Illegale Autorennen in Franken: Zwei Autofahrer haben sich am Dienstag, den 3. April 2018, auf der Autobahn 73 bei Forchheim ein illegales Rennen mit gefährlichen Überholmanövern geliefert. Den 35 Jahre alten Fahrer eines Sportwagens konnte die Polizei nach Angaben vom Dienstag später stellen - er bekommt nun eine Strafanzeige.

 


Autorennen auf A73: Polizei sucht Zeugen
 

Der zweite Fahrer - er fuhr ein kleineres, dunkles, PS-starkes Fahrzeug - entkam zunächst. Die Beamten bitten nun mögliche Zeugen um Hinweise, die das Rennen am Samstag gegen 23.00 Uhr mitbekommen haben. Die Autofahrer seien mit bis zu 250 Stundenkilometern unterwegs gewesen. Sie fielen dabei Beamten auf, die mit einem Videomessfahrzeug unterwegs waren.

 

 

 

 


Autorennen: Das ist die Lage in Franken
 

Mörderische Autorennen sind nicht nur in Berlin ein Thema. In den vergangenen zwei Jahren stellte die bayerische Polizei 78 solcher Rennen mit Autos fest. Sechs davon fanden in Unterfranken statt (zweimal in Würzburg, in Schweinfurt, Karlstadt, Gemünden und Veitshöchheim). Bei den illegalen Autorennen wurden 2016 und 2017 zwei Menschen getötet und 13 verletzt. Dies ergab eine aktuelle Anfrage des SPD-Fraktionschefs Markus Rinderspacher im Bayerischen Landtag. Die Dunkelziffer solcher Wettbewerbe, von denen die Polizei nichts erfährt, dürfte nach Einschätzung von Experten aber hoch sein.

 

 


Illegale Autorennen in Mittelfranken
 

Seit 13.10.2017 wurden in Mittelfranken 9 Anzeigen "illegale Autorennen" erfasst, teilte das Polizeipräsidium Mittelfranken auf Anfrage mit. Dabei kam es zu fünf Unfällen, davon zwei mit Personenschaden (zwei Leichtverletzte). Drei Unfälle ereigneten sich im Stadtgebiet Nürnberg, zwei im Stadtgebiet Fürth.

"Die Polizei beobachtet das Phänomen intensiv, aufgrund der Zahlen ist jedoch momentan keine negative Entwicklung erkennbar", so das Polizeipräsidium Mittelfranken. "Die Gesetzesmaterie ist noch sehr neu. Um eine valide Aussage/Tendenz treffen zu können, muss ein längerer Zeitraum ausgewertet und gegenübergestellt werden." Man setze aber auf eine abschreckende Wirkung des am 13.10.2017 in Kraft getretenen § 315 d StGB. "Durch den neuen Tatbestand kann die Entziehung der Fahrerlaubnis und die Einziehung des Fahrzeuges neben einer empfindlichen Geldstrafe durch das Gericht angeordnet werden. Durch diese Sanktionen wird sicherlich eine weit größere Abschreckungswirkung erzielt."

 

 


Illegale Autorennen in Oberfranken
 

Auch das Polizeipräsidium Oberfranken äußerte sich auf Anfrage zur aktuellen Lage: Demnach kam es im Jahr 2016 im Bereich des Polizeipräsidiums Oberfranken zu einem illegalen Rennen, im Jahr 2017 wurden drei illegale Rennen zur Anzeige gebracht. "In keinem der genannten Fälle kam es zu Unfällen. Bislang handelt es sich hierbei um Einzelfälle. Eine Aussage zu Tendenzen ist daher nicht möglich."

 

 

 


Main-Spessart: Motorradfahrer bei illegalem Rennen schwer verletzt
 

Wie dramatisch die illegalen Rennen enden können, zeigt ein Fall aus Frammersbach (Lkr. Main-Spessart). Ein ahnungsloser 68-jähriger Motorradfahrer wurde im vergangenen Oktober von einem 20-Jährigen über den Haufen gefahren - offenbar während einer illegalen Wettfahrt. Beide wurden schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat nun nach dem neuen Paragrafen 315d Strafgesetzbuch, wonach illegale Rennen eine Straftat sind, Anklage gegen einen 20-jährigen Würzburger erhoben. Es ist offenbar der erste Fall in Unterfranken, in dem die Staatsanwaltschaft nach der Gesetzesverschärfung vom Herbst 2016 einem Teilnehmer dieser Art von "Freizeitgestaltung" zu Leibe rückt.


Gesetzesverschärfung: Abschreckung ist umstritten
 

Erst zwei Tage vor dem Unfall, am 13. Oktober, war der neue Paragraf 315d des Strafgesetzbuches in Kraft getreten. Dieser Paragraf sanktioniert verbotene Kraftfahrzeugrennen und sieht bei der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre oder eine Geldstrafe vor. Der Bundestag hat im vergangenen Juni bereits ein Gesetz beschlossen, das für Veranstalter von illegalen Autorennen und deren Teilnehmer hohe Geldstrafen oder bis zu zwei Jahre Haft auf Bewährung vorsieht. Sofern Menschen verunglücken oder schwer verletzt werden, können sogar bis zu zehn Jahre Haft drohen.

Ob die Gesetzesverschärfung abschreckend auf die Veranstalter und Teilnehmer solcher Autorennen wirkt, ist umstritten. Gerade erst hob der Bundesgerichthof ein Urteil des Landgerichts Berlin auf, das zwei Raser wegen Mordes verurteilt hatte - sie töteten 2016 beim nächtlichen Autorennen auf dem Ku'damm einen unbeteiligten Mann.


"Die Justiz ist seit vielen Jahren viel zu nachsichtig "
 

"Ich finde das Urteil des BGH grundverkehrt," sagt Harald Schneider aus Karlstadt. Der parlamentarische Berater der Bayern-SPD und Ehrenvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Bayern meint: "Die Justiz ist seit vielen Jahren viel zu nachsichtig mit den Rasern umgegangen, die mit 160 bis 200 Kilometer pro Stunde durch belebte Innenstädte fahren und bedingt in Kauf nehmen, dass Menschen zu Tode kommen." Schneider schwebt ergänzend zu den angehobenen Strafen eine Maßnahme vor, die in Nordrhein-Westfalen und Berlin bereits praktiziert wird: "Es scheint so zu sein, dass dort vermehrt die Kraftfahrzeuge eingezogen werden - in Berlin seit Oktober 2017 über 30 Autos. Dies trifft die Raser besonders hart, dass ihnen ihr hochgerüstetes Lieblingsspielzeug weggenommen wird, das oft weit mehr als 50 000 Euro kostet." Der Auffassung ist auch Rinderspacher, der das Thema seit Jahren verfolgt.

Es spreche Bände, dass die Polizei 2017 dreimal so viele strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet habe wie in den drei Jahren zuvor. "Aber sie sollte ruhig auch stärker Führerscheine und Autos abnehmen, das trifft die rücksichtslosen Raser wirklich hart."

von Manfred Schweidler, Björn Kohlhepp, dpa, Redaktion