Für Gabriele Obenauf, Leiterin des Amtes für Jugend, Bildung, Sport und Soziales der Stadt Forchheim, sind die Zahlen nicht neu: Täglich jongliert sie mit Anmeldungen und Wartelisteplätzen für Kindergärten und Krippen. Für die Stadträte im Haupt-, Personal- und Kulturausschuss (HPKA) dagegen waren die vorgestellten Zahlen alarmierend.

Insgesamt 185 Kinder in Forchheim haben momentan keinen Betreuungsplatz. "Im Krippenbereich ist die Situation besonders tragisch", so Obenauf: 115 Krippen- und 70 Kindergartenplätze werden gebraucht. Im Forchheimer Osten fehlen insgesamt 44 Plätze, noch prekärer ist die Lage in der Innenstadt: 47 Kinder (23 Krippe und 24 Kiga) brauchen hier noch einen Platz.

Obenauf betont: Die Zahlen seien nur eine Momentaufnahme und werden sich bis Mai noch entspannen. Wegen des neuen Einschulungskorridors (siehe Infobox unten) müssen die Kindergärten bis Mai rund 40 bis 50 Plätze zurückhalten.

"Die großen, entspannenden Maßnahmen sind noch nicht so weit, dass sie für die momentane Situation hilfreich sind", warnt Obenauf. Baubeginn beim Carl-Zeitler-Kindergarten ist erst 2020, die Fertigstellung ist für 2021 geplant. Ob das Gebäude in der Karolingerstraße 13 zu einem Kindergarten umgebaut wird, dafür seien die Planungen ungewiss. Ebenfalls nicht voran geht es bei den Planungen der katholischen Kirchengemeinden Verklärung Christi, Burk und Reuth.

Hier könnte es bald Plätze geben

Kurzfristige Lösungen müssen her: Im Gerhardinger Kinderhaus (im Waisenhausgebäude) wird ab April 2019 eine neue Kindergartengruppe mit 25 Plätzen gegründet. In der Kita in Kersbach soll eine "kleinere Übergangsgruppe mit 15 Kindern eingerichtet werden". Allerdings muss dafür noch die Fachaufsicht zustimmen. In Burk und Reuth sollen Räume zur Anmietung gesucht werden. "Die Stadt muss sich bewusst sein, dass wir in Zukunft alle Maßnahmen selbst in die Hand nehmen müssen, auch die großen", sagt Obenauf.

Denn die Eltern haben per Gesetz Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, anderenfalls könnten sie sogar klagen. Die Klage ist beim Landratsamt zu stellen, das die Forderung dann an die Stadt weiterleitet. Noch sei das aber nicht vorgekommen, sagt Obenauf.

Auch, weil die Klage ein zahnloser Tiger" sei, so Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD): "Im Endeffekt brauchen die Eltern kein Klageverfahren, sondern einen Betreuungsplatz." Auch wenn er kein Freund davon sei, müsse die Stadt Container-Lösungen in Betracht ziehen. Neben Plätzen mangele es auch an genügend Personal: "Am Ende des Tages brauche ich auch jemanden, der die Kinder betreut", sagt Kirschstein.

Der musste sich in der HPKA-Sitzung Vorwürfe von Manfred Hümmer (FW) gefallen lassen. "Wir rennen den Versäumnissen der Vergangenheit hinterher", so Hümmer. Das Thema hätte man in den Haushaltsverhandlungen intensiver besprechen und mehr Geld dafür einstellen müssen. "Jetzt ist die Verwaltung in der Verantwortung", meint er. Einen Nachtrag im Haushalt, wie es Hümmer fordert, brauche es laut OB Kirschstein jedoch nicht.

Annette Prechtel (FGL) spricht von einem "Versäumnis der Stadtplanung". Forchheim habe Wohngebiete geschaffen, aber nicht über Betreuungsplätze nachgedacht. Man müsse nun nach Möglichkeiten suchen, wo Kitas betrieben werden können.

Udo Schönfelder (CSU) plädiert dafür, auf Supermarkt-Dachflächen eine Etage für Kitas anzubauen. Die Fläche sei ohnehin versiegelt. Karl-Heinz Fleckenstein (CSU) fordert, "Bestandsimmobilien ins Auge zu fassen". Das sei die schnellste Lösung. Das kann Kirschstein so nicht bestätigen. Einen Umbau brauche es immer. "Eine Lösung von heute auf morgen gibt es einfach nicht."

Die Stadträte haben die Verwaltung einstimmig beauftragt, bis September 2019 weitere Lösungen zur Erweiterung des Platzangebotes im Kiga- und Krippenbereich zu finden. Obenauf soll im Mai erneut über die Situation berichten.

Mehr Zeit für die Einschulung

Neuer Einschulungskorridor Für Kinder, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, wird zum Schuljahr 2019/2020 ein Einschulungskorridor eingeführt. Die Eltern entscheiden nach Beratung und Empfehlung durch die Schulen, ob ihr Kind zum kommenden Schuljahr oder erst ein Jahr später eingeschult wird. Bisher konnte das Kind durch einen Härtefallantrag ein Jahr später eingeschult werden. Der Einschulungskorridor macht die Zurückstellung einfacher.

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultusfr