei er mit dem Selbstverteidigungsgerät auf ein Mitglied der anderen Gruppe zugegangen. Der Bedrohte habe dem Angriff zwar ausweichen können ohne verletzt zu werden - bei der Attacke habe der Angeklagte aber zumindest nicht unerhebliche Verbrennungen seines Gegenübers "billigend in Kauf genommen", erklärte der Staatsanwalt. Dies sei strafbar als versuchte gefährliche Körperverletzung.

Der Angeklagte versuchte das Geschehen hingegen anders darzustellen. Man sei am "Herrentag" in dem Schnellimbiss auf eine Gruppe von Leuten gestoßen, die ihn und seine Freunde angepöbelt hätten. "Ich war nicht auf Stress aus, sondern war geschockt und hatte Angst", beteuerte Hartmut G. und versuchte damit zu erklären, warum er den Elektroschocker aus dem Auto geholt habe. "Wie wär's gewesen, wenn Sie stattdessen lieber die Polizei gerufen hätten?", hielt Richterin Silke Schneider dem Angeklagten entgegen. "Darauf bin ich gar nicht gekommen", entgegnete dieser naiv. Er habe sich mit dem Elektroschocker nur schützen wollen. Die Auseinandersetzung habe sich in Sekunden hochgeschaukelt. In dem Getümmel habe er das Selbstverteidigungsgerät aus der Hosentasche gezogen und reflexartig auf den Auslöser gedrückt: "Da sind alle auseinander gegangen."

Staatsanwalt Englich verwies allerdings darauf, dass der Angeklagte nicht reflexartig sondern bewußt mit dem Elektroschocker die Initiative ergriffen habe. "Plötzlich kam der kleine Blonde mit dem Elektroschocker - es blitzte und man sah blaues Licht", habe ein Zeuge den Tathergang geschildert. "Sie neigen dazu, über's Ziel hinauszuschießen", schrieb die Richterin dem Angeklagten ins Stammbuch. Der Bewährungshelfer stellte seinen Schützling als "instabile, emotionale, impulsive Persönlichkeit"dar.

Allerdings sei er hinsichtlich des früheren Alkoholkonsumes nicht mehr in sein damaliges Suchtverhalten zurückgefallen, habe nach seiner Entlassung aus der Therapie konstant gearbeitet und den Führerschein gemacht. Jedoch habe sich seine Mutter wegen seines verbal aggressiven Verhaltens gesorgt.

Kriminelle Energie

Der Staatsanwalt attestierte eine "nicht unerhebliche kriminelle Energie" angesichts der vielen Vorstrafen und Verstöße gegen die Bewährungsauflagen.

Dem widersprach der Verteidiger. Sein Mandant habe jetzt seine Probleme erkannt und bearbeitet. Er werde seine Chance wahrnehmen - man müsse ihn nur "an die Hand nehmen." Daher sei eine kurzen Freiheitsstrafe zur Bewährung angemessen. Das sah Richterin Silke Schneider ganz anders. "Sie haben Ihre Chancen nicht genutzt. Stattdessen sind Sie wieder ausgetickt". Ihr Urteil: drei Monate ins Gefängnis.