Heute wird gearbeitet. Rege Betriebsamkeit herrscht auf dem ländlichen Anwesen der Familie Pingold in Lilling. Hans Pingold brennt einen edlen Tropfen, Tochter Susanne geht mit Cornelia, der fest angestellten Hauswirtschafterin nochmals die Gästeliste durch und Wadi, ein Landwirtschaftler und ebenfalls fest angestellt, räumt im Wald den Schneebruch auf.

Ein 2. Februar, an dem tatsächlich gearbeitet wird, ist in vergangenen Jahrhunderten eher eine Ausnahme gewesen. Am 2. Februar hatten die Knechte und Mägde in der Regel frei. Denn an diesem Tag - an Lichtmess - wechselten sie ihre Dienstherren. Mit dem 2. Februar begann und endete nicht nur die Weihnachtzeit, sondern auch das bäuerliche Jahr.

Die alten Mägde und Knechte haben den Hof verlassen, neue Mägde und Knechte ihren Dienst angetreten. Dieser Mechanismus hatte bis Anfang der 60er des vergangenen Jahrhunderts Bestand. Dann hat in die um sich greifende Mechanisierung peu a peu außer Kraft gesetzt: "Je mehr Mechanisierung es gab, desto weniger Knechte und Mägde brauchte ein Hof", erklärt Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Forchheim.

Margarete Baumann, eine geborene Netter, kam im Jahr 1951 als Magd auf den Hof der Familie Pingold. Die damals 14-Jährige Lillingerin hatte sich zuvor entschieden, bei der Familie Pingold, deren Tochter Bärbel Baumanns Freundin war, als Magd zu arbeiten. Hauptsächlich für die Stall- und Feldarbeit waren die Knechte und Mägde zuständig.

Behandelt wie das eigene Kind

So wollte und will der Hopfen jeden Tag den Herrn sehen, in der Hopfenstube wurden die Reben abgepflückt, um die Tiere wurde sich gekümmert, der Stall ausgemistet. Die Feldarbeit bedeutete viel Handarbeit und das tägliche Futter für die Tiere musste mit der Hand gesenst und gerecht werden.

Die Pingolds hatten damals zwei Pferde für die Ackerarbeit. Diese musste Margarete Baumann besonders dann sorgfältig putzen und striegeln, wenn im Dorf jemand gestorben war und die Pferde vor den Leiterwagen gespannt wurden, um den Sarg für die Fahrt über den Berg hinunter zum Friedhof nach Weißenohe zu bringen. "Ich wurde wie ein eigenes Kind behandelt, durfte alles mitmachen, am Tisch der Dienstherrn essen und im Haus schlafen", erinnert sich Margarete Baumann. Sie verließ als letzte Magd den Hof 1956, um am Hof ihrer zukünftigen Schwägerin zu helfen und auch um einzuheiraten.

So gut wie Margarete Baumann erging es längst nicht allen Mägden und Knechten auf den Höfen. Vor allem nicht in den früheren Jahrhunderten. Alle größeren Bauern stellten etwa ab dem 17. Jahrhundert an Lichtmess eine Magd und einen Knecht ein. "In der Regel für ein Jahr", erklärt Wulf Treiber, Direktor des Haus der bayerischen Landwirtschaft.

Hierarchische Abstufungen

Das Leben war hart für die Mägde und Knechte in diesen Zeiten. "Es waren schwierige Arbeitsbedingungen, mit teils 16 oder 18 Arbeitsstunden, je nach Betrieb", sagt Treiber.

Die Bezahlung erfolgte erst nach einem Jahr - und abzüglich der Naturalien. "Wer bei seinem Arbeitgeber nicht so gut behandelt wurde und schon früher weiterzog, bekam sein Geld nicht", erklärt Treiber. Größere Betriebe stellten mehre Mägde und Knechte ein. Doch auch innerhalb des Gesindes gab es mit dem Oberknecht und dem Unterknecht hierarchische Abstufungen.

Die Heiratschancen waren für die Dienstboten schlecht. "Aber bei einem Todesfall kam es auch vor, dass ein verdienter Knecht Aufstiegschancen hatte, indem er die Bäuerin heiraten konnte", sagt Treiber. Renten, so vermuten die Forscher, hat es damals nicht gegeben. Die Knechte und Mägde waren auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, als ältere Leute irgendwo unterzukommen. Alois Seidl, ein Agrarhistoriker aus Landshut, kann das bestätigen. "Eine Altersversorgung hat es nicht gegeben. Aber die meisten Leute hatten sich etwas erspart, um überleben zu können."

Allerdings sei es auf der anderen Seite auch vorgekommen, dass alte Mägde und Knechte den Gemeinden zur Last fielen und in ein Armenhaus gesteckt wurden. Das Leben vieler Mägde und Knechte glich auch deshalb einem täglichen Überlebenskampf.

Die zwölfte Stunde bringt Unglück

"Wenn im März die Vegetation beginnt und die Sommergerste gesät wird, brauchte man Leute, die wussten, wo der Rechen steht", erklärt Werner Nützel, warum die neuen Arbeitsverträge ausgerechnet an Lichtmess besiegelt worden sind.

Die Tage vor Lichtmess, "Schlenkertage" genannt, durfte das Gesinde bei den Angehörigen zu Hause verbringen. "Aber am 2. Februar mussten bis elf Uhr die neuen Kräfte angetreten sein. Die zwölfte Stunde brachte Unglück", zitiert Seidl aus dem Buch "Ein Bauernjahr", von Kurt Rieder, der sich intensiv mit den ländlichen Brauchtümern beschäftigt hat.

So versprach das Gesinde auf Ehr und Glauben den Dienst. Ausgestattet wurden sie mit einem "Dinggeld", einer Art Anfangsprämie, wenn sie "eingestanden" waren, also den Dienst antraten. Auch eine Dienstbotenregelung besagte, dass der Bauer dazu angehalten war, die Mägde und Knechte zum sonntäglichen Kirchengange anzuhalten.

Ein Zeugnis, vom Bürgermeister bestätigt, wurde ihnen am Ende der Dienstzeit ausgehändigt. Leichter wurde es nach dem Ende des ersten Weltkriegs. Da gab es dann gesetzliche Verankerungen, formlose Verträge, Vereinbarungen und auch Gewerkschaften hatten sich gegründet. Übrigens waren auch Kriegsgefangene als Knechte auf den Höfen eingesetzt. Da spielte Lichtmess als Einstiegsdatum keine Rolle mehr.

Margarete Baumann trat ihren Dienst im Sommer, nach dem Ende ihrer Schulzeit an. Sie besuchte einmal in der Woche die Berufsschule, obwohl es die Magd noch nicht als Ausbildungsberuf gab. Zahlen, wie viele Mägde und Knechte über diese Jahrhunderte ihr Überleben so verdienten, kennt man nicht.

Gestiegene Anforderungen

Heute sind diese Bezeichnungen nur noch aus den früheren Erzählungen bekannt. "Den einfachen Landarbeiter gibt es nur noch im Museum. Mit der Mechanisierung und der Vergrößerung der Betriebe, haben sich auch die Anforderungen an den Landwirt verzehnfacht", sagt Nützel.

Der Landwirt ist heute ein Unternehmer, der sich in der Produktionstechnik auskennen muss. Vom Düngen bis zum Pflanzenschutz gilt in allen Bereichen zu wissen, was wann in welcher Form benötigt wird. Hinzu kommen die Umweltgesetzgebung, die Tierhaltung, der Naturschutz, alles Anforderungen, denen ein Landwirt gerecht werden muss.

Lichtmess hat in der modernen Landwirtschaft keinen Platz mehr. Auch nicht mehr bei den Pingolds in Lilling. Dort erinnert nur noch die Weihnachtskrippe an den 2. Februar - und der Kalender.