Auf zwei besondere Ereignisse freut sich Lena Lassner am Sonntag: auf ihren 18. Geburtstag und dass sie zum ersten Mal wählen darf. Wobei die Volljährigkeit die Voraussetzung für das andere ist und beide Ereignisse das Erwachsen sein bedeuten.

Die Forchheimerin gehört damit zu den 3 Millionen Erstwählern in Deutschland und zu den etwa 650 000 Erstwählern in Bayern. Und Lena Lassner freut sich darüber. "Ich habe mich schon für die Landtagswahl interessiert, den Wahlkampf mitverfolgt, die Portraits in der Zeitung gelesen und auch im Fernsehen die Debatte geschaut", erklärt die junge Frau aus Forchheim. Dennoch fand sie es gut, dies aus einer gewissen Distanz heraus, miterleben zu können, da sie am Sonntag der Landtagswahl noch nicht volljährig war.


Geburtstagsparty im Oktober

Noch vor einigen Monaten, als die Wahlen schon in aller Munde waren, stand für Lena Lassner noch gar nicht fest, ob sie in diesem Jahr schon ins Wahllokal gehen darf. "Dass 2013 gewählt wird, wusste jeder, doch als ich hörte, dass die Wahl am 22. September ist, habe ich mich schon gefreut", erzählt sie. Eine gute Freundin hingegen verpasst die Wahl. Sie wird erst im Oktober volljährig. Eine große Geburtstagsparty feiern sie dann zusammen, eine "Wahlparty" wird es nicht geben.

Trotzdem ist der Wahlsonntag für die Gymnasiastin ein großer Tag. "Wählen ist ein Recht. Wenn man das Recht hat, muss man es nutzen. Wer nicht wählt, kann nichts verbessern", findet sie und erklärt in diesem Zusammenhang zugleich, dass es gerade an der Bundestagswahl wichtig ist, dieses Recht zu nutzen. Eine Wahl, die entscheide, in welche Richtung sich das Land bewege, mit wichtigen Themen, die jeden angingen und bei denen sie sich eine Verbesserung wünsche. Nicht zuletzt deshalb informierte sich Lena Lassner intensiv über das Programm der einzelnen Parteien.

"Die Bundestagswahl ist eher eine Parteienwahl, im Gegensatz zur Kommunalwahl", weiß Holger Strehl, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamts Forchheim. Informieren könnten sich die Wähler und gerade Erstwähler am effektivsten an den Infoständen der Parteien vor Ort, meint Strehl. Schließlich könnten sie hier gleich Themen ansprechen die den einzelnen besonders interessieren. Oder die Internetseiten der einzelnen Bundestagskandidaten besuchen, rät Strehl. Manche Parteiprogramme lesen sich wie ein Gesetzbuch. Das sei wenig hilfreich für viele Menschen.


Politik überall

Gedanken, welche Partei sie wählen wird, hat sich Lena Lassner längst im Stillen gemacht. Rege diskutiert wird über die Politik überall. Ob im Klassenzimmer, im Pausenhof oder im Familienkreis - von Politikverdrossenheit keine Spur: "Wir reden viel über politische Themen. Auch in der Oberstufe sprechen wir in Sozialkunde oder Geschichte aktuelle Themen an und sprechen auch über die Auswirkungen", meint Lena Lassner und fügt als Beispiel das Thema Betreuungsgeld an. Es sei auch wichtig, andere Meinungen zu hören. Und im Fernsehen die Debatten zu verfolgen, als Bestätigung, dass die Partei zu ihrem Programm steht, aber auch zu sehen, wie die Politiker sich und ihre Ziele präsentieren.

"Erst am Ende habe ich den Wahl-O-Mat genutzt. Das Ergebnis war ziemlich identisch", fügt sie an. Dass sie neben dem abzuleistenden Schulpensum diese Informationsquellen sucht und diese Gespräche führt, zeigt, dass es für die Zwölftklässlerin mehr als um ein Kreuzchen auf einem Blatt Papier geht. Sie hat sich mit dem Thema Wahl richtig beschäftigt. "Man sollte schon wissen, dass mit der Zweitstimme die Sitze verteilt werden oder dass eine Partei unter fünf Prozent den Sprung nicht schafft. Man sollte nicht nur wählen, sondern auch strategisch wählen", sagt die Erstwählerin, denn die Stimmvergabe entscheide auch über die Koalition oder wie man eine verhindern kann.

"Wir leben hier, da kann einem die Wahl nicht egal sein", betont die 17-jährige, die mit einigen Freunden in den Wahlsonntag und in die Volljährigkeit hineinfeiert. Trotzdem will sie noch vor dem Kaffee ins Wahllokal gehen, und der Fernseher wird spätestens ab 18 Uhr laufen, um die Prognosen und Hochrechnungen zu verfolgen.


Abitur im nächsten Sommer

Ihr größter Wunsch für das nächste Jahr hat allerdings nichts mit dem Wahlergebnis zu tun. Sie möchte ihr Abitur am Herder-Gymnasium schaffen. Einen kleinen Vorgeschmack dazu erhält sie nur wenige Tage nach dem Wahlsonntag, wenn es eine Art Probeabitur gibt.

Nach dem 22. September ist das Thema Politik für sie nicht gestorben. "Ich werde mich weiterhin damit beschäftigen", betont die Noch-17-Jährige, die sich in ihrer Freizeit auch gerne mit Freunden trifft, Klavier spielt, Hip Hop oder Zumba tanzt und ab Sonntag auch alleine Auto fahren darf. Volljährig eben. "Man fühlt sich erwachsener", lacht Lena Lassner. Ansonsten werde sich nicht viel ändern.