Auf der Gewerbefläche neben dem gemeinsamen Bauhof mit Weißenohe ist noch eine Fläche frei. Ein Interessent hat sich gemeldet und möchte dort sein Gewerbe niederlassen. Nur ist es kein gewöhnliches Gewerbe. "Er möchte dort ein Krematorium errichten", sagte Bürgermeister Wolfgang Rast bei der Bürgerversammlung in Igensdorf - und wollte die Meinung der Bürger dazu kennen lernen. 3500 Quadratmeter groß ist die Fläche, die beim Bauhof dafür zur Verfügung steht. Der Interessent wollte das wohl schon in seiner Heimat errichten und es schien alles klar, bis eine Bürgerinitiative den Gemeinderat zwang, die Beschlüsse wieder aufzuheben.

Nun also die Anfrage in Igensdorf. Bei einem Tag der offenen Tür habe man sich ein Krematorium angeschaut. "Immer mehr Menschen wollen keine Erdbestattung", meinte eine Bürgerin dazu. Sie findet es nicht amoralisch. "Es sind Verstorbene", sagte sie. "Irgendwo werden sie verbrannt", fügte sie an. Wo? Bisher in Nürnberg, Bayreuth oder Tschechien, antwortete Rast. Auch der Weg zum Krematorium müsse bezahlt werden, fügte die Bürgerin an und nannte damit einen weiteren Grund, der für ein Krematorium in Igensdorf spricht. Ob dort die Leute nur eingeäschert würden oder ob auch Angehörige der Einäscherung beiwohnen? Das bejahte der Bürgermeister, erläuterte aber, dass dieser Raum nicht Aussegnungshalle genannt werden dürfe, sondern als Art Aufenthaltsraum für Bestatter tituliert würde. Es gebe wohl Sitzplätze, um zu sehen, wie der Sarg in den Ofen fährt. "Der Bedarf ist da. Über 60 Prozent der Bestattungen sind Feuerbestattungen", sagte Rast. "So kann man heimatnah eingeäschert werden", sagte eine Bürgerin. Und ein anderer Bürger stimmte dem Krematorium ebenfalls zu und verglich es mit Müllhalden und Funkmasten. Jeder produziere Müll und wolle Handys, aber die Deponie und Masten wolle niemand vor der Haustüre. Ihm wäre das Krematorium in Igensdorf recht, dann brauche man nicht mehr so weit fahren.
Die Gegner des Krematoriums waren nicht gegen das Gewerbe selbst, sondern weil mit dem Krematorium zu wenige Arbeitsplätze geschaffen würden, als es ein anderes Gewerbe, das dort ansiedle, schaffen würde. Nur zwei bis drei Mitarbeiter und einige für den Transporter, das sei nicht gerade viel. "Wir wollen nicht, dass dieser Platz verbaut wird und ein anderes Gewerbe mit mehr Arbeitsplätzen keine Chance mehr hat", sagte ein Bürger. Verwundert war man auch, warum die Firma Fritec, mit fast 50 Arbeitsplätzen wegging, anstatt hier das neue Gebäude zu bauen. Rast beteuerte, dass er Fritec den Platz am Bauhof angeboten hatte, was der Firmeninhaber jedoch ablehnte. Er wollte dann in Rüsselbach bauen, doch aufgrund eines historischen Scherbenfunds konnte er nicht bauen, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Dass diese Firma in den benachbarten Landkreis abwanderte, bedauerte Rast selbst. Uwe Reisberger von der Verwaltung machte zudem deutlich, dass der Boden dort durch Arsenvorkommen belastet ist, was jeden Bau teurer mache. Der Aushub muss auf eine Sonderdeponie. Zudem sei der lehmhaltige Boden problematisch beim Bau, da er wenig Halt gebe und aufbereitet werden müsse.
Ein anderes Argument für das Krematorium am künftigen Bauhof war, dass dann dort wenigstens keine Schwerlaster fahren. Schon bei der Bürgerversammlung in Rüsselbach ließ Rast über das Thema abstimmen. Dort war nur einer dagegen. In Igensdorf stimmten 17 Bürger für das Krematorium, 13 dagegen und drei enthielten sich.
Während das Krematorium keine wesentliche Verkehrsbelastung mit sich bringen würde, leiden die Bürger doch unter der Verkehrssituation entlang der B2, am Bahnübergang und beim China Restaurant. Verschiedene Anträge gingen deshalb ein. Der Gehweg am China Restaurant, direkt an der B2 sei recht eng. Ob der Gehweg nicht zusätzlich mit einer Kette gesichert werden könne, wollte ein Bürger wissen. "Ist es ein Gefahrenpunkt für die Besucher, die das Lokal verlassen?", stellte Rast als Gegenfrage. Aufgrund der Enge des Gehwegs und der vorbeirauschenden Lkws war dieser Vorschlag gedacht. Bürgermeister Rast meinte, durch Pfosten und eine Kette würde der Gehweg noch enger werden. Damit der Verkehr nicht zu dicht an den Gehweg fahre, müsste eine Leitplanke auf die Straße. Da spiele das staatliche Bauamt nicht mit. Schulweghelfer für die Ampel einzusetzten, dieser Vorschlag stieß bei dem Bürgermeister auf offene Ohren. "Wir begrüßen alle mit offenen Armen", sagte er. Die Freiwilligen hierfür würden ohnehin immer weniger werden. Die Schulweghelfer würden sogar eine kleine Entschädigung erhalten. Etliche Autofahrer würden dort selbst bei Rot einfach über die Ampel fahren. "Glücklicherweise sind die Kinder so intelligent und schauen nochmal nach links und rechts, bevor sie über die Ampel gehen", sagte Rast. Bei dem Bahnübergang an der Stelle, wo die Fußgänger queren, eine Schranke anzubringen, das beanstandete Bürgermeister Rast schon vor Jahren. "Die Bahn hat reagiert und einen weißen Strich auf den Boden gemalt", erklärte Rast dann deren Reaktion. Daraufhin habe er die Verantwortlichen der Bahn zu einem Ortstermin gebeten. Warum bislang keine Schranke dort ist: "Es handelt sich um eine planfestgestellte Schrankanlage. Da muss ein Planfeststellungsverfahren gemacht werden und das dauere", zitierte Rast die Bahnverantwortlichen.