Andreas Merkel hat australische Wurzeln, ist in Franken geboren, nennt Willy Brandt sein politisches Vorbild und fühlt sich so sehr mit Schottland verbunden, dass er sonntags im Kilt durch Hetzles spaziert. Wer diesen Mann mit dem Schottenrock, der Bauchtasche aus Kaninchenfell und dem irischen Wolfshund Samwise unter der Dorflinde stehen sieht, kommt nicht auf die Idee, dass er hier einen Vertreter der Partei für Franken vor sich hat.

Immerhin: Andreas Merkel wohnt mit seiner Frau Muriel und den drei Kindern in einem traditionell fränkischen Haus. Und auf dem Esstisch im Wohnzimmer steht der rotweiße Franken-Wimpel seiner Partei.

Haus und Wimpel wenigstens erfüllen die Klischees, aber das war es dann auch. Von fränkischer Volkstümelei ist bei dem 39-Jährigen aus Hetzles nichts zu spüren. Ärgerlich sei es schon, dass die Partei für Franken immer wieder in die rechte Ecke gestellt werde, sagt der Fluggeräte-Mechaniker, der sich am 15. September gleich um zwei Mandate bewirbt. "Die Franken" haben ihn als Kandidat für den Landtag und für den Bezirkstag ins Rennen geschickt.

Er und seine Frau hätten sich dieser Partei nicht angeschlossen, weil sie ein Bundesland Franken einforderten, betont Andreas Merkel. Wenn er von seinem politischen Engagement spricht, fällt zu allererst dieser Satz: "Wir wollen nicht dem Großkapital nachlaufen."

Kampfkunst-Weltsicht

Das scheint das entscheidende Motiv Merkels zu sein: Niemandem nachlaufen zu müssen. Etwas Rebellisches spricht aus diesem stämmigen Mann mit dem freundlichen Lächeln. Und wenn er sich selbst auch nicht als Rebell bezeichnet - in jedem Fall sieht er sich als Kämpfer.

Merkel ist Träger eines schwarzen Gürtels und stand einst in der Bayernliga auf der Matte; als Trainer ist er noch immer aktiv und bringt Kindern in Hetzles Goshin Jutsu bei. Die Kampfkunst habe seine Weltsicht geprägt.
"Jeder bewegt sich und alle bewegen sich gleichzeitig, wir sind eine Welt." Diese Erfahrung aus der japanischen Kampfkunst gilt für den 39-Jährigen natürlich auch für die Politik. Auch hier seien das Miteinander und der Ausgleich gefragt, sagt Merkel. Und weil ihm dieser Ausgleich fehlt, ist er der 2009 gegründeten Partei für Franken beigetreten. Beispiele ungerechter Verteilung zwischen dem Süden und dem Norden Bayerns kann Merkel viele aufzählen. Würden im Ballungsraum München 200 Millionen für eine Bahntrasse benötigt- "kein Problem". Werde aber in Franken für eine notwendige Trasse nur ein Zehntel dieser Summe benötigt - "keine Chance".

Das ärgert Merkel. Wenn er von einer Politik für Franken spricht, dann spricht er vor allem von Infrastruktur. Die Mängel seien allgegenwärtig, auch vor der eigenen Haustür. Fährt Merkel aus seinem Hof raus nach rechts, führt die Hauptstraße nach Neunkirchen; fährt er nach links, führt die Hauptstraße in eine Sackgasse.

In Bayern gebe es zu viele Grenzen: Tatsächliche Grenzen, wie jene zwischen den fränkischen Bezirken - "und dann noch die Grenzen im Kopf". Ober-, Unter- und Mittelfranken müssten ihre Trennung überwinden, fordert der 39-Jährige. "Es geht nicht um ein Bundesland Franken. Aber die drei Bezirke als Einheit wären wirkungsvoller. Ein Drittel von Bayern ist ja fränkisch und das muss sich auch in der Verteilung der Mittel ausdrücken."

Wie stark der Zusammenhalt im Norden gegen die vermeintliche Übermacht im Süden wirken kann, das hat Andreas Merkel bei den Schotten gelernt. Als Zwölfjähriger war er erstmals während einer Ferienfreizeit auf der Insel. Als 13- Jähriger bat er seinen australischen Vater, mit ihm Schottland zu besuchen. Seitdem reise er fast jedes Jahr dorthin. "Ich mag die kleinen Revoluzzer im Norden." Von den Mc Kenzies hat sich Andreas Merkel auch die Erlaubnis geholt, den Schottenrock dieses Clans zu tragen. Und er trägt ihn nicht nur beim Sonntagsspaziergang, sondern auch wenn er zum Parteitag fährt.

Nur ein Barett setzt er sich nicht auf den Kopf. Bei der Kleiderordnung, in der Kampfkunst oder bei der Gestaltung des Parteiprogramm - Andreas Merkel folgt immer demselben Prinzip: "Aus der Tradition das Brauchbare bewahren, das Unbrauchbare ausscheiden und das Ganze durch das aktuell Notwendige ergänzen."
Seine Gruppierung habe daher auch kein Problem, brauchbare Ideen anderer Parteien zu adaptieren. Daher fänden sich bei der Partei für Franken auch grüne, rote oder schwarze Ideen: "Letztlich sind wir die ganz große Koalition."