Es ist eine lange Kolonne, die sich von Igensdorf kommend durch den Landkreis Forchheim bis nach Nürnberg schlängelt. Rund 150 Landwirte aus der Region haben sich gestern mit ihren Traktoren auf den Weg nach Nürnberg gemacht, um gegen die ihrer Meinung nach verfehlte Agrar- und Umweltpolitik der Bundesregierung zu protestieren.

"So merkt der Verbraucher mal, dass sich etwas bewegt", sagt Landwirt Martin Schmitt aus Oberehrenbach. Der 29-Jährige ist gelernter Landwirt und arbeitet als Betriebsleiter in der Biogasanlage von Kreisobmann Hermann Greif.

Beruf als Berufung

Schmitt ist in die Landwirtschaft hineingeboren. "Ich war schon immer Landwirt", sagt er. Seine Familie führt daheim einen Nebenerwerbsbetrieb. Früher mit Milchvieh, heute hauptsächlich Acker- und Obstbau. "Es ist ein unglaublich vielseitiger Beruf, jeder Tag ist anders", sagt Schmitt. Deshalb musste er nach der Realschule auch nicht lange überlegen, was er beruflich machen möchte. Er holte sein Fachabitur nach, studierte in Triesdorf und wurde Landwirtschaftstechniker.

"Bauern-Bashing und Buhmann"

Die Bewegung "Land schafft Verbindung", die die Protestkundgebung in Nürnberg organisiert hat, schreibt in einer Mitteilung: Die Landwirte haben es satt, der "Buhmann der Politik" zu sein. Das "Bauernbashing" bringe viele Landwirte an ihre Grenzen. Trotzdem: Die Entscheidung, Landwirt zu werden, hat Schmitt bis heute nicht bereut.

Ob sich die Stimmung gegen die Landwirte verändert hat? "Jein", sagt Schmitt. Gestern früh bei der Traktorensternfahrt nach Nürnberg seien den Landwirten immer wieder Autofahrer entgegengekommen, die den Daumen zustimmend nach oben gestreckt haben.

Kritiker gebe es natürlich. So ist es beispielsweise nicht für jeden verständlich, dass rund 5000 Landwirte mit 2500 Traktoren aus allen Himmelsrichtungen bis nach Nürnberg gefahren sind. Der Vorwurf: So werde die Umwelt erst recht verschmutzt. Schmitt entgegnet: Dass die Traktoren gegen die Abgasnormen verstoßen, sei falsch. "Das stimmt nicht. Wir haben sogar bessere Abgasfilter als manche Autos", sagt er.

"Wir ackern für Bayern"

Unter dem Titel "Wir ackern für Bayern" fand dann ab Mittag am Nürnberger Volksfestplatz die bisher größte Protestaktion der Bauern in Bayern statt. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) haben vor den Bauern Reden gehalten. Die Hoffnung von Schmitt und seinen Kollegen: "Dass die Politiker halten, was sie versprechen. Und wir wollen die Bürger aufmerksam machen." Der Protest der Landwirte richtet sich an die Politiker, aber auch an die Verbraucher. "Was wir für erzeugte Lebensmittel bekommen, ist sehr wenig", betont Schmitt. Es brauche faire Preise.

Konkret ging es den Landwirten bei der Kundgebung unter anderem um die Verschärfung der Düngeverordnung und die geplanten Maßnahmen für mehr Insektenschutz. Landwirt Schmitt erklärt: Gerade für kleinere landwirtschaftliche Betriebe sei die neue Düngeverordnung sehr teuer, weil neue Maschinen angeschafft werden müssen. Die Optionen: Entweder neue Technik kaufen oder aufgeben

Bei einer so kleinteilig strukturierten Landwirtschaft wie in der Fränkische Schweiz müsse es Ausnahmeregelungen geben, sagt Schmitt.

Nach Angaben der Polizeiinspektion Bamberg-Land, die die Traktor-Kolonne von Haßfurt bis Kalchreuth begleitet hat, habe es auf der Strecke "keine größeren Behinderungen" gegeben. Die PI Bamberg-Land war mit drei Streifenbesatzungen unterwegs, Unterstützung gab es von anderen Dienststellen.

Soziale Medien: Geteilte Meinungen zu der Großdemo der Landwirte

Wenn Landwirte mit ihren Traktoren wie am Freitag in Nürnberg zu Kundgebungen fahren, sorgt das immer wieder für Diskussionen. So auch in den Sozialen Medien wie Facebook. Wir haben Stimmen von der Facebook-Seite des Fränkischen Tag Forchheim und von infranken.de gesammelt:

Befürworter

Bernd B.: "Die Bauern haben vollkommen recht, was sie tun. Bevor sich Leute aufregen, überlegt mal, wo eure Lebensmittel herkommen. Wenn die Bauern aufhören uns zu versorgen, na dann viel Erfolg beim Überleben."

Karlheinz H.: Sind mir gerade auf der B 8 entgegengekommen, sehr beeindruckender Auftritt. Gutes Gelingen Leute."

Christine W.: Was wären wir ohne euch. Danke an euch Jungs und Mädels. Macht weiter so."

Uwe E.: Ich stand vorhin auch eine Weile wegen den Jungs und Mädels im Stau. Meine Meinung dazu? Macht so weiter! Das muss in allen Bereichen um sich greifen, die Menschen müssen endlich ihren Standpunkt vertreten!

Kritiker

Effa B.: "So schlecht kann es den Bauern nicht gehen, wenn man diese riesen Maschinen sieht."

Gerd B.: "Denkt an die Luftverschmutzung. 5000 Traktoren auf einem Schlag, das gibt eine saftige Wolke. Umweltamt, bitte nicht die Messung vergessen!"

Michael D.: "Dann sollte man sich überlegen, ob das Geschäftsmodell Sinn macht oder nicht und entsprechend handeln. Produkte, die unter Preis angeboten werden und nur dank Subventionen produziert werden können, haben am Markt nichts verloren."

Barbara S.: "Ich glaube kein Mensch hat sich informiert, worum es den Landwirten geht: Um den kleinen Bauern, der um seine Existenz fürchtet, schon lange nicht mehr! Es geht um Profit auf Kosten der Natur und um das Recht, diesen ohne Einmischung durchsetzen zu können!" fr