Die Überraschung hätte nicht größer sein können: Gerade hatten der Dorfhauser Michael Lane und seine Kontrahentin Freaky T ihre jeweils eigenen Songs gesungen, da gab die Sängerin ihren Ausstieg aus der Sendung bekannt. Diese Entscheidung kam völlig überraschend - nicht nur für Coach Xavier Naidoo und den völlig verdattert dreinblickenden Michael, für den das den Einzug ins Finale bedeutete. "Im ersten Moment waren wir alle total baff", erzählt Michaels Tante Gudrun Neuner, die die Show am Freitag live in Berlin mitverfolgt hat. "Das konnte keiner ahnen, auch in der Werbepause haben wir nichts mitbekommen."

Dass der Rückzug der Konkurrentin für ihren Neffen den kampflosen Einzug ins Finale bedeutete, war ihr zunächst gar nicht klar. "Als Freaky T gesungen hat, dachte ich noch, das wird schwer für Michael, weil sie auch richtig gut war. Deswegen hat es mir dann auch für sie sehr leid getan, ich fand es schon schade, dass sie einfach so aufhört. Aber ich kann es natürlich auch verstehen, dass sie an ihre Grenzen gekommen ist. Diese ganze Show ist schon sehr anstrengend."

Natürlich könnte man Mutmaßungen darüber anstellen, ob Freaky Ts Ausstieg nicht in Wirklichkeit nur ein sehr geschickter Marketing-Schachzug war. Immerhin galt es als nahezu sicher, dass der Franke im Zuschauervoting die Niederländerin ausstechen würde. Durch ihren freiwilligen Abgang hätte Freaky T somit nur das Unvermeidliche vorweggenommen - allerdings hätte sie zudem erreicht, dass sie im Mittelpunkt der Show steht und der Finalist Michael fast im Getümmel untergeht. Schließlich ist der Finalist Michael Lane während der gesamten Sendung kaum zu Wort gekommen.

Keine Rückmeldung von den Juroren

Auch, und das bedauert seine Tante am meisten, hat der sympathische 26-Jährige nach seiner Darbietung keinerlei Kritik von den Juroren erhalten. Die Coaches beteuerten lediglich ihr Bedauern über den Ausstieg Freaky Ts und bekundeten ihren Respekt vor dieser Entscheidung. Welcher der beiden Kontrahenten besser war, darüber schwiegen sich Xavier Naidoo, Nena, Rea Garvey und BossHoss allerdings aus.

Gefreut über den Finaleinzug hat sich Michaels Familie natürlich trotzdem - "aber es war anders als letzte Woche." Gudrun Neuner hat immer sehr gespannt auf die Kritik der Juroren gewartet und neugierig die Kommentare auf Michaels Facebook-Seite gelesen. Die Telefon-Abstimmung war für die Familie auch immer ein Hinweis darauf gewesen, wie viele Fans der gelernte Altenpfleger bereits von seinem Können überzeugen konnte.

Doch was bedeutet das alles jetzt für Michaels Chancen, im Finale am Freitag zur "Voice of Germany" gekürt zu werden? "Manche Leute sagen jetzt, dass Mike einen unfairen Vorteil hat, weil er ohne Abstimmung ins Finale gekommen ist, aber das stimmt nicht", sagt Neuner. "Michael hat eine sehr schöne Stimme. Ich hoffe und glaube, dass es am Freitag keine Rolle mehr spielen wird, wie er ins Finale gekommen ist. Schließlich konnte er nichts für Freaky Ts Entscheidung."

Stundenlang Warten auf Michael

Mit Michael sprechen konnte die Familie nach dem Halbfinale übrigens kaum. "Uns wurde erst gesagt, wir sollten auf unseren Plätzen bleiben, dann wurden wir in andere Räume gebracht und mussten stundenlang warten", erzählt Neuner. "Als Michael dann endlich kam, hatte er auch nicht viel Zeit, und so konnten wir ihn eigentlich alle nur begrüßen und ihm gratulieren." Ob sich der Dorfhauser denn freue, jetzt im Finale zu stehen? "Er ist schon glücklich darüber, im Finale zu sein, konnte sich aber auch nicht so freuen wie nach den bisherigen Entscheidungen."

Sich den Kopf darüber zerbrechen, wie er ins Finale gekommen ist und ob es auch anders hätte kommen können, will Michael aber auch nicht. "Er sieht das alles als sein Schicksal an", erklärt die Tante. "Als Kind war Mike ein richtiges Kasperle, seitdem er im Krieg war, war er immer traurig. Jetzt, durch "The Voice of Germany", hat er gelernt, wieder zu lachen."

Nur seine Nervosität, die konnte der Dorfhauser auch nach mittlerweile drei Live-Shows nicht ablegen. "Letzte Woche sagte er, er hatte so Herzklopfen dass er Angst hatte, man könnte es über das Mikrofon im Saal hören", erzählt Neuner und lacht. Dabei ist das Singen vor einem Millionenpublikum gar nicht mal das schlimmste für Michael: "Früher konnte er überhaupt nicht vor der Familie singen", verrät Neuner. "Als er bei der Taufe meines Enkels singen sollte, da war er richtig bleich vor Aufregung."

Unaufdinglich sympathisch

Obwohl - oder vielleicht eher: weil - Michael ein sehr zurückhaltender und unaufdringlicher Typ ist, konnte der 26-Jährige inzwischen bundesweit viele Tausend Fans für sich einnehmen. Gudrun Neuner glaubt deshalb auch, dass die Chancen ihres Neffen auf einen Sieg "gar nicht mal so schlecht" stehen. "Mike und vielleicht noch Nick (Howard, der Finalist aus Rea Garveys Team, die Redaktion), die haben einfach was, wo man gerne zuhört."

Deswegen wird Michaels Familie auch am Freitag wieder einen ganzen Fan-Bus voller Angehöriger und Freunde zur Unterstützung nach Berlin schicken. Besondere Aktionen, wie Fan-T-Shirts oder ähnliches ist aber nicht geplant - weil Michael es so wollte. "Er will nicht, dass wir etwas anderes anziehen, wir sollen einfach nur da sein, dann freut er sich, das ist ihm wichtiger", sagt Neuner. Vergangenen Freitag ist erstmals der Opa mit nach Berlin gefahren, der für Michael immer eine Art Vater-Ersatz war. "Da hat er sich wahnsinnig gefreut. Die Oma konnte leider nicht mitkommen, für sie wäre es zu anstrengend", so Neuner. Stattdessen wird die natürlich zuhause im Fernsehen mitverfolgen, wie sich ihr Enkel im Finale schlagen wird.

Nur: Ist ein Sieg in einer Castingshow überhaupt so erstrebenswert? "Darüber haben mein Mann und ich auch schon diskutiert", sagt Neuner. "Schließlich wird der Gewinner dann immer den Titel "Voice of Germany" tragen und vertraglich an den Sender gebunden sein. Vielleicht wäre es das Beste, den zweiten Platz zu machen und dann sein eigenes Ding machen zu können." So richtig entscheiden konnte sich Michaels Familie in dieser Frage nicht. Der Vorteil ist allerdings nicht von der Hand zu weisen: Egal, wie das Finale am Freitag ausgeht - in Dorfhaus wird es was zu feiern geben.