"Mit unseren finanziellen und personellen Mitteln sind wir absolut am Limit - Mehr geht nicht", meinte Susanne Fischer. Die Mitarbeiter des Forchheimer Pfalzmuseums haben in den vergangenen Jahren tausende Überstunden angesammelt. Die Museumsleiterin berichtete am Donnerstag dem Hauptausschuss von ihrer dringlichen Lage. Die Stadträte stimmten einhellig dafür, die Anzahl der bezahlten Wochenstunden deutlich zu erhöhen. Die Ausschuss-Mitglieder machten Fischer zudem Hoffnung, dass künftig neue Projekte und Ideen in der Kaiserpfalz unterstützt werden.


Mitarbeiter mit enormer Mehrarbeit


In dem historischen Gebäude aus dem 14. Jahrhundert arbeiten Susanne Fischer und ihre Kolleginnen Christina König und Martina Wesler in der Museumsverwaltung. Allein diese Drei haben rund 1500 Überstunden. Zusammen mit den geringfügig Beschäftigten an der Kasse und in der Aufsicht kommen die Mitarbeiter auf 2745 Überstunden.

Fischer hob vor allem die Leistung von Martina Wesler hervor, die seit 2006 in der Kaiserpfalz als Museumspädagogin arbeitet. Die Historikerin ist auf 450-Euro-Basis bei fünf Wochenstunden eingestellt. Das sei nicht ansatzweise ausreichend, sagte die Leiterin: "Frau Wesler leistet hier wirklich Übermenschliches." Insgesamt liegen die Personalkosten bei 190 000 Euro.


"Denkmal von nationaler Bedeutung"


Gerade die Museumpädagogik sei eine Erfolgsgeschichte: Mit ihren Erlebnis-Veranstaltungen und Programmen für Kinder und Jugendliche erfülle das Pfalzmuseum nicht nur einen wichtigen bildungspolitischen Auftrag. Die jungen Menschen würden auch künftig als Erwachsene eher wieder das Museum besuchen.

Das historische Gebäude der Kaiserpfalz mit seinen Wandmalereien wurde vom Bayerischen Kultusministerium als "Denkmal von nationaler Bedeutung" eingestuft. Neben dem Stadtarchiv sei das Pfalzmuseum das kollektive Gedächtnis der Stadt, betonte Fischer. Wie bei allen Museen weltweit gehe auch in Forchheim der Trend zur "Eventisierung" mit mehr Veranstaltungen und Sonderausstellungen, um neue Besuchergruppen anzulocken.

Die Gästezahlen stiegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich: Jährlich besuchen 50.000-60.000 Gäste (in den 1990ern waren es 5000 Besucher). Laut Landesstelle der nichtstaatlichen Museen liegt das Pfalzmuseum im oberfränkischen Ranking auf Platz 2 nach den Kunstsammlungen der Veste Coburg und vor dem Brauereimuseum in Kulmbach. Auch der Gewölbekeller in der Kaiserpfalz sei als Ort für Feiern gut nachgefragt und fast durchgehend ausgebucht.


Ideen für die Zukunft


Die Museumsleiterin präsentierte auch eine Liste mit Projekten, die das Pfalzmuseum verbessern würden. Besonders dringlich brauche das Museum ein Zentraldepot für die historischen Schätze: "Wir platzen aus allen Nähten", so Fischer. Seit den 90er Jahren kamen etwa 6000 neue Objekte hinzu. Ein weiterer Wunsch wäre eine digitalen Datenbank, die die Schätze auflistet. Das Depot könnte gemeinsam mit dem Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld und dem Wallfahrtsmuseum in Gößweinstein genutzt werden, also kämen Forchheim oder Ebermannstadt in Frage.

Außerdem könnte der Saltorturm als "Regenausweichquartier" genutzt werden, so dass auch bei schlechtem Wetter Veranstaltungen stattfinden könnten. Die Instandsetzung sei mit relativ einfachen Mitteln möglich. Im Graben der Kaiserpfalz könnte ein mittelalterlicher Spielplatz entstehen, für die Finanzierung der Geräte könnten Paten gesucht werden. In den Sommermonaten sei ein Cafe denkbar. Zudem könnten Events für Firmen angeboten werden, oder Führungen in englischer Sprache für Flüchtlinge oder ausländische Gäste.

An der Uni Bamberg haben Masterstudenten der Kommunikationswissenschaft in einer Studie die Öffentlichkeitsarbeit des Pfalzmuseum analysiert. Die Arbeit sei generell gut, aber die fehlenden Facebook- und Instagram-Auftritte bewerteten sie als Manko. Auch das müsse man in Angriff nehmen.


Gesamtkulturelles Konzept gefordert


Fischer fand es besonders wichtig, dass das Pfalzmuseum künftig in ein "gesamtkulturelles Entwicklungskonzept" integriert wird. Im Frühjahr wird sich der Stadtrat mit einem Kulturkonzept für Forchheim befassen, versicherte Oberbürgermeister Kirschstein (SPD).

Fraktionsübergreifend lobten die Mitglieder des Hauptausschusses die geleistete Arbeit und das Engagement der Museumsmitarbeiter. Sie stimmten der Aufstockung der Gesamtstundenzahl von derzeit 46 auf rund 80 Wochenstunden zu. Zudem soll eine weitere Kassenkraft auf 450 Euro Basis eingestellt werden.

"Die Frage ist nur, ob die Anhebung der Stunden auf Dauer ausreichend ist", fügte Stadtrat Manfred Hümmer (FW) hinzu. Sebastian Körber (FDP) plädierte dafür, das frei verfügbare Budget (70 000 Euro) zu erhöhen: "Denn das bedeutet viel Kulturförderung für die Stadt." Hilfreich sei außerdem eine Priorisierung der Maßnahmen. Udo Schönfelder (CSU) sorgte mit dem Vorschlag, dass ein Museums-Maskotchen (er erfand den Namen "Pfalzifant") hilfreich sein könnte, für heitere Stimmung: Museumsleiterin Fischer begrüßte die Idee, passenderweise zeigt eine Wandmalerei in der Kaiserpfalz einen Elefanten.